Ausstellung: 100 Jahre «Le Droit Humain Österreich»

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Ein künstlerischer Tapis von Lilo Almog, der gemeinsam mit anderen masonischen Kunstwerken in der "multimedialen Ausstellung" gezeigt wird. Die Künstlerin: "Im Anklang an die Konstruktionszeichnungen der Kathedralenbaumeister liegt im Zentrum der rituellen Arbeit gleichsam die Weltkarte des materiellen und des idealen Universums. Sie bildet die wichtigsten masonischen Symbole ab sowie die Ausrichtung auf die Dimensionen des Raumes. In Erweiterung der Geometrie als dem Instrument zum Erfassen der kosmischen Ordnung bildet dieser Tapis das Universum des Lebendigen ab. Die in Vegetation übergehenden Säulen verweisen auf den Ursprung des Tempels im Heiligen Hain."

1922 - 2022: Hundert Jahre

1893 wurde in Frankreich von Maria Deraismes und Georges Martin der internationale Freimaurerorden „Le Droit Humain“ (das Menschenrecht) gegründet: eine Großloge, die Frauen und Männer aufnimmt. In den Jahren danach verbreitete sich diese freimaurerische Richtung über die französischen Grenzen hinaus, und 1922 wurde auch in Österreich die erste DH-Loge gegründet. Hundert Jahre später im Jahr 2022 konnte der österreichische Droit Humain (DHÖ), inzwischen angewachsen auf 27 Logen mit mehr als 600 Mitgliedern (mehrheitlich Frauen), sein großes Jubiläum feiern: mit Festlichkeiten und einer „multimedialen Ausstellung“.
Von Rudi Rabe.

Analog und Digital

Die von der Bühnenbildnerin Susanne Thomasberger konzipierte und gestaltete „multimediale Ausstellung“ gliedert sich in einen analogen Teil im Wiener Palais Pallfy und einen digitalen im Internet. Im Konzept zum analogen Teil heißt es: „Das Publikum ist eingeladen, einen Blick in die Geschichte dieser ‚Anderen Freimaurerei' zu werfen und die Welt eines freimaurerischen Kunsttempels zu erleben. Die Ausstellung will die Besucher auf eine emotionale Reise mitnehmen. Ein Erlebnisraum vermittelt die Vision vom aufgeklärten dem Humanismus verpflichteten Menschen jenseits von Dualität und Ausgrenzung als erfahrbares theatrales Ausstellungserlebnis.“ Und der digitale Teil „soll dem Besucher und der Besucherin die Möglichkeit geben, auf Entdeckungsreise durch verschiedene ‚Räume‘ zu gehen um der Geschichte, den Inhalten und den Kunstwerken der Freimaurerei zu begegnen.“

➤ Die analoge Ausstellung im Wiener Palais Palffy

Die Ausstellung ist ein Mix aus Infotafeln sowie zwei- und dreidimensionalen Kunstwerken, die alle von Mitgliedern des österreichischen Droit Humain geschaffen wurden. Beispiele:

Eine Infotafel über die Geschichte des internationalen Droit Humain seit seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich: die Besucherin (2022 mit Corona-Schutzmaske) steht vor den Portraits der beiden französischen DH-Gründer Marie Deraismes und Georges Martin.


Erster Blick in den Figarosaal, in dem die Ausstellung konzentriert ist. Links und rechts die von Ilse Gewolf künstlerisch gestalteten rituell-masonischen Säulen J und B, die zu jedem Freimaurertempel gehören. In der Mitte das Original des ebenso künstlerisch umgesetzten freimaurerischen Tapis von Lilo Almog (siehe oben). Und ganz hinten von Ona B. (Künstlername) die dreidimensionale Installation „Geheimnis“ oder auch „Die Drei Großen Lichter“ - ein sehr komplexes Werk. Die beiden sich bückenden Besucherinnen blicken nach unten in einen kreisrunden Spiegel.


Ona B.: „Meine Darstellung der drei grossen Lichter ist innen im Zylinder, damit sich das Geheimnis erst nach einiger Bemühung erschließt, so wie dies auch im Freimaurerleben erst allmählich geschieht. Es geht mir auch darum, das Geheimnis so darzustellen wie wir es wiederzufinden wünschen und wo wir es aufzuspüren ständig bemüht sind - in unserem eigenen Inneren. …“
Ona B. weiter: „… Wir sind immer auch Suchende und finden auf unserem Weg vieles, das verloren zu sein schien. Die beiden kreisrunden Spiegel, die den Zylinder oben und unten abschließen, erzeugen eine unendliche Reflexion und stehen als Symbol für den Verlauf der Zeit vor uns und nach uns. Wir stehen in der Mitte der Unendlichkeit und wir haben eine Verbindung über die Zeiten und über Generationen hinweg. Uns stehen in der Gegenwart die “drei grossen Lichter” zur Verfügung, so wie sie auch von den Geschwistern in der Vergangenheit gefunden wurden und nach uns in der Zukunft wichtiger Teil der Freimaurerei sein werden.“


Vor Eröffnung der Ausstellung präsentierte die gewählte Doppel-Führung des DHÖ ihre Anliegen in einer Pressekonferenz. Rechts die Künstlerin Lilo Almog, die „initiatorische Spitze“ und erste Delegierte zum Internationalen Droit Humain in Paris: „Die Ausstellung ist keine Werbeveranstaltung, sondern eine Information über uns, mit Kunstwerken, welche die Emotionen ansprechen sollen, und mit Infotafeln“. Und links die Rechtsanwältin Irene Podovsovnik, die als Präsidentin der DHÖ-Föderation für das infrastrukturelle Management verantwortlich ist: „Mit dieser Ausstellung und dem gleichzeitig publizierten Buch - das erste über den DH in deutscher Sprache - gehen wir zum ersten Mal an die Öffentlichkeit; wir sind gespannt, welch Erfahrungen wir sammeln werden“. Zwischen den beiden: Annette Scheiner, die als Journalistin die Pressekonferenz moderierte.

Die DHÖ-Schau wurde am 1. Oktober 2022 eröffnet - zeitgleich mit der „Nacht der Museen“: alle Wiener Museen hielten bis eine Stunde nach Mitternacht offen. Das Interesse an der Ausstellung war groß: mehr als 2.000 Besucher wurden an diesem Tag gezählt.

➤ Die digitale Ausstellung im Internet

Die digitale Ausstellung ist seit Mitte 2022 online. Ihre Indexseite präsentiert sich wie ein Musivisches Pflaster, in dem sich Kunstwerke, die von Mitgliedern des österreichischen Droit Humain geschaffen wurden, und weiterführende Texte abwechseln:

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➤➤➤ Über diese Webadresse ist die digitale Ausstellung erreichbar:
http://www.freimaurerei-droit-humain.at

➤ Doch das ist noch nicht alles: der DHÖ im Freimaurermuseum Rosenau

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Zu hundertsten Geburtstag hat auch dieses über die österreichischen Grenzen hinaus bekannte Museum dem Droit Humain eine spezielle Präsentation gewidmet. Darin beschreibt der DHÖ mit Ausstellungsstücken in mehreren Vitrinen und mit künstlerisch gestalteten Texten seine masonische Identität.

In einer der Vitrinen (Foto unten) wird auf das Ritual des DHÖ eingegangen. Rechts der rote Meisterschurz, links weiße Handschuhe, die von den Schwestern und Brüdern bei jeder rituellen Arbeit getragen werden, und darüber ein Text mit weitere Informationen: „LE DROIT HUMAIN arbeitet nach Grundsätzen und Methoden des A∴A∴S∴R∴, des Alten Angenommenen Schottischen Ritus vom 1. bis zum 33. Grad. Der A∴A∴S∴R ist das älteste Hochgradsystem weltweit. Wie es dem Wesen rituellen Geschehens entspricht, schöpft der AASR aus den mythischen Erfahrungen der Menschheit. Ein labyrinthischer Weg führt durch die Grade und bietet Bilder aus dem kollektiven Wissen, die der individuellen Entwicklung Anregung und Beispiel sein mögen. Seine Geschichte reicht zurück ins Frankreich des 18.Jahrhunderts.“

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Siehe auch

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