Rezension: "nicht von gestern -Freimaurer heute" von Philip Militz

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Das Buch erscheint im Kleinformat

Ganz nah am Leben!

So empfinde ich, wenn ich das Buch von Philip Militz zuklappe. Einhundertsechzig Seiten, die mich dort abholen, wo ich bin: in meinem kleinen Leben. Von Rudi Rabe.

Viele Bücher über die Freimaurerei behandeln deren Geschichte oder deren Philosophie oder einen speziellen Aspekt. Diese Bücher sind oft lesenswert, aber gelegentlich doch auch weit weg oder ziemlich verkopft.

Philip Militz ging es schon bei seinem ersten Buch ‚Freimaurer in 60 Minuten’ anders an. In einer – und das ist ganz wesentlich – masonisch völlig unbelasteten Sprache erzählte er, was es dem Menschen bringen kann, Freimaurer zu sein. Nämlich nicht mehr aber vor allem auch nicht weniger als die Chance, ein bisschen ein besserer Mensch zu werden: durch ein ritualisiertes „Persönlichkeitstraining“ gemeinsam mit Anderen, die sich „sonst im Leben nie begegnet wären“. Von dem brieftaschengroßen Band wurden mehrere zehntausend Exemplare verkauft.

Dieses zweite wieder kleinformatige Freimaurerbuch von Philip Militz enthält letztlich dieselbe Botschaft. Um zum Ziel zu kommen, wählte er aber einen anderen Weg: Er erzählt weniger selbst, er lässt erzählen. Angeregt vom Autor reflektieren Freimaurer, was ihnen die Bruderschaft gibt, wie diese ihr Leben, ja ihr Wesen veränderte. Es sind ganz verschiedene Menschen: einige aus Philips persönlichen Umfeld, andere hat er für das Buch erst kennengelernt; eine Freimaurerin ist auch dabei. Die meisten hat er zu stundenlangen Interviews getroffen. Übrigens auch Jens Rusch, den Erfinder und Beweger dieses Freimaurer-Wikis: „Wie begleitet dich Freimaurerei im Alltag?“ „Gar nicht, sie ist mein Alltag!“. Und den Noch-Großmeister (Juni 2015) der ‚Vereinigten Großlogen von Deutschland’, Rüdiger Templin: „Wir wollen ja vermitteln, was wir machen, wer wir sind. Nicht, wer wir waren.“ Das passt gut zu diesem Buch.

Nur zwei Promis (von vielleicht drei) konnte er nicht mehr persönlich aufsuchen, und so musste er deren Haltung rekonstruieren: den Verleger und BILD-Zeitungs-Herausgeber Axel Springer, der verschied ja schon 1985. Und den Menschen-für-Menschen-Gründer Karlheinz Böhm; er starb überraschend während der Recherchen für das Buch. Ohne dass er es auf die Freimaurerei gemünzt hätte, beschreibt sein vielleicht bekanntestes Zitat exakt ihr zentrales Anliegen: „Ich kann die Welt nicht verändern. Aber einen einzelnen Menschen: mich selber.“

„Worte sind die Quelle aller Missverständnisse“, schreibt Philip Militz im Einleitungskapitel. Das gilt für die Freimaurerei, wenn sie sich wie üblich ein wenig altertümlich präsentiert, ganz besonders. Daher ist es für die Kette*) verdienstvoll, wenn er seine zehn Zeugen so zum Sprechen bringt, dass man spürt, Freimaurerei ist nicht von gestern, nein, sie passt immer. Weil sie richtig verstanden ganz nah am Leben ist. Philip Militz beherrscht die Kunst, das zu vermitteln.


*) Kette: Auch so ein insiderisches Freimaurerwort; es steht für die imaginäre Gemeinschaft aller Freimaurer. Selten verwendet Philip Militz den masonischen Jargon. Und wenn er es tut, dann setzt er ganz kurze Fußnoten wie diese.


Und das meint Frau Maurer:

Immerhin eine Freimaurerin präsentiert Philip Militz im Reigen seiner masonischen Kronzeugen ... und dadurch auch Kronzeuginnen (wiewohl der Plural leicht übertrieben ist). Das regte mich an, Schwester Brigitta vom 'Droit Humain' in Wien nach ihrer Meinung über das Buch zu fragen. Hier ihre Antwort:

"Es beginnt nicht unbedingt ermutigend. Den weltweit bekannten Verleger Axel mit seinem intellektuellen Anspruch an der Spitze von 10 Portraits vorzufinden, stimuliert Ottilie Normalverbraucherin nicht unbedingt, sich für den Bund zu interessieren. Wird damit doch das Vorurteil bekräftigt, dass es sich bei den Freimaurern um eine wohlhabende, abgehobene, intellektuelle Clique handelt.

Doch der erste Eindruck trügt. Beim Weiterlesen verfestigt sich der Eindruck, dass sich bei der Freimaurerei ein bunter Haufen unterschiedlichster Persönlichkeiten zusammenfindet, die nur eines im Sinn haben: an sich selbst zu arbeiten, auf dass es möglich werde, mit jedem Menschen, egal, wo er herkommt, respektvoll und brüderlich umzugehen.

Nicht schöner kann diese „Gemeinschaft der Ungleichen“ besser portraitiert werden als in diesem kleinen, aber feinen Büchlein. International bekannte Persönlichkeiten treffen auf unkonventionelle, leicht verrückte Typen, solche, die dem Tod ins Auge sehen auf lebensfrohe, quirlige, in vollem Saft stehende Männer. Und das Fazit aller sehr ehrlichen, teilweise witzigen Schilderungen ist: „Ja, die Freimaurerei hat mein Leben positiv verändert“.

Und zum Schluss – halleluja! - das Portrait einer Freimaurerin. Ja, auch das gibt es, obwohl wenig bekannt und vor allen von vielen männlichen Freimaurern nicht wahrgenommen und (leider) zum Teil auch nicht ernst genommen. Der Bericht über die weibliche Freimaurerei (danke, Bruder Philip), lässt die Hoffnung aufkommen, dass sich irgendwann einmal die viel gepriesene „Brüderlichkeit“ doch in „Geschwisterlichkeit“ verwandeln könnte."


Um das Buch möglich zu machen, hat Philip Militz eine Art Crowdfunding auf die Beine gestellt: 26 Logen, Firmen und Einzelpersonen unterstützten den Druck.

Philip Militz publiziert auch regelmäßig in seinem Blog Freimaurer 2.0


Klappentext des Salierverlags auf der Buchrückseite

Philip Militz, Autor des derzeit meistverkauften deutschsprachigen Buches zur Freimaurerei, porträtiert neun Freimaurer unserer Zeit, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Unter ihnen ein christlich erzogener Schauspieler, ein TV-Gastronom jüdischen Glaubens und ein muslimischer Kampfkunst-Meister. Was hält sie zusammen, was treibt sie an? Wie sind sie zur Freimaurerei gekommen, wie haben sie sich seitdem verändert und wie erleben sie das geheimnisumwitterte freimaurerische Ritual? »Nicht von gestern: Freimaurer heute« zeigt, was eine altehrwürdige Bruderschaft namens Freimaurerei modernen Menschen auch heute noch geben kann und stellt dem Leser gleichzeitig einige der engagiertesten Brüder unserer Tage vor, darunter den höchsten Repräsentanten der deutschen Freimaurerei, den Organisator von Deutschlands größter »Schlammschlacht« und einen kürzlich verstorbenen international bekannten »Weltverbesserer«.


Rüdiger Templin im Originalton

Die Medien wachsen zusammen: Philip Militz hat einige seiner Gesprächspartner auch mit Kamera und Mikrophon aufgenommen. Hier beantwortet der Großmeister der 'Vereinigten Großloge von Deutschland' über drei Minuten seine Fragen:


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Siehe auch


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