Modestia cum Libertate: Unterschied zwischen den Versionen
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Mit freundlicher Genehmigung des Freimaurer Museums Schweiz | |||
Der schreckliche Brand im Zürcher Logengebäude auf dem Lindenhof am 26. Januar hat den Grossen Konferenzsaal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und einen Teil der Logenarchive zerstört. | |||
Viele Archive von Freimaurer-Logen und -Orden decken Zeitspannen ab, die bis weit vor die Gründung der modernen Schweiz reichen. Urkunden, Mitgliederlisten, Zeitschriften, Musikpartituren, Bilder und vor allem handschriftliche Korrespondenz und Vorträge sind nicht nur historische Artfakte, sondern Zeitzeugen, die durch ihre persönliche Note unsere Geschichte und damit auch diejenige der Schweiz zum Leben erwecken. | |||
Zum Glück blieben das grosse Archiv mit bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden, für die europäische Freimaurerforschung bedeutsamen Archivalien und der Kleine Tempel von Feuer- und Löschwasserschäden weitgehend verschont. Ihr Verlust wäre trotz der fortschreitenden Digitalisierung unvorstellbar. | |||
Mit dem Grossen Konferenzsaal haben die Logen aber ein Herzstück ihres Freimaurerlebens verloren. In diesem prächtig geschmückten Saal trafen sie sich zu Konferenzen und feierten ihre Tafellogen. Bilder, Scheiben und Kunstgegenstände unterschiedlicher Art vergegenwärtigten die Symbolik und Gedankenwelt der Freimaurerei und dokumentierten die Geschichte der Loge Modestia cum Libertate und der Anfänge der Schweizerischen Grossloge. | |||
Der Grosse Tempel wurde vom Feuer verschont, erlitt aber Schäden durch Löschwasser. Leider verbrannten mehrere kleinere Archive und mit ihnen wertvolle, unersetzliche Dokumente, Identität stiftende Zeitzeugen der betroffenen Logen. | |||
Die Untersuchungsbehörden gehen von Brandstiftung aus, die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet. Während sich die seriösen Medien um eine ausgewogene Berichterstattung bemühen, heizen Hassreden in unmoderierten Kommentarspalten von Onlineportalen die Stimmung weiter an. | |||
Ein Angriff auf die Freimaurerei ist immer auch ein Angriff auf unsere Gesellschaft mit ihren liberalen Werten, für die sich weltweit alle Freimaurerinnen und Freimaurer uneigennützig einsetzen. | |||
Solche Vorfälle schrecken uns jedoch nicht ab, sondern bestärken uns darin, uns noch entschlossener für Toleranz, Humanität und Menschenfreundlichkeit einzusetzen. | |||
Wir vom Freimaurer Museum Schweiz sind freundschaftlich mit der Modestia cum Libertate und den anderen Zürcher Logen verbunden, die uns seit unserer Gründung grosszügig unterstützen. Wir teilen den Abscheu über diesen Akt der Aggression und der Zerstörung mit der Öffentlichkeit und den Obedienzen und wünschen dem Lindenhof, dass der Wiederaufbau rasch gelingen möge - äusserlich und innerlich! | |||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Aktuelle Version vom 2. Februar 2026, 13:15 Uhr
Modestia cum Libertate
Mit freundlicher Genehmigung des Freimaurer Museums Schweiz
Der schreckliche Brand im Zürcher Logengebäude auf dem Lindenhof am 26. Januar hat den Grossen Konferenzsaal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und einen Teil der Logenarchive zerstört.
Viele Archive von Freimaurer-Logen und -Orden decken Zeitspannen ab, die bis weit vor die Gründung der modernen Schweiz reichen. Urkunden, Mitgliederlisten, Zeitschriften, Musikpartituren, Bilder und vor allem handschriftliche Korrespondenz und Vorträge sind nicht nur historische Artfakte, sondern Zeitzeugen, die durch ihre persönliche Note unsere Geschichte und damit auch diejenige der Schweiz zum Leben erwecken.
Zum Glück blieben das grosse Archiv mit bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden, für die europäische Freimaurerforschung bedeutsamen Archivalien und der Kleine Tempel von Feuer- und Löschwasserschäden weitgehend verschont. Ihr Verlust wäre trotz der fortschreitenden Digitalisierung unvorstellbar.
Mit dem Grossen Konferenzsaal haben die Logen aber ein Herzstück ihres Freimaurerlebens verloren. In diesem prächtig geschmückten Saal trafen sie sich zu Konferenzen und feierten ihre Tafellogen. Bilder, Scheiben und Kunstgegenstände unterschiedlicher Art vergegenwärtigten die Symbolik und Gedankenwelt der Freimaurerei und dokumentierten die Geschichte der Loge Modestia cum Libertate und der Anfänge der Schweizerischen Grossloge.
Der Grosse Tempel wurde vom Feuer verschont, erlitt aber Schäden durch Löschwasser. Leider verbrannten mehrere kleinere Archive und mit ihnen wertvolle, unersetzliche Dokumente, Identität stiftende Zeitzeugen der betroffenen Logen.
Die Untersuchungsbehörden gehen von Brandstiftung aus, die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet. Während sich die seriösen Medien um eine ausgewogene Berichterstattung bemühen, heizen Hassreden in unmoderierten Kommentarspalten von Onlineportalen die Stimmung weiter an.
Ein Angriff auf die Freimaurerei ist immer auch ein Angriff auf unsere Gesellschaft mit ihren liberalen Werten, für die sich weltweit alle Freimaurerinnen und Freimaurer uneigennützig einsetzen.
Solche Vorfälle schrecken uns jedoch nicht ab, sondern bestärken uns darin, uns noch entschlossener für Toleranz, Humanität und Menschenfreundlichkeit einzusetzen.
Wir vom Freimaurer Museum Schweiz sind freundschaftlich mit der Modestia cum Libertate und den anderen Zürcher Logen verbunden, die uns seit unserer Gründung grosszügig unterstützen. Wir teilen den Abscheu über diesen Akt der Aggression und der Zerstörung mit der Öffentlichkeit und den Obedienzen und wünschen dem Lindenhof, dass der Wiederaufbau rasch gelingen möge - äusserlich und innerlich!
Geschichte
Junge Zürcher wurden auf Auslandsreisen und in fremden Kriegsdiensten mit der sich auf dem Kontinent rasch ausbreitenden Freimaurerei bekannt. 1740 entstand in Zürich unter dem Namen "La Concorde" die erste Loge. Sie hatte nur wenige Jahre Bestand. 1762 errichtete das zürcherische Standesregiment zu Thionville eine Feldloge mit dem Namen "Zur schweizerischen Freiheit". In die Heimat zurückgekehrte Offiziere und in ausländischen Logen aufgenommene Zürcher gründeten 1771 in Zürich die Loge "La Discrétion".
Unter ihrem tatkräftigen Stuhlmeister Diethelm Lavater (1773-1826), Arzt, Regierungsmitglied und Bruder des berühmten Johann Caspar Lavater, übernahm die Loge das System der Strikten Observanz und nannte sich nun "Gerechte und vollkommene Loge zur 'Bescheidenheit und Freiheit'" (Modestia cum Libertate).
Im damaligen Hotel Schwert an der Gemüsebrücke (heute Rathausbrücke) fanden sich die Brüder zu den Logenarbeiten zusammen. Es war jenes Gasthaus, in dem Goethe bei seinen Zürcher Aufenthalten verkehrte. Auf seinen beiden Schweizerreisen, 1775 und 1779, lernte er, - durch Zürcher Brüder -, die Freimaurerei so weit kennen, dass er sich hernach zu Hause entschloss, der Weimarer Loge "Amalia" beizutreten.
Die vom System der Stikten Observanz vertretene Herleitung der Freimaurerei vom Tempelritterorden wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehr und mehr in Zweifel gezogen. An dem zur Klärung der Frage von General-Grossmeister Herzog Ferdinand von Braunschweig nach Wilhelmsbad bei Hanau einberufene Konvent war die Zürcher Freimaurerei durch Diethelm Lavater und den Logensekretär Christoph Kayser, einem Jugendfreund Goethes, vertreten.
In einem Brief Goethes an Kayser, der heute im Archiv der Modestia cum Libertate (M.c.L.) liegt, wird Goethes kritische Haltung gegenüber der Strikten Observanz deutlich. In Wilhelmsbad wurde die ritterliche Abstammung der Freimaurerei verworfen. An die Stelle der Strikten Observanz trat das ritterliche Formen pflegende System der "Wohltätigen Ritter der heiligen Stadt", das heute in einem Sonderritus weiterlebt. Von der Modestia cum Libertate aus kam es zu einer Reihe von Gründungen und Initiativen:
- Zürcher Brüder gründeten 1820 die Loge "Akazia" in Winterthur.
- 1840 errichtete die Loge den Vorsorgeverein für zürcherische Freimaurer.
- Am Sommer-Johannisfest 1844 wurde im Tempel der Modestia cum Libertate im Beisein vieler Vertreter anderer Logen die Schweizerische Grossloge Alpina gegründet. An der Gründung hat die Modestia cum Libertate massgeblich mitgewirkt. Erster Grossmeister der Alpina wurde der Zürcher Historiker Johann Jakob Hottinger.
- Im Sonderbundskrieg organisierte Stuhlmeister Conrad Meyer-Hofmeister, der Arzt war, zusammen mit dem Schwesternverein und der Ärztegesellschaft, eine medizinische Hilfskolonne für die Verwundetenhilfe. Man darf darin eine erste Idee des Roten Kreuzes sehen, das 1859 von Henri Dunant unter den Eindrücken der Schlacht bei Solferino gegründet wurde.
- Brüder der Modestia cum Libertate gründeten 1861 die Loge "Concordia in St. Gallen".
- 1904 erfolgte die Gründung des Brockenhauses, da sich unter der Leitung von Mitgliedern der Modestia sehr gut entwickelte und Jahr für Jahr ansehnliche Summen abwarf, die für wohltätige Zwecke eingesetzt werden konnten.
- Im Jahre 1972 führten Bemühungen verschiedener Brüder zur Errichtung der Stiftung "Privat-Altersheim La Perla". Die Fürsorgekommission der Modestia cum Libertate, das Brockenhaus, die Stadt Zürich und die Stiftung für das Alter halfen mit ansehnlichen Beiträgen, dieses Sozialwerk zu verwirklichen.<
Heute ist die Modestia cum Libertate die zweitälteste und die grösste Loge der Schweiz. Sie hat an der Geschichte der schweizerischen Freimaurerei massgeblich mitgeschrieben, namentlich auch zur Zeit der Strikten Observanz, als Zürich zeitweise Hauptort einer Subprovinz (Priorat Helvetien) dieses grenzüberschreitenden Ordens war. Das bis zur Französischen Revolution zurückreichende Archiv der Modestia cum Libertate dokumentiert über zweihundert Jahre zürcherischer wie zum Teil schweizerischer und umfassender Freimaurergeschichte.
Kontakt
- Freimaurer Loge Modestia cum Libertate
- Lindenhof 4 - 8001 Zürich - Schweiz - Switzerland
- Mitglied der Schweizerischen Grossloge ALPINA
Literaturempfehlung
- „Das Johannis-Fest 1844, gefeiert im Osten von Zürich, von den vereinigten Schweizerischen St. Johannis logen, unter Leitung der ger. und vollk. St. Johannis-Logen Modestia cum Libertate, im Orient Zürich und Acacia, im Orient Winterthur, am 22., 23. u. 24. Juni bei Anlass der Konstituirung der Schweizer. Grossloge Alpina“, erschienen 1844 https://books.google.de/books?id=3upAAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
Siehe auch
Links
- Modestia cum Libertate https://www.modestia.ch
- Post Tenebras Lux https://loge-ptl.ch/
- In Labore Virtus https://www.inlaborevirtus.ch/
- Sapere Aude http://www.sapereaude.ch
- Catena Humanitatis http://www.freimaurer.ch

