Freimaurer-Ausstellung Hannover 2017/18

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O Isis und Osiris - Ägyptens Mysterien und die Freimaurerei

300 Jahre moderne Freimaurerei - in Erinnerung an die Wurzeln der ältesten Großloge der Welt, der United Grand Lodge of England: Das feierten die Freimaurer im Jahr 2017 in vielen Ländern mit großen Veranstaltungen und Ausstellungen. Eine bedeutende Ausstellung in Deutschland war vom September 2017 bis Februar 2018 die Sonderschau im Museum August Kestner in Hannover. Ihr Titel: „O Isis und Osiris“. Von Rudi Rabe.


O-Isis-und-Osiris-Plakat.jpg

Wie schon der Titel signalisiert, widmete sich die Ausstellung in Hannover nicht der Freimaurerei schlechthin, sondern einem ganz speziellen Aspekt: den Beziehungen der frühen Freimaurerei zur altägyptischen Mythologie; daher der Titel mit dem Götterpaar Isis und Osiris, entlehnt dem gleichnamigen Lied aus Mozarts Freimaurer-Oper Zauberflöte „O Isis und Osiris“, gesungen von Sarastro, der von einem Chor begleitet wird.

Was fanden gebildete Bürger und eben auch die Freimaurer im 18. aber auch noch im 19. Jahrhundert am alten Ägypten so faszinierend? Warum lassen der Wiener Freimaurer Wolfgang Amadeus Mozart und sein Librettist, der Freimaurer Emanuel Schikaneder, mit „O Isis und Osiris“ 1791 ausgerechnet ägyptische Götter preisen? Die Antwort in einem Satz: Ägypten war in Mode, vor allem die Beschäftigung mit seiner alten Kultur und seinen Mysterien.

In der Ausstellung war zu erfahren: Wichtig für diese Ägypten-Mode war Jean Terrassons 1731 veröffentlichter Roman über das Leben des ägyptischen Pharaos Sethos. Er schildert harte und abenteuerliche Prüfungen, deren Bestehen den Titelhelden zu einem guten und weisen Menschen machen. Ägyptens Mysterien wurden dadurch zu Vorbildern für die Ideen der Aufklärung. Ihre besondere Attraktivität lag auch darin, dass in diese Mysterien Eingeweihte den Tod und die Nichtexistenz überwinden konnten.

Zusätzlich angeheizt wurde die allgemeine Ägyptomanie dann Anfang des 19. Jahrhunderts noch einmal durch die Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphenhrift mit Hilfe des „Steins von Rosetta“, der im Umfeld von Napoleons ägyptischem Feldzug gefunden und nach Europa gebracht wurde.

All das sickerte auch in die Freimaurerei jener Zeit ein: in manche ihrer Rituale oder in die freimaurerische Tempel-Architektur oder einfach als Projektionsfläche für die freimaurerischen Grundwerte Toleranz, Humanität, Brüderlichkeit und Wohltätigkeit. Diese wurden damals vielfach als altägyptisches Erbe verstanden. Die Ausstellung in Hannover macht diese „Wurzeln“ der Freimaurerei zum Thema.


Detail aus dem Freimaurer-Tempel in Brüssel - unten.
Mit ägyptischen Motiven versehenes Titelblatt eines Klavierauszugs von Mozarts Zauberflöte, gedruckt in Mannheim um 1830 für die Markgräfin Frau Leopold zu Baden.
Leihgabe: Reinhard Bautz, Hannover
Foto: Christian Rose, Museum August Kestner


Totalaufnahme des in altägyptischem Stil dekorierten Freimaurer-Tempels in der Rue du Persil, Brüssel.
Der Tempel stammt aus dem Jahr 1879. - Foto: Georges De Kinder.

Heute spielt das Ägyptische in der Freimaurerei praktisch keine Rolle mehr. Zwar sind die aufgezählten Grundwerte gemeinsam mit Freiheit und Gleichheit weiter wichtig; sie werden aber nicht mehr aus altägyptischen Mysterien abgeleitet, sondern aus der praktischen Vernunft.


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