Österreich: Internationaler Großlogentag 2016

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Österreich: Internationaler Großlogentag 2016

Juni 2016: Europa zu Gast in Wien

Ein illustrierter Bericht von Rudi Rabe.

Rechts: Peter Geoffrey Lowndes, Pro Grandmaster der ‚Vereinigten Großloge von England’ (UGLE). Praktisch ist er dort der amtsführende Großmeister, weil in der UGLE der nominelle Großmeister immer aus dem Hochadel kommt. Derzeit ist das Edward, Herzog von Kent, Jahrgang 1935, Cousin von Königin Elisabeth II. Siehe auch: England blickt auf 2017

Delegationen von dreiunddreißig (regulären) Großlogen folgten Anfang Juni 2016 der Einladung der Großloge von Österreich und kamen für zwei Tage nach Wien: 28 aus Europa, vier von angrenzenden Staaten und eine aus Amerika. Mehr als zwanzig Großlogen waren sogar durch ihre jeweiligen Großmeister vertreten, was im Vergleich zu den meisten Konferenzen dieser Art überdurchschnittlich viel ist.

Besonders prominent: der amtsführende Großmeister der ‚United Grandlodge of England’ Pro Grandmaster Peter Geoffrey Lowndes. Die Großlogen der einzelnen Länder sind zwar völlig autonom; keine steht über der anderen. Dennoch gilt die englische Großloge, die vor dreihundert Jahren gegründet wurde und damit die älteste der Welt ist, als beispielgebend: nicht in den vielen Details des freimaurerischen Alltags, sondern wie sie ihre freimaurerischen Grundsätzen versteht und lebt. Daran orientieren sich alle sogenannten regulären Großlogen: die große Mehrheit der Weltfreimaurerei.

Auf dem Programm des Großlogentages standen: eine gemeinsame freimaurerisch-rituelle Arbeit, ein ausgiebiger Meinungs- und Erfahrungsaustausch in größeren und kleineren Diskussionsrunden, ein festliches Dinner und natürlich ein Heuriger. Wie bei jeder internationalen Konferenz ging es auch hier nicht nur um die formalisierte Begegnung, sondern vor allem auch um das gegenseitige Kennenlernen zur anhaltenden Erleichterung der informellen Kommunikation über alle Grenzen hinweg.

Das Ritual mit allen Insignien einer besonders festlichen Freimaurerarbeit: In der Mitte der sogenannte „Hammerführende“, also der Vorsitzende, in diesem Fall der österreichische Großmeister Georg Semler. In seiner Begrüßung der ausländischen Gäste, betonte er das traditionelle Selbstverständnis der ‚Großloge von Österreich’ als Brückenbauerin. Als eine der ältesten Großlogen im Herzen Europas sei es ihr immer ein Anliegen gewesen, zwischen unterschiedlichen freimaurerischen Strömungen zu vermitteln und Freimaurer über alle Grenzen hinweg zusammen zu bringen. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs und die Neuordnung Europas seien die Österreicher in den letzten Jahren wieder besonders gefordert gewesen: Die jungen osteuropäischen Großlogen brauchten Unterstützung aus dem Ausland, und „wir waren glücklich helfen zu können. Die Großloge von Österreich war ganz vorne mit dabei.“ - Siehe auch: 1989 bis 2014: 25 Jahre Freimaurerei in Osteuropa
Ansprache des englischen Pro Grandmasters Peter Lowndes: Unter anderem erinnerte er daran, wie sehr sich die Freimaurerei in Europa seit 1990 durch die Ostöffnung und die vielen neuen Staaten ausgebreitet hat. 1990 habe es in Europa 18 von der Vereinigten Großloge von England anerkannte Großlogen gegeben, jetzt seien es 47. Natürlich habe diese Expansion auch zu Spannungen und Problemen geführt, aber das meiste sei durch die Bedachtnahme auf freimaurerische Prinzipien und den guten alten Hausverstand gelöst worden.

Peter Lowndes ging dann auch auf das Thema Regularität ein, also die Einhaltung der Regeln, durch die sich die von der UGLE anerkannten Großlogen verbunden fühlen. Wörtlich (übersetzt): „Die Regularität ist ein kostbares Gut, das wir - die UGLE – gemeinsam mit unseren Schwestergroßlogen in Irland und Schottland entschlossen schützen wollen. Im kommenden Jahr 2017 werden wir den 300. Jahrestag der Gründung unserer Großloge feiern. Seit damals gab es in der Gesellschaft viele Veränderungen. Ebenso in der Freimaurerei, aber unsere grundlegenden Prinzipien und praktischen Ziele blieben unverändert. Sie sind es, was uns ausmacht.“

„Leider hat sich in Europa in den vergangenen Jahren nicht nur die reguläre sondern auch die irreguläre Freimaurerei ausgebreitet – letztere stark durch das Internet. Während der jüngsten Probleme, die wir mit der französischen Freimaurerei hatten, entdeckten wir, dass es allein in Frankreich über hundert Adressen gibt, die von sich behaupten, Großlogen oder Großoriente zu sein, wobei viele von diesen nur aus einer Internetseite bestehen. Wir wollen die Souveränität und Unabhängigkeit unserer Großlogen beibehalten aber dennoch zusammenarbeiten und diese irreguläre Freimaurerei bekämpfen, um Schaden für die Reputation der regulären Freimaurerei abzuwenden.“

Aus der Konferenz: Problem Georgien
Vom ukrainischen Großsekretär wurde die Lage in Georgien thematisiert. Konkret: Um den Aufbau einer geordneten Freimaurerei gibt es dort ein ziemliches Gerangel. Mehrere ausländische Großlogen haben in Georgien Logen gegründet: je zwei die (regulären) Großlogen der Ukraine, Armeniens und der Türkei; und eine russische Loge ist im Entstehen begriffen. In der Folge verständigten sich die Deutschen, die Österreicher und einige weitere Konferenzgäste auf folgende Strategie: Überzeugung aller in Georgien aktiven ausländischen Großlogen, sich von dort zurückzuziehen und ihre dort gegründeten Logen in eine ‚Großloge von Georgien’ einzubringen; wenn irgendwie möglich unter Einbeziehung der Russen, die aber bei der Wiener Konferenz nicht anwesenden waren.

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Siehe auch

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