Finnland

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Von Rudi Rabe aus Wien mit einer persönlichen Bemerkung gleich am Anfang. Als ich mich zum ersten Mal mit der Geschichte der finnischen Freimaurerei beschäftigte, fielen mir sofort erstaunliche Parallelen zu meinem Land auf: Wie in Österreich war die Freimaurerei im 19. Jahrhundert auch in Finnland verboten. Erst die Umwälzungen nach dem Ersten Weltkrieg machten ab 1918 alles anders. Und während des Zweiten Weltkriegs war wieder Pause, aber seit 1945 funktioniert es.

Quelle: Die wichtigste Unterlage für das folgende Portrait der finnischen Freimaurerei bekam ich von Jukka Järvinnen, Chefredakteur von ‚Koilliskulma’ (heißt so was wie „Die nordöstliche Ecke“): ein Freimaurermagazin in Helsinki. Laut Selbstbeschreibung beschäftigt es sich mit folgenden Themen: Gesellschaft, Bruderschaften und Clubs, Ethik und Moral.

Status der ‚Großloge von Finnland’ 2015

175 Logen (davon drei in Schweden); 7.500 Mitglieder (kontinuierliche Kurve nach oben). Durchschnittsalter zwischen 60 und 61 Jahren. Die Beziehungen zum finnischen Staat sind normal; ebenso zur finnisch-lutherischen Kirche (unter den Brüdern sind vierzig Pastoren) und zu den Medien (wenig Berichterstattung, am ehesten im Charity-Bereich; gelegentlich veröffentlichen Boulevardzeitungen Mitgliederlisten, doch das scheint den Logen eher Suchende zuzuführen).

Das „Freimaurergrab“ in Helsinki: ein Denkmal für Fredrik Granatenhjelm, einen Soldaten des schwedischen Königs aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Ob er aber wirklich ein Freimaurer war, ist umstritten. Vielleicht heißt das Grab nur so, weil auf der Einfassung ein Freimaurerzeichen prangt. Auf dem Stein steht auf Finnisch: „Auch wenn es die Welt nicht kümmert, wer hier liegt, Gott weiß von seinen Taten, und die Elenden bewahren sein Andenken.

Geschichte des Landes

Um die Entwicklung der finnischen Freimaurerei zu verstehen, braucht es minimale Kenntnisse der Geschichte von Finnland. Vor allem muss man wissen: Ein selbständiger Staat im heutigen Sinn ist Finnland erst seit dem Zusammenbruch des zaristischen Russlands 1917.

Vor 1917 war Finnland ein Jahrhundert lang ein Großfürstentum im Russischen Reich. Und wiederum davor war es seit dem 14. Jahrhundert ein Teil Schwedens, damals eine europäische Großmacht. Im 18. Jahrhundert wuchs der russische Druck auf das schwächer werdende Schweden. Es gab mehrere russisch-schwedische Kriege, auch um Finnland, das 1808/09 endgültig an Russland ging.

Während der kommunistischen Oktoberrevolution ab 1917 löste sich Finnland wieder aus dem russischen Reich und wurde selbständig. 1939 versuchte das jetzt sowjetische Russland Finnland im „Winterkrieg“ zurückzuholen. Als Folge davon verbündete sich Finnland 1941 mit Hitler-Deutschland gegen die Sowjetunion. Doch als die deutsche Niederlage 1944 endgültig absehbar war, stieg Finnland aus diesem Verband wieder aus und schloss mit der Sowjetunion einen Separatfrieden.

Geschichte der finnischen Freimaurerei

Diese entwickelte sich parallel zu den wechselnden Machtverhältnissen.

18. Jahrhundert: Import aus Schweden

In den 1750iger Jahren kam die Freimaurerei aus Schweden nach Finnland, ganz am Anfang noch als finnische Loge ‚St. Augustin’ in der schwedischen Hauptstadt Stockholm (1756), aber schon 1758 im finnischen Turku; in den Folgejahren dann abwechselnd in Helsinki und Stockholm. Die Mehrheit der Brüder waren Soldaten oder andere Militärs. Um 1800 waren es mehrere hundert.

Diese Zusammensetzung der Logen ist auch ein Hauptgrund dafür, dass das Logenleben nach dem Abzug der Schweden erlosch; ebenso alle Beziehungen zur Großloge von Schweden. Die letzte masonische Arbeit war 1809 in Tornio. 1813 übergab der letzte Stuhlmeister Axel Lejonhufvud alle masonischen Besitztümer an die Stadt Helsinki für karitative Zwecke.

19. Jahrhundert: Verbot durch die Russen

1822: Zar Alexander I. verbot in seinem Reich alle ‚Geheimgesellschaften’, also auch in Finnland. Das Verbot galt zuerst nur territorial so dass einige finnische Kaufleute und Matrosen weiter masonische Arbeiten im Ausland besuchen konnten. Doch schon wenige Jahre später definierte der nächste Zar das Verbot auch personal: Endgültig „Licht aus“ für ein Jahrhundert.

Frühes 20. Jahrhundert: Import aus New York

Jean Sibelius (1865–1957): Mitglied der ‚Finnischen Loge Nr. 1’ (‚Suomi Lodge No. 1’). Seine letzten Werke, komponiert um 1929, sind freimaurerische Ritualmusik für seine Loge in Helsinki, der er seit dem 18. August 1922 angehörte.
Für die Zeichnung von Lasse Rantanen bedankt sich das Freimaurer-Wiki bei der Finnischen Sibelius-Gesellschaft.

1922: Fünf Jahre nach der staatlichen Unabhängigkeit wurde in Helsinki unter dem Schutz der ‚Großloge von New York’ die ‚Finnische Loge Nr. 1’ gegründet. Dies war das Werk finnischer Männer, die noch in der russischen Zeit nach Amerika ausgewandet waren: vor allem Industriemanager und Staatsbeamte. Von Anfang an war auch der weltbekannte Komponist Jean Sibelius dabei. Zwei weitere Logengründungen folgten 1923 in Tampere und Turku, und so konnten die Finnen nun mit Erlaubnis der New Yorker eine eigene Großloge ins Leben rufen.

Parallel zu dieser Entwicklung setzte nach einem Jahrhundert Pause auch die Schwedische Großloge ihre masonische Tätigkeit in Finnland fort: Mit Genehmigung des schwedischen Großmeisters König Gustav V. gründete sie 1923 in Helsinki wieder eine Loge unter dem Namen ‚St. Augustin’.

In den frühen 1930iger Jahren gab es in Finnland mehr als 300 Freimaurer in fünf Logen. Doch nun punkteten auch hier die ideologischen Gegner: Die Mitgliederzahl ging langsam zurück; 1938 waren es etwa 250.

1941: Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg

Als 1939 der russisch-finnische Krieg begann und Finnland danach an der Seite Nazi-Deutschlands gegen Russland in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurden alle Logenarbeiten eingestellt. In der Regierung gab es verschiedene Meinungen, aber kein Verbot. Anfang 1941 wurde dem Großmeister aber signalisiert, dass eine freiwillige Unterbrechung im Interesse des Landes willkommen wäre. Offenbar wollt man einen Mittelweg gehen und es sowohl den Deutschen als auch den Amerikanern, die noch nicht im Krieg waren, recht machen. Im März 1941 folgte die Großloge diesem Wunsch der Regierung ohne großes Aufsehen.

Ab 1945: Eine Erfolgsstory bis heute

Sofort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg im Mai 1945 nahmen die ‚Finnische Loge Nr. 1’ und weitere Logen ihre Arbeiten wieder auf. Weitere folgten in den Jahren darauf, und in den fünfziger sowie in den sechziger Jahren wuchs die finnische Freimaurerei so schnell wie nie zuvor: Am Höhepunkt 1965 wurden neun neue Logen gegründet. Ab den siebziger Jahren verlangsamte sich das Wachstum, es hält aber bis heute an.

Finnland ist fast so groß wie Deutschland, hat aber nur fünfeinhalb Millionen Einwohner. Bezogen auf die Einwohnerzahl gibt es etwa siebenmal so viele Freimaurer wie in Deutschland und ungefähr dreimal so viele wie in Österreich oder der Schweiz.

Siehe auch

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