Hippel: Lieder

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Hippel: Lieder

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Theodor Gottlieb von Hippel: 14 neue Lieder, 1780


Lieder für Frey-Mäurer. Zwote Sammlung.
Philadelphia im Jahre 3886.
Marienwerder in der Königl. West Preuß. Hofbuchdruckerey
 Bey Johann Jakob Kanter, 1780.


Von den 33 Liedern sind 14 neu:
10 der neuen wurden auch nachgeruckt in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801.

Bereits 1772 hat Theodor Gottlieb von Hippel eine erste Sammlung „Lieder für Frey-Mäurer“ herausgegeben.


XXXVII. Ermunterung Beyspiel zu seyn

Auch in:
Allgemeines Gesangbuch für Freymäurer. 1784
unter dem Titel: Ermunterung an die Freymaurer beym Spiel zu singen
Voltständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 77


Die Welt, ihr Brüder! sieht uns nicht
In unsers Tempels Hallen,
Heißt unser Werk ein schön Gedicht,
Das ihr nicht soll gefallen;
Sie soll auch unsern Bau nicht sehn
So sehr sein Glanz sich zeiget,
Bis er zu den gewünschten Höhn
Zu ihrem Glück einst steiget.

So seh sie dann [1784 und 1801: denn] den Maurer nicht
Sie seh nicht seinen Tempel,
Nur sehe sie, was stärker spricht:
Sein lehrendes Exempel.
Wird sie durch uns die Tugend sehn,
Die nur der Maurer zeiget,
So sieht sie uns schon jetzt auf Höh‘n,
Die er allein ersteiget.


XL. Bey der Aufnahme eines Bruders

Empfangt mit warmer Zärtlichkeit
Den neuen Bundessohn!
Zum Dienst der Wahrheit eingeweiht
Naht er sich ihrem Thron –
Vorm innern Thor bingt am Altar
Er heut den ersten Dank.
Ihm jauchze froh der Brüder Schaar
Und singe Weyhgesang.

Chor.
Ihm jauchzet froh der Brüder Schaar
Und singet Weyhgesang.

Sey mit des Maurerordens Gruß
Sey dreymal uns gegrüßt!
Sey mit dem heilgen Bruderkuß
Von allen sey geküßt!
Zum Sinnbild weihten Väter ihn
Der höchsten Harmonie,
Unlauterkeit und Doppelsinn
Entheilige ihn nie.

Chor.
Unlauterkeit und Doppelsinn
Entheilige ihn nie.

Feyr, ewig jetzt mit uns vereint,
Den Tag der Ordensweih!
Der Morgenröte Herold scheint,
Winkt volles Licht herbey.
Des Maurers herrlichste Trophä’n
Sind Muth in Fährlichkeit,
Beharrlichkeit in Tugenden,
Sein Lohn Unsterblichkeit.

Chor.
Beharrlichkeit in Tugenden;
Sein Lohn Unsterblichkeit.


XLI. ohne Titel

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer, erst 1804, 344
Sammlung maurerischer Lieder zum Gebrauch der zum Sprengel der Provinzial-Loge von Niedersachsen gehörigen Logen. Hamburg 1823, 50 (nur die 1. und 4. Strophe)


Heil der Kunst, die ihre Werke
Nach der Weisheit Plan beginnt,
Erst auf ihres Baues Stärke,
Dann auf seine [1823: ihre] Schönheit sinnt;
Die, mit innerm Werth [1804: mit innrer Kraft] zufrieden
Nicht auf stolzer [1804: Memphis; 1823: stolze] Pyramiden
Gipfel gleich profaner Welt
Ihrer Ehre Sinnbild stellt.
[1804: Eitel, wie die große Welt,
1823: Nicht auf Höhen dieser Welt
Ihrer Ehre Kleinod stellt!]

Heil der Kunst, die keine [1804: sich die] Gränzen
Sich [1804: Nicht] nach Lebenslängen steckt,
Der zur Arbeit Sterne glänzen,
Die die Neugier nie entdeckt
[1804: Die kein Wolkenzug verdeckt!]
Heil der Kunst die reich und weise
Nach dem Weyhungsgrad die Preise
Austheilt, Heil! dem Glücklichen
Der sie lernet ganz verstehn.
[1804:
Heil der Kunst, die ihre Preise
Nur nach Prüfung, nur für Weise
Spendet, die der nie erlernt,
Der von Wahrheit sich entfernt!]

Heil dem Orden, den wir tragen
Seine Regeln, sein Panier
Seine Sprach und Zeichen tragen
Bild und Ueberschrift von ihr!
Laßt uns seine Pfade wandeln
Edel denken, weise handeln,
Wohlthun giebt zur Reise Kraft
Ist das Ziel der Meisterschaft.


[1804:
Heil der Kunst, so reich an Gaben,
Weisheit schmückt ihr Hauptpanier,
Ihre Wort' und Zeichen haben
Bild und Ueberschrift von ihr!
Die nach ihrer Vorschrift wandeln,
edel denken, liebreich handeln,
Nehmen zu an Lust und Kraft,
Zum Gewinn der Meisterschaft.]

XLIII. ohne Titel

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 128-129
Freymaurer-Lieder zum Gebrauch für die St. J. Loge 5813 [= 1813], 152-153
unter dem Titel: Genuss des Lebens


Hier, wo uns kein Blendwerk täuscht
In der Freundschaft sicherm Schooße,
Wo der Reiche, wo der Große,
Wies die Pflicht des Ordens heischt,
Glanz und Titel, Rang und Würde,
Und was er als Bürger trägt,
Willig, und als fremde Bürde
Auf der Schwelle niederlegt.

Hier, wo Mistraun und Verdacht
Nie der Freude Grenzen enget
Unter Scherz kein Spott sich menget
Hier, wo Herz, nicht Miene lacht,
Hier, wo der Natur Getreuer,
Frohes Zutraun im Gesicht
Jeder treulich [1801 und 1813: traulich] ohne Schleyer,
Was das Herz ihm eingiebt [1801 und 1813: ihn lehret], spricht.

Hier, wo wohl zu thun bemüht,
Wort und Werke sich vermälen,
Und in männlichedeln Seelen
Wahre Bruderliebe glüht.
Wo Betrübte aufzurichten,
Jeder ihren Kummer theilt,
Und wo Zwist und Fehd zu schlichten
Gern und willig jeder eilt.

Hier wird uns der Satz gelehrt:
Alles Gute froh genüßen,
Ist viel mehr, als alles Wissen,
Mehr, als alle Schätze werth.
Und die Deutungsvolle Handlung
Unsrer ersten Ordensweyh,
Lehret uns, daß der Verwandlung,
Alles unterworfen sey.

Drum, wenn einst die Stimme spricht:
Staub vom Staube deiner Brüder,
Kehr zu ihrer Asche wieder —
O! dann zagt ein [1801 und 1813: der] Maurer nicht;
Dreust [1801 und 1813: Dreist] sieht er der Gruft entgegen,
Mit dem Tode längst bekannt,
Und zieht mit der Brüder Segen
Hin ins beßre Vaterland.


XLV. Auf das Fest des Heiligen Johannes

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 162-163

Kommt zum Tempel, Maurerbrüder!
Unser Fest erscheinet wieder;
Feyrt den Tag, der uns verband,
Opferschaalen in der Hand.

Chor.
Ertönet verbrüderte Chöre
Zum Preise des Ordens, es höre
Die Nachwelt den frohen Gesang.

Er enthüllte den Geweyhten
Einst, was seit den ersten Zeiten,
In dem mütterlichem [1801: mütterlichen] Schoos
Siebenfache Nacht umschloß.

Chor.
Ertönet etc.

Triumphirend stieg die Wahrheit
Schleyerlos in ewger Klarheit
Aus der Gruft, allmächtiger
Todesschauer vor ihr her.

Chor.
Ertönet etc.

Wahn und Vorurtheil verscheuchte
Schnell ihr Blick, vor ihrer Leuchte
Floh ein Schwarm Verblendeter,
Hinter seinen Gözzen her.

Chor.
Ertönet etc.

Tag, den Maurern ewig theuer!
Durch dich ward das heilge Feuer
Hoher Weisheit, aus der Nacht,
Uns zu leuchten hergebracht.

Chor.
Ertönet etc.


XLVII. Ermunterung zur Freude

Laßt uns zur Freude
Verbrüdert seyn,
Im Maurerkleide
Das Herz ihr weyhn:
Komm Himmels Schöne
In unsern Creyß
Mach Tugendsöhne
Für dich auch heiß.

Chor.
Mach Tugendsöhne
Auch für dich heiß.

Sie kommt ihr Brüder,
Sie senkt sich schon
Auf uns hernieder
Von ihrem Thron;
Elecktrisch Feuer
Wirkt Hand in Hand
Macht stündlich neuer
Herzen verwandt.

Chor.
Macht ständig neuer
Herzen verwandt.

Wie sich die Wärme
Lieblich vertheilt,
Ohne Geschwärme
Um uns verweitl!
Ist ihr der beste
Der sich bestrebt
Daß unsre Veste
Höher sich hebt.

Chor.
Daß unsre Verste
Höher sich hebt.

Freude die Fülle
Wenn guter Rath,
Wenn guter Wille
Bringt gute That.
Rüstigen Händen
Giebet sie Stärk
Dreust zu vollenden
Das gute Werk.

Chor.
Dreust zu vollenden
Das gute Werk.

Wem Freude fehlet
Ist alles leer;
Wen sie beseelet
Kein‘ Arbeit schwer.
Könnt ihr verweilen
Ohn daß ihr strebt
Mit uns zu theilen
Was uns belebt.

Chor.
Mit uns zu theilen
Was uns belebt.

Freude macht eben
Des Lebens Pfad,
Weiß Lohn zu geben
Nach guter That,
Drückt sanft beym Sterben
Die Augen zu,
Wird Himmelserbem
G’spielin der Ruh.

Chor.
Wird Himmelserben
G’spielin der Ruh.


Eine völlig andere Fassung in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 169-170

Laßt uns zur Freude
Gesellig seyn!
Im Rosenkleide hüpft sie herein.

Einer.
Ein heil'ges Feuer wärmt Hand in Hand,
Und stündlich neuer
Sind wir verwandt.

Chor.
Wie sich die Wärme lieblich vertheilt,
Ohne Geschwärme
Um uns verweilt!

Einer.
Der ist der Beste, der sich bestrebt,
daß unsre Veste
Höher sich hebt.

Chor.
Freude die Fülle wenn im Beruf,
Strebender Wille
Förderung schuf.

Einer.
Rüstigen Händen giebt sie Gedeihn,
Einst zum Vollenden
Glücklich zu seyn.

Chor.
Der ist der Beste, dem es gelingt,
Daß er zum Feste,
Herzlichkeit bringt.

Einer.
Könnt ihr verweilen,
Daß ihr nicht strebt,
Mit uns zu theilen
Was uns belebt.

Chor.
Wem sie noch fehlet,
Fühle sich leer;
Wen sie beseelet,
Wonn' um sich her.

Einer.
Einer des andern
Glückseligkeit,
Gehn wir und wandern
Den Pfad der Zeit.

Chor.
Freude die Fülle,
Die in uns wohnt,
Wenn uns die stille
Wohlthat belohnt.

Einer.
Helfet dem Armen
Der hülflos schweigt;
Thät'ges Erbarmen
Ist Seligkeit.


XLVIII. ohne Titel

Auch in:
Allgemeines Gesangbuch für Freymäurer. 1784, 91-92
unter dem Titel: Ueber die Bestimmung der Freymaurer
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 177 (ohne die 3. Strophe)
Lieder für Freymaurer. Hannover 1809, 31-32 (ohne die 3., 5., 6. und 8. Strophe)
Sammlung Maurerischer Lieder zum Gebrauch der zum Sprengel der Provinzial-Loge von Niedersachsen gehörigen Logen. 1823, 254-255 (ohne die 3., 5., 6. und 8. Strophe)


Maurer, für der Wahrheit Spur,
Und ihr Licht gebohren,
Die der Meister der Natur
sich zum Ruhm erkohren,
Wer sich Euren Bruder nennt,
Sey es ihm zur Ehre!
Und für das, was er erkennt,
Bau' er ihm Altäre.

Wenn in fauler [1801: steter] Ueppigkeit
Sich die Prasser pflegen,
[1809 und 1823: Wenn nur Lust zur Sinnlichkeit
Eitle Thoren hegen;]
Fühlt ihr im Gebrauch der Zeit
eures Daseyns Segen.
Glücklich, wem die stille Nacht
Mit dem Trost begegnet:
Wiederum ein Tag vollbracht,
Der mein Daseyn segnet!

Wenn der finstre Menschenfeind
Wüsteneyn durchheulet,
Sind wir unter uns vereint
Brüderlich getheilet,
Daß die Schöpfung Freuden faßt,
Ist ein Glück, zu wißen;
Nicht um aller Güter Last
Wollten [1784:Wollen] wir es missen.

Wenn die Habsucht Schätze mehrt,
Ohne sie zu nützen,
Lehrt die Weisheit uns den Werth,
Froh sie zu besitzen.
Uns sind sie Ermunterung,
Antrieb zum Erbarmen,
Himmlische Befriedigung
Ist der Trost des Armen.
[1809 und 1823: Labsal für die Armen.]

Wenn der Ehrgeiz ängstlich keucht,
Und nach Höhen klettert,
Fühlen wir uns froh und leicht
Durch uns selbst vergöttert.
Der nach Rang begierge Thor
[1801: Der, des Ranges trunkne Thor]
Wird von uns getadelt;
Nur die Demuth hebt empor,
Nur die Weisheit adelt.

Keiner, dem die Binde fiel,
Wird vom Wahn getäuschet;
Ihm bleibt sein gewisses Ziel,
Was die Tugend heischet.
Todesfurcht, ihm unbekannt,
Ist die Quaal des Narren;
Er kann lächelnd, Hand in Hand,
Der Vollendung harren.

Brüder! die des Meisters Ruf
Seiner werth erkannte,
Denkt, wozu er Euch erschuf,
Warum er euch sandte;
Ins Vergangne hinzuschau‘n,
Was ihr da vollendet
Unermüdet fortzubau‘n,
Bis der Bau sich endet.

Schönheit schmücket euren Pfad,
Stärke hilft ihn wandeln;
Und wer ihn getrost betrat,
Lehrte Weisheit handeln;
Macht dann [ab 1784: denn] jeglichen Versuch
Euch zum stillen Ruhme!
Duftet Euren Wohlgeruch,
Wie die Frühlingsblume.


L. Johannislied

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer, erst 1804, 350

Sankt Johannis Seele war
Durch und durch ein Liebestempel,
Nehmt im neuen Maurerjahr
Drum am Heiligen Exempel,
[1804: Nehmt drum seiner Lehre wahr,
Folgt dem heiligen Exempel:]
Liebt mit fester [1804: echter] Herzlichkeit
Alle Menschen, denn der Orden,
Liebeswerken einst geweiht,
Ist durch sie nur groß geworden.

Wer sich unserm Altar naht,
Laße dem Profan sein laues
[1804: Bringe ja zu ihm kein laues]
Schöngeschwätz, nur gute That
Ist der Zweck des Wunderbaues.
[1804: Ist der Endzweck unsers Baues!]
Wer den Menschenfreund nur spielt,
Wird den Sinn [1804: gewiß] von Wort und Zeichen,
Die er zum Gewinn [1804: Symbol] erhielt,
Nie in aller Kraft erreichen.
[1804: Nie den wahren Sinn erreichen.]

Stille Einfalt, biedrer Sinn,
Der sich taubensanft bequemet,
Oft nimmt Schaden für Gewinn,
[1804: Nicht bloß trachtet nach Gewinn,]
Und nie [1804: Oder] Mensch zu seyn, sich schämet,
Pocht nie auf des Ordens Schild [1804: den Ehrenschild,]
Oder Glanz vom Ehrenamte
Und trägt doch des Kleinods Bild,
Das auf sie vom Himmel stamte.
[1804: Oder Glanz vom Ordensamte;
Denn ihn schmückt des Kleinods Bild,
Das vom Himmel selber stammte.]

Liebe, Brüder, Liebe sey
Maurerischer Herzen Weyhe:
Wer beleidigt hat, bereu,
Wer beleidigt ward, verzeihe.
Laßt uns nach des Meisters Wort,
In Geduld nach Gutem streben;
Denn den Seinen wird er dort
Allen [1804: Reichen Lohn] der Liebe geben.


LI. ohne Titel

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 215-216 (ohne die Strophen 6 und 7)
Freymaurer-Lieder zum Gebrauch für die St. J. Loge 5813 [= 1813], 162-163 (ohne die 2. und 6. Strophe)
unter dem Titel: Lob des Ordens


Seht! die Menschen hier auf Erden
Sollten alle Brüder seyn –
Was sie oft nicht [1813: nicht mehr] sind zu werden
Ladet sie der Orden ein.
Hier ist, wie im Himmelreich,
Hirtenstab und Scepter gleich.

Noch ist, was die Maurer bauen
Im Geheimnis eingehüllt --
Endlich wird die Sonne schauen
Hohe Deutung! hohes Bild!
Endlich kommt die güldne Zeit,
Liebe, Wahrheit, Einigkeit.

Zwar berufen, ach! wie viele;
Wenig aber auserwählt,
Hat nicht mancher nach dem Ziele
Noch des rechten Pfads verfehlt?
Brüder! suchts nicht ausser euch
In euch liegt ein Königreich.

Friede, Treue, Menschenliebe
Worte, die der Maurer ehrt —
Und sein Herz ruft: übe! übe!
Was der Orden dich gelehrt.
Wenn dem Bruder Elend droht,
Brich dem Hungrigen dein Brod.

Ist dem Unterdrückten bange,
Lindre seinen Seelenschmerz,
Kühl die rothgeweinte Wange,
Gieße Oel ins wunde Herz.
Sey in Finsterniß sein Licht,
Segen, wenn das Aug ihm bricht.

Heil dem König, der uns allen
Das verlohrne Wort geschenkt,
Und mit Fried und Wohlgefallen,
Alle seine Staaten tränkt,
Lebe! lebe! Friederich
Königlich und väterlich.

Dank den Helden, die den Frieden
Uns so wohlfeil mitgebracht,
Diesen Segen, der hienieden
Menschen erst zu Menschen macht.
Hier ist Herz und Mund und Hand
Lohne du sie Vaterland.

Zieh mit Weisheit, Schönheit, Starke
In die ächten Logen ein,
Alle sieben Wunderwerke,
Eintracht! gegen dich -- wie klein!
Groß ist, wer die Schuld vergißt,
Und den Feind als Bruder küßt.

Wenn wir einst in Friede fahren
Gehen ein zur ew‘gen Ruh;
Rufen aus den frommen Schaaren
Uns die selgen Väter zu:
Zu uns kommen ist das Reich --
Friede! Friede! sey mit euch.

LII. ohne Titel

Sey uns gepriesen seelger Tag,
Dich schenkt der Himmel wieder!
Dreymal gesegnet heilger Tag
Zum Glück, zum Heil der Brüder.
Und Jeder, der dein Glück empfand,
Und Jeder, der sich dir verband,
Der opfre Dank und weih dir frohe Lieder.

Doch fern, von Fremden ungehört,
Erschall nur den Geweyhten
Der festliche Gesang von Werth
Und Glück der goldnen Zeiten
Dies war der Tag, er brachts hervor,
Mit neuem Glanze stiegs empor,
Wir sehns entzückt und segnen seine Zeiten.

Ihr wißt, wie Vater Orpheus sprach:
Hinweg mit den Profanen!
Wir Brüder sagen alle nach:
Hinweg mit den Profanen!
Die Maurerey im Sternenlicht
Verträgt kein ungeweiht Gesicht,
Den Weg zu ihr kann nur die Tugend bahnen.

Auf sieben Stufen steht ihr Thron
Umwölkt mit Finsternißen –
Des Lichtes erstgebohrnen Sohn,
Soll unsre Hymne grüßen,
Und dich, du Nacht, die ihn gebahr
Dich segnet unsre heilge Schaar,
Zum Kicht gebracht, der Finsterniß entrissen.

Die Helden, die das Adytum
Als edelmüthge Brüder
Beschützen, und im Heiligthum
Schon wohnen, sehn jetzt nieder
Vom Sternensitz, und sind erfreut
Ob unsres Eifers Thätigkeit,
Denn unser Bau hebt aus dem Stand sich wieder.

Die Sonne, die den Tag erhellt
Senkt sich beym Abenthaue
Ins Meer, damit die Morgenwelt
Sie wieder glänzend schaue.
Du aber wonnereiches Licht
Bedarfst der Dämmrungsruhe nicht
Strahlst immer hell, und leuchtest unserm Baue.

Und wenn Jahrtausende der zeit
Nach durchgekreisten Sphähren,
Ins tiefe Meer der Ewigkeit
Zur alten Quelle kehren,
Wird unsre Nachwelt, reich an Ruhm
Den Vätern gleich, im Heilgthum
Dich segnen und in frohen Liedern ehren.


LIV. ohne Titel

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 235

Stimmt eure Harfen zum Gesang
Hoch töne unser Lied --
Singt Brüder! singt der Vorsicht Dank,
Die gnädig auf uns sieht.

Bei der Verfolgung giebt sie Muth,
Gelaßenheit beym Schmerz.
Und dann, ein unaussprechlich Gut,
[1801: Und dann der Guter höchstes Gut,]
Ein großes [1801: frohes] edles Herz.

Wer dieses theure Gut verkennt,
Verfehlt der Wahrheit Bahn --
Bleibt, wenn er gleich sich Maurer nennt,
Doch immer nur Profan.

Wer den, dem er befehlen kann,
Für wenger hält, als sich;
Des Herz schlägt nicht als Ordensmann,
Es schlägt nicht brüderlich.

Sucht euren Werth nicht außer Euch —
Zum Glück wie nah das Ziel!
Wer wenig brauchet, der ist reich:
Wer edel denkt, hat viel.

Seht da den Weg zum Heiligthum,
Des Maurers Ordenspflicht --
Wer so denkt, kommt ins Adytum
Zum wundervollen [1801: wonnevollen] Licht.

Heil dem! der dieses Licht erblickt,
Die Sonne strahlt nicht so,
Nichts macht so froh und so beglückt,
Nichts so beglückt, so [1801: beglück und] froh.

Der Inhalt ächter Maurerey
Ist Bild der goldnen Zeit.
Und seine letzte Ordensweyh
Wink [1801: Winkt] zur Unsterblichkeit.

Wo ist in dieser eitlen Welt
Vollbrachtes Meisterstück?
Wo Tugend, welche Probe hält?
Wo unverfälschtes Glück?

Dort, wo kein Ansehn der Person,
Wie in den Logen ist;
Genießt der Maurer seinen Lohn,
Wohl dem, der ihn genüßt.

Der Tod ists, der zum Leben ruft, —
Zur höchsten Maurerey
Die schwarze Kammer unsrer Gruft,
Macht uns vollkommen frey.


LIX. An die Freyheit

Die dritte Strophe, leicht abgewandelt, findet sich in einem ganz anderen Lied zur Freiheit in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimauer. 1801, 161

Wunsch des armen Unterdrückten,
Dem du zur Ermannung fehlst,
Bundesgöttin des Beglückten,
Den du siebenfach beseelst,
Wir berufene Gespielen
Zu dem Wunderbaue, wir,
Die wir deinen Einfluß fühlen
Goldne Freyheit, singen dir.

Wenn dort ohne sich zu retten,
Der Gefangne schmachtend liegt,
Und hier in des Lasters Ketten
Sich der Thor freywillig schmiegt,
Schütteln wir der Menschen Schande
Mit gestärkten Nerwen ab,
Und zerreissen jene Bande
Die der Mensch sich selber gab.

Frey gebohren, frey zu denken,
Giebt dem Geiste Adlerskraft,
Daß er aufwärts ohne lenken,
Sich die Bahn zum Lichte schaft.
Frey von knechtschen Vorurtheilen,
Schwebt er über sie dahin;
Seiner Sonne zu zueilen,
Ist sein Streben, und sein Sinn.

Zwar nicht frey von Leidenschaften,
Die des Flügels Federn sind,
Lassen wir sie an uns haften,
Daß durch sie die Welt gewinnt,
Von empörtem Aufruhr wissen
Unsre Unterthanen nie:
Tugend deinen Scepter küssen
Lehrt der freye Maurer sie.


LXI. ohne Titel

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 298 8ohne die 5. und 6. Strophe)

Zur Nachwelt eile lauter Dank. —
Wenn es um uns gestürmt,
Seit Nacht und Morgenröthe rang.
[1801:Und Nacht mit unsern Lichte rang,]
Hat er uns stets beschirmt!

Er, der mit mächtig starkem [1801: allgewaltgem] Arm,
Des Abgrunds Riegel brach;
Sodann zu dem [1801: Und mächtig zum] unheilgen Schwarm:
Flieht diese Stäte, Sprach,
[1801: „flieh diese Stätte" — sprach —]

Denn sie ist heilig; heilig sey!
Wer ihrem Thor sich naht --
Sey Wahrheit, sey der Tugend treu,
Und meide Frevelthat.

So sprach er: und der Haufe floh –
Nur wenig Edelen
Erschien der Tag, den wir heut froh
Im Heiligthum begehn;

[1810:
So sprach er, und nur wenigen
Von ihm Erwählten ward
Der Tag zu Theil, den wir begehn,
Und des sie lang geharrt]

Vereinte die geweihte Schar.
Mit jugendlichem Trieb,
Erbauen Tempel und Altar
Sieh nach dem Prototyp,

Das ihr verklärtes Auge sah,
Im hohen Sterneplan:
Verhüllet von Unrania
Für Thoren und Profan.

Im Maurerischem [1801: maurerischen] Festgewand'
Tret‘t [1801: Nah't,] Brüder, zum Altar --
Bring froh vereinet Hand in Hand
Heut Opferweirauch dar.
[1801: Bringt fleißig Opfer, Hand in Hand,
In guten Thaten dar.]

Dieß Fest ist heilig, herrlich groß --
[1801: Denn heilig ist dies Fest und groß —]
Singt Heil uns [1801: ihm], dreimahl Heil!
Uns ward ein unaussprechlich Loos
Durch diesen Bund zu Theil.


Schlußlied

Auch in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 50
Lieder für Freymaurer. 1809, 217

Denkt, da wir das Tagwerk enden,
Ihr zur Freundschaft eingeweiht!
Denkt, da wir das [[1801: dies] Fest vollenden,
Derer, die umher zerstreut.
Segnet die entfernten Glieder,
Die gleich edler Eifer band;
So viel Maurer, so viel Brüder.
Wahrheit unser Vaterland.

Sey beglückt, erhabner Orden!
Dreimal glücklich Maurerei!
Was wir sind, sind wir geworden
Durch die erste Ordensweih.
Selig sind schon, welche wissen,
Dreimal seelger, welche thun;
Die nicht, eh‘ sie Lohn genüßen,
Von der Maurerarbeit ruhn.

Gebt euch brüderlich die Hände,
Wünscht dem Werk Beständigkeit:
Wer beharret bis ans Ende
Den belohnt Zufriedenheit.
Froh, wie wir vom Feste gehen,
Seyd, wenn einst das Auge bricht;
Dämmrung bleibt, was wir hier sehen
Dort strahlt volles Mittagslicht.