22. Oktober 2022: 100 Jahre «Le Droit Humain Österreich»

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1893 wurde in Frankreich von Maria Deraismes und Georges Martin der internationale Freimaurerorden „Le Droit Humain“ (DH/das Menschenrecht) gegründet: eine Großloge, die Frauen und Männer aufnimmt; das war damals völlig neu. In den Jahren danach verbreitete sich diese freimaurerische Richtung über die französischen Grenzen hinaus, und 1922 wurde auch in Österreich die erste DH-Loge gegründet: die Loge "Vertrauen". Hundert Jahre später im Jahr 2022 konnte der österreichische Droit Humain (DHÖ), inzwischen angewachsen auf 27 Logen und mehr als 600 Mitglieder (mehrheitlich Frauen), mit einem großen Fest (freimaurerisch: Festarbeit) sein Jubiläum feiern. Von Rudi Rabe.

400 Gäste aus zwölf Ländern waren anwesend, darunter Delegationen aus Frankreich, Belgien, der Schweiz, Deutschland, Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Der nach dem DHI-Reglement (DHI = Droit Humain International) Ranghöchste war René Motro, Großmeister des Ordens aus Paris.

Blick in den Festsaal aus dem rituellen „Westen“ (= Freimaurersprache); in der Mitte zuerst wie in jedem Freimaurertempel zwei Säulen, dann die sogenannten Kleinen und Großen Lichter und schließlich ganz hinten der Vorsitz.


Blick in den Festsaal aus dem rituellen „Osten“ (= Freimaurersprache); im Vordergrund der Vorsitz und im Hintergrund der beginnende Einzug der Würdenträger.
Droit Humain.jpg

Eine organisatorische Eigenheit des Freimaurerordens „Droit Humain“ ist die Doppelführung. Im DHÖ waren das im Jubiläumsjahr 2022 die zwei Freimaurerinnen Lilo Almog und Irene Podovsovnik. Im folgenden gemeinsamen Statement, das im Umfeld der Festarbeit präsentiert wurde, würdigten sie das österreichische Jubiläum.

100 Jahre DH-Österreich:
Resümee und Perspektiven

Von Lilo Almog und Irene Podovsovnik

Wir haben ein bedeutendes Fest gefeiert. Ein großer Dank an alle, deren Arbeit, deren Kreativität und Disziplin über Monate diesen Erfolg möglich gemacht haben.

Wir haben die Chance wahrgenommen im Blick zurück unsere heutige Identität zu analysieren und unsere Zukunft zu entwerfen. Wir haben die Chance wahrgenommen, uns zu zeigen als die, die wir sind: ein engagiertes Mitglied des DHI. Wir haben die freimaurerische Gemeinschaft eingeladen, eine Festarbeit mit uns zu feiern. Diese Einladung wurde von Mitgliedern aus zwölf Ländern des DHI, vielen Würdenträgern, zu unserer großen Freude auch von unserem SMSGK, GMO, René MOTRO, und von fast allen österreichischen Obödienzen freudig angenommen.

Unsere Festarbeit sollte ein Symbol der Hoffnung, ein Symbol für den Fortschritt der Menschheit und den geschwisterlichen Zusammenhalt sein. Aufbauend auf der Geschichte des Österreichischen DH haben wir den Blick auf die Wegbereiter der Menschheit und deren Erfolge gerichtet. Die Geschichte des Österreichischen DH beginnt in bewegten Zeiten, mit einem mutigen, ja visionären Zusammenschluss von Menschen, Brüdern und Schwestern, die neben das Angebot der traditionellen Freimauerei eines setzen wollten, welches sie näher an den Notwendigkeiten der neuen Zeit sahen. Von Anfang an gehörte dazu auch das Spannungsfeld zwischen Rationalität und Spiritualität, zwischen gesellschaftlichem Engagement und innerer Einkehr – das Drama des modernen Menschen, das uns auch heute beschäftigt. Diese Auseinandersetzung hat immer wieder zu Abspaltungen und Neugründungen geführt, auch der nicht immer erfüllbare Wunsch nach gegenseitiger Anerkennung ist bis heute ein Thema.

Die Störung und Zerstörung in Austrofaschismus und Nationalsozialismus hat den DHÖ bis in die Wurzeln der physischen Vernichtung seiner Menschen erschüttert. Umso bedeutsamer der Neubeginn nach 1955, ein behutsames Tasten zwischen Tradition und Emanzipation, auch dies wieder ein Spiegel der Gesellschaft.

Das erfreuliche, rasche Wachstum unserer Föderation – 1994 die 100-Mitglieder und Drei-Logen-Marke überschritten, heute über 600 Mitglieder – bedeutet nicht nur eine permanente administrative Herausforderung, sondern auch das kreative Ringen einer zunehmend diversen Gemeinschaft um einen gemeinsamen Weg. Um diesen zu finden, gehört dazu das Lauschen auf die essentiellen Elemente des LE DROIT HUMAIN – seine Internationalität, seine Weltoffenheit, die komplexe Spiritualität der Rituale des AASR.

Die Dynamik, die mit der Gestaltung unseres Jubiläums entstanden ist, hat uns mitgerissen in neues Selbstvertrauen, Vertrauen zueinander und die Hoffnung, den Fragen unserer Welt heute und in Zukunft Antworten anbieten zu können. Da wir überzeugt sind, dass diese unsere Antworten auf die Fragen der Welt eine weitere Verbreitung verdienen, haben wir die Chance wahrgenommen, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Öffentlichkeit und Freimaurerei waren in Österreich aufgrund unserer Geschichte der Repression und Gefährdung bisher ein Widerspruch. Wir haben unseren Mut zusammengenommen und eine interessierte Öffentlichkeit eingeladen – und diese Einladung wurde angenommen.

Mit zahlreichen Kunstwerken von Mitgliedern des DHÖ haben wir eine Ausstellung gestaltet, die einen emotionalen, sinnlichen Zugang zur Freimaurerei eröffnet. Insgesamt konnten wir fast 3000 Besuchern unsere Sicht auf den LE DROIT HUMAIN zeigen. Diese Ausstellung wird dauerhaft auf folgender Website zu sehen sein (siehe unten).

Unser zweites großes Projekt, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist, ist das erste deutschsprachige Buch über den LE DROIT HUMAIN. Dieses Buch soll unsere Visitenkarte sowohl für unsere Mitglieder als auch für interessierte Profane sein und hoffentlich auch dabei helfen, den Fragen unserer Welt heute und in Zukunft Antworten anbieten zu können (siehe unten).

Die Arbeit an den Fragen wird uns vorgegeben von den dramatischen Veränderungen der Zeit. Diese Arbeit wollen wir angehen mit Mut und Ermutigung für einander, der Bereitschaft zum offenen Diskurs, der Vertiefung in der Kommunikation mit anderen freimaurerischen Organisationen, mit der Bereitschaft zur Sichtbarkeit.

Ein großes, ein gelungenes Fest schmiedet die Feiernden zusammen, oft und vielleicht sogar besonders wenn die bedrohlichen Wolken gesellschaftlicher Umbrüche aufziehen. Mögen wir die Besonderheit dieser Stunde mitnehmen für die vielen neuen Pläne um den DHÖ für die nächsten 100 Jahre zu rüsten.


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Siehe auch

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