Anschar zum Friedenshafen

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Anschar zum Friedenshafen

Johannisloge:

"Anschar zum Friedenshafen"

Orient: Cuxhaven
Matr.-Nr.: 147
Gründungsdatum:
arbeitete bis:
erneut ab:
1895
1933
1945
Großloge: GLLdFvD

Die Loge "Anschar zum Friedenshafen" wurde als erste Loge in der Amerikanischen Besatzungszone wieder eröffnet.

AnscharC.jpg

Logenhaus

Dieses Logenhaus wurde schon in den Jahren 1894/95 erbaut. Von 1933 bis 1945 war es zwangsweise geschlossen und enteignet. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges konnte es schon im Mai 1945 als erstes Logenhaus in den "Westlichen Besatzungszonen" wieder eröffnet werden.In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Logenhaus im Inneren gründlich renoviert sa dass auch der Tempel im Obergeschoß neu erstrahlt. Hier kommen an festgelegten Wochentags-Abenden die Mitglieder der Freimaurerloge "Anschar zum Friedenshafen" zu ihren rituellen Veranstaltungen zusammen.

Das Symbolgemälde

Jl.anschar zum friedenshafen.logenbild.jpg

An der Stirnseite des Gesellschaftsraumes im Logenhaus lädt ein Wandgemälde zur Betrachtung ein: Des Freimaureres Weg

Betrachtungen zu dem Bild der Johannis-Loge Anschar zum Friedenshafen in Cuxhaven

Gemalt von Werner Möller 1952 - 54, Text: Prof. Dr. Gerhard Priesemann 1983

Beide Ströme mußten vom Maler aufgenommen werden und zu einem Gesamt-Bild in einer Gesamt-Schau vereinigt werden, in einem Augenblick, da er sich selbst entscheiden mußte, wo er stand und welchen Weg er gehen wollte. Das sind die Voraussetzungen, das ist die Entstehungsbedingung des Bildes.

Für den Betrachter dieses Bildes gibt es mehr als nur einen Weg des Verständnisses; er sollte mindestens drei Wege der Betrachtung einschlagen und so, in strenger Arbeit des Schauens, allmählich immer tiefer in Form und Ausdruck, in Gestalt und Bedeutung des Dargestellten einzudringen suchen. Wer diesen Wegen folgt, der wird den Sinn des vielleicht anfangs rätselhaften, schwer durchschaubaren Ganzen sich entschlüsseln können, er wird, mit einem Male, mit dem Leben des Bildes selber leben.

Der erste, einfache Weg der Betrachtung ist es, der Erzählung des Bildes zu folgen. Es ist der Weg der Erfahrung, den der Betrachter mit den Augen gehen muss, wie der Bruder ihn gehen soll in seinem Leben. Er beginnt als Fremdling, als Suchender gegenüber der Welt und der Innenwelt der Freimaurerei, er tritt in lichtem Gewand an den Anfang des Wegs. Dort wird er empfangen von einem Paten und Führer, der ihn durch die Stationen des ersten, des unteren Erfahrungs-Reiches geleitet: er verweilt vor der Säule der Lehrlinge, er schreitet die Stufen zur Säule der Gesellen empor, er tritt in die Werkstatt, in der er als Lehrling beginnt mit der Arbeit am rauhen Stein, mit dienenden Händen und dienendem Sinn. Über ihm sind Gesellen, die schon die Zeichen ihrer Erfahrung und Würde in den Händen tragen, und zu den Gesellen treten als Höher-Gestellte der Meister und die beiden Aufseher, am Reißbrett. Aber wer Lehrling war, kann, arbeitend, dienend, Geselle, Aufseher, Meister werden und gelangt ans Ende der ersten Prüfungs-Strecke.

Oberhalb schließt sich der zweite Erfahrungs-Bereich an, ein anderer Weg und eine neue Wandlung und Wanderung: durch das Grab, in Katakomben-Gängen, vorbei an Lampe und Krone bis zu den Trümmern eines ältesten Tempels. Dort ist die Stelle des Übergangs, ein Vorhof: auf dem Weg durch das Dunkel ins Licht, ins Helle, in den dritten Erfahrungs-Bereich. Nur scheinbar führt der zweite Weg zurück zur Stelle des ursprünglichen Anfangs: in Wahrheit führt er empor ins obere, ins oberste Reich. Dort wartet ein Tempel. Dort warten steile Wege zu steilen Höhen, auf denen heilige Tempel stehen. Wer dorthin gelangt, der kommt zum Kreuz und tritt in den Kreis derer, die sich um das Kreuz scharen. Er sieht den obersten Tempel mit Augen, und er steht in dem reinen, überirdischen Licht, das von oben in diese unsere Welt der Erfahrung hineinfällt.

Das ist der erste, einfache Weg der Betrachtung, der dem nachfolgt, wovon das Bild hier erzählt.

Wer aber das Bild auf dem zweiten Wege mit den Augen durchwandert, der gelangt auf den Weg der Erkenntnis. Dann wird von Bedeutung, dass die Erzählung des Bildes nicht in Rätseln zu ihm spricht, sondern in sichtbaren Zeichen: es spricht von der blauen Farbe der Loge, es spricht von der grünen Farbe, es spricht vom Rot und hellen Weiß: der Weg durch die Abteilungen des Ordens. Auf diesem Wege der Betrachtung rücken die bedeutungsvollen Zeichen zusammen und bilden das Muster des Weges und der Welt: die empfangende und behütende Hand, der Begleiter und Führer, der sich in der Höhe verliert, das Verweilen vor den Säulen, der Hammer, Winkelmesser, Zirkel und Senkblei. Tempel werden Stätten der Einweihung, Helligkeit wird zum Zeichen der Erleuchtung, der Kreis von Brüdern ist eine Vereinigung im Gnaden-Licht.

Das zu erkennen ist der zweite Weg der Betrachtung. Ihn geht man mit den Augen nicht allein.

Der dritte Gang durch das Bild führt zum Verstehen des Gemeinten: in die Tiefe der Dinge. So ist die Arbeit des Lehrlings nur Symbol, der rauhe Stein, das Werkzeug, die Form und Farbe seiner Kleidung. Symbolisch nur der dreifach stufenhafte Aufbau:

Anfang an unterster, äußerster Stelle, Umkehr und Beginn auf neuer Höhe. Das Hinter-Sich-Lassen früherer Erfahrung und das Weiter-Streben nach neuer Erkenntnis sind Symbol der Verbindung dessen, was grundsätzlich scheint: Christliches Denken und freies Denken zugleich, Historisches und Überzeitliches in einem, Jugend im Alter, Reife im Keim. Vereinigt scheinen dem Verstehenden das sichtbar Dargestellte und das damit doch erste gemeinte Unsichtbare: der Geist der Welt, der Sinn der Dinge, das Ziel des Lebens, die Bestimmung des Menschen . Im Symbol erscheint es, wird es sichtbar, ohne daß der Geist und Sinn und göttliche Bestimmung damit aufhören Unsichtbares zu sein, ein bloßes Gemeintes, aber doch Gewußtes. Dieser Drang durch das Bild, dieser Weg der Betrachtung endet nie.

Es gibt dennoch eines darüber hinaus: das wäre der Versuch, in der hier gefundenen dreifachen Weise der Gestaltung, in dem gelungenen Schaffen des Malers die unüberwindliche Unvollkommenheit zu sehen: das Wirken der Kunst und das, was ihr trotz aller Vollendung unerreichbar ist. Denn jede Gestalt des menschlichen Geistes ist zeitbedingt. Der Geist selbst ist es nicht.

Wer diese, letzte Weise der Betrachtung wählt, der muss das Äußere und das Innere sehend verbinden, das Ganze und jedes Detail. Er muss auf die Formen achten und auf ihr Zu-Einander, auf die Farben und die Orte, auf die Figuren in ihrer Stellung und das Nicht-Figürliche, mit dem sie in Verbindung stehen. Jetzt muss man die erzählende Bewegung auflösen in den Klang der Ruhe, das Licht zusammenfassen mit der Dunkelheit, das Grab mit der Auferstehung, mit dem Kreuz, das der Gekreuzigte verließ, das in der Mitte des Bildes ist und zugleich sein Höchstes ist. Hier muss man sehen, wie sich Reales mit dem Über-Realen verbindet, das den Augen Vertraute mit dem, was unseren Augen unvertraut ist, das Gegenständliche mit dem niemals uns gegenständlich Gegebenen. Man muss sehen, wie sich Einigkeit herstellt aus Widersprüchen, ein Ganzes aus ungezählten einzelnen Teilchen.

Der Ausdruck dafür im Bildnis ist die vom Künstler gewagte Verbindung von Erzählung und Zeichen, Realität und Symbol, die Überhöhung der sichtbaren Welten durch Unsichtbares, die Reinheit der Farben und die Mischung. Das Format des Bildes ist groß, weil die gestellte Aufgabe groß ist, im Grunde ja doch unlösbar. Denn nicht in Art einer Landschaft kann die Unendlichkeit von Raum und Zeit dargestellt werden, nicht als Werken von Menschen das Wirken göttlichen Geistes. Wir sehen das Unendliche nur in Abbildern; unsere Erfahrung führt uns nicht über das Zeitliche hinaus, weil wir auf Erden fest hängen an Sinnenfälligem.

Wir deuten das Leben an einzelnen Szenen; aber in Wahrheit ist Alles in Einem. So sagt es das Bild, das hier gemalt ist für unsere Augen: als ein Sinn-Bild.

Der Maler, an seine Voraussetzungen gebunden, nahm eine andere Unvollkommenheit zum Ausgang und zum Grund-Motiv: die Unvollkommenheit des Wortes, die in der Hand des Dichters zur zeitbedingten Vollendung werden kann. Werner Möller ist ausgegangen von Bruder Goethes Gedicht Symbolum. Es kann als Gleichnis, es kann als Parallele zum Bild für die Johannisloge betrachtet werden:

Adresse

Anschar zum Friedenshafen
Grüner Weg 18,
27472 Cuxhaven
Tel. und Fax: +49 (04721) 3 79 50