Lied der Gesellen

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James Anderson: „Lied der Gesellen“, 1723

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Vier wörtliche deutsche Übersetzungen

Friedrich Conrad Julius Prätorius, Friedrich Ludwig Schröder, Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer: Die Constitutionen der Freimaurer, welche die Geschichte, Vorschriften, Anordnungen, u. s. w. dieser sehr alten und ehrwürdigen Brüderschaft enthalten. Zum Gebrauch der Logen. Hamburg 1806;
Nachdruck u. d. T.: Das Constitutionenbuch von 1723. Deutsche Übersetzung. Wiesbaden: Carl Ritter 1902, 85.


Der Sang der Zunftgenossen.

Von unserem Bruder Charles Delafaye, Esq.

Mit Begleitung zu singen beim Großfest

Freie Uebersetzung aus der Loge Plato z. best. E.


1.

Erhabener Geist der Maurerei!
Der Erde Stolz, von Gott geweiht;
Wie sonst er auch verborgen sei,
Dein Glanz des Maurers Aug' erfreut.

Chor:

Wer thäte deines Lobs genug
Im flüchtigen Lied und kräftigen Spruch?

2.

Schon seit der Zeiten Urbeginn
Hob er sich auf der Menschheit Höh'n
Und trachtete mit ernstem Sinn
Nach dem, was wahr und gut und schön.

Chor:

Und wahrt in festem, hohem Muth
Der Kunst Geheimniß treu und gut.

3.

Vor wilder Thiere gieriger Brut,
Vor Winterfrost und Sonnenbrand,
Vor blutiger Feinde trotzigem Muth
Beschirmt die Welt des Maurers Hand.

Chor:

Der Dank im Liede hell erklingt
Der Kunst, die so viel Gutes bringt.

4.

Orden und Titel — hoher Lohn
Und doch im Grund nur Spielerei.
Der Künste freigeborner Sohn
Geht stolz an solchem Tand vorbei.

Chor:

Ihn ehrt der Name, den er führt,
Der Schurz ist's, der den Maurer ziert.

5.

Mißgunst sei fern der Brüderschaft.
Der Brüder herzlicher Verkehr
Sei unserer Loge Halt und Kraft,
Wie er es war von Alters her.

Chor:

Wo so gebaut die Loge steht,
Machtlos der Sturm der Zeit vergeht.

6.

Gebt allen drum im Lied den Lohn,
Die je am Bau gewirkt voll Fleiß,
Von Jabal bis zu Burlington
Sei jedem einzeln Ruhm und Preis!

Chor:

Für jeden treuen Bruder bringt
Ein Hoch, das donnernd widerklingt.


Albert von Rütte, Friedrich Wilhelm Gotter, Friedrich Gottlob Wetzel: 50 Freimaurer-Lieder aus und nach dem Englischen. 1814, 10-11.

Ohne Titel

Heil, Maurery, du Preis der Erde,
O Kunst, vom Himmel offenbart,
Du Ausfluss jenes ew’gen Werde,
Kraft dessen Erd‘ und Himmel ward:
O welches Erdgebohrnen Mund
Thut deinen Ruhm nach Würden kund?
Sie giebt dem Geiste Adlerschwingen
Von Licht zu Licht, von Kraft zu Kraft,
Lehrt ihm den höchsten Kranz erringen
In aller Kunst und Wissenschaft,
Sie wohnet in verschwiegner Brust,
Ein treues Herz ist ihre Lust.
Vor Hitz‘ und Frost und Krieges Stürmen,
Wie vor des wilden Thiers Gewalt,
Weiss sie den Menschensohn zu schirmen
In einem sichern Aufenthalt:
Sey Lob der edlen Kunst gebracht,
Die Menschen solche Hülf‘ erdacht!
Wonach die eitlen Seelen trachten,
Die Zeichen äussrer Glückes Gunst,
Er darf sie kühn und gross verachten,
Der freygebohrne Sohn der Kunst,
Sein Namen adelt einzig ihn,
Das Zeichen, so die Kunst verliehn.
Gemeinschaft aller ew’gen Güter,
Freundschaft, die keine Scheelsucht kennt,
Ein tiefer Einklang der Gemüther,
Sey unsers Bundes Fundament!
Ein solcher Bau kann nie vergehn,
Stund ewig und wird ewig stehn.
Sey jedes Bruders Lob gesungen,
Vom ersten Meister bis auf heut,
Durch den die Kunst emporgeschwungen,
Und neuer Schätze sich erfreut!
Wohlauf, wer nach dem Kleinod flog,
Ein jeder Maurer lebe hoch!


Karl Christian Friedrich Krause: Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft.
2. Aufl. Erster Band, zweite Abtheilung, 1821, 273-274.
Die Übersetzung ist am Schluss nicht ganz wörtlich

Des Gesellen Gesang

Heil, Masonei, du göttliche Zunft!
Glorie der Erde, vom Himmel offenbaret,
die du mit köstlichen Kleinoden strahlest,
welche vor allen, ausser des Masons, Augen verborgen sind;
Wer kann in kraftvoller Prose,
oder in strömenden Versen dein gebührendes Lob aussprechen?—
So wie Menschen vor den Thieren ausgezeichnet sind,
so hat ein Mason vor anderen Menschen den Vorzug;
denn was in Erkenntnis gewählt und selten ist,
das wohnet sicher nur in seiner Brust;
seine schweigsame Brust und sein treues Herz
bewahret die Geheimnisse der Kunst.
Vor brennender Hitze und durchdringender Kälte,
vor wilden Thieren, deren Gebrüll den Wald durchschallt,
vor dem Überfall kühner Krieger,
vertheidigt des Masons Kunst das Menschengeschlecht.
Es werde der Kunst die gebührende Ehre gezollt,
von welcher das Menschengeschlecht solche Hülfe empfängt.
Auszeichnungen der Pracht (des Staates), welche unsern Stolz nähren,
jene beschwerlichen und eiteln Unterscheidungen,
werden von echten Masonen bei Seite gelegt;
die freigebohrnen Söhne der Kunst halten solche Possen ihrer für unwürdig,
da sie veredelt sind durch den Namen, den sie führen,
und aus gezeichnet durch das Zunftzeichen, das sie tragen.
Süsse Genossenschaft, vom Neide frei,
freundlicher Umgang der Bruderschaft
sei der Loge unvergänglicher Kitt!
welche seit langen Zeiten fest bestand.
Die Loge, also gebaut, hat seit langen Zeiten
zuvor bestanden, und wird immer bestehen.
Has lasted, and will ever last.
So werde denn in unsern Gesängen auch Denen ihr Recht gethan,
welche die Kunst bereichert haben,
von Adam bis auf den grossen Leven herab, —
[From Jabal down to Burlington]
und jedem Bruder werde sein Theil.
Lasst unsers Grossmeisters Gesundheit herumgehn,
und sein Lob in jeder Loge erschallen.—
[Let noble Masons Health go round;
Their Praise in lofty Lodge resound,]


Dieser Gesang, der viele echtmasonische Stellen enthält, erschien zuerst gedruckt in Anderson's Constit. Buche, 1723, p. 85; woselbst Br. Charles Delafaye Esq. als Verfasser genannt wird. Dieser dichtete ihn, als ein Gesellenlied auf dem Grossfeste zu singen.
Man findet ihn auch in JB., 179З, p. 25; in Preston's Illustrations, 1812, p. 425, und in allen englischen Sammlungen von Freimaurerliedern.


Rudolf Ebel in Die Konstitutionen der Freimaurer aus dem Jahre 1723.
Quellenkundliche Arbeit Nr. 18 der Forschungsloge Quatuor Coronati Nr. 808,
Bayreuth, 1983, 83.

Das Lied der Mitbrüder

Von unserem Bruder Charles Delafaye. Mit Begleitung zu singen beim Großen Fest.

I.

Heil Maurerey, von Gott gezeugt,
der Erde Ruhm, von Gott gesandt,
dein Schmuck durch alle Zeiten leucht't,
der nur den Maurern ist bekannt.

Chor.

Wer darf dich preisen, unverstellt,
du Hohe Kunst, Kunst dieser Welt.

II.

Wie Mensch die Tiere übersteigt,
so steht der Maurer andern vor.
Und was an Wissenschaft er zeigt,
trägt über andre ihn empor.

Chor

Ein treues Herz in stiller Brus
bewahrt Geheimnis voller Lust.

III.

Vor Hitze, Kälte er bewahrt,
vor wildem Tier, das ihn bedroht,
vor Krieg, der tückisch ihn umschart,
der Maurer Kunst steht zu Gebot.

Chor.

Ja, diese Kunst ist ehrenvoll,
sie dient der ganzen Menschheit Wohl.

IV.

Was andere schmückt, uns gilt es gleich,
zwar ehrenvoll, wenn eitel auch.
Der Maurer aus sich selbst ist reich,
ein freier Mann nach altem Brauch.

Chor.

Allein ihr Name ist's, der schmückt,
ihr Schmuck allein ist's, der entzückt.

V.

Das Brudersein, ganz frei von Neid,
traulicher Umgang im Verein,
das ist's, was abhält jedes Leid,
ist eine Mauer, stark wie Stein.

Chor.

Die Loge, wohl gebaut und fest,
sich niemals je erschüttern läßt.

VI.

Dies Lied sei allen zugedacht,
die sich der hehren Kunst geweiht,
die Maurerey zu dem gemacht,
was unerschüttert in der Zeit.

Chor.

Der Becher gilt der Maurer Wohl,
das ewiglich erschallen soll.

Übersetzungen von Kurzfassungen

Johann Küenen hat in seiner Übersetzung des „Constitutionenbuchs“ 1741 das „Chanson des Compagnons“ nach der französischen Kurzfassung von Louis-François de La Tierce übersetzt;
diese findet sich bereits in der Sammlung von „Chansons … par Frère Naudot“, 1737:
.Art divin, l’Etre Suprême
Lied der Gesellen
Auch in: Der neu-aufgesteckte Brennende Leuchter des Freymäurer-Ordens, 1746.

Eine andere deutsche Übersetzung siehe:
Die erste grosse Verräterschrift
Lied der Gesellen

Eine andere Übersetzung in:
Alle Lieder aus „Der verrathene Orden der Freymäurer“

Eine nochmals andere Übersetzung in
Die offenbarte Freymäurerei
auch in:
Freimäurer-Lieder und Gesänge: zum Gebrauch der Ehrwürdigen Loge genannt die wachsende zu den Dreien Schlüßeln in Regensburg. 1767, 5-6;
Vollständiges Liederbuch der Freymäurer mit Melodieen, in Zwey Büchern. Kopenhagen und Leipzig 1776, 139 (mit der Bezeichnung: „Schlegel“);
Allgemeines Gesangbuch für Freymäurer, 1884, 69.

Eine völlig neue und andere Version bot Ludwig Friedrich Lenz:
Ludwig Friedrich Lenz: Freimaurerische Gesänge
Inspiriert von einem französischen Gedicht, das Ramsay in seiner Rede als Ausschnitt aus der Verteidigung von Procope zitiert:

Nous suivons aujourd’hui
Des sentiers plus battus:
Nous cherchons à batir, et tous nos édifices
Sont ou des cachots pour les vices,
Ou des temples pour la vertu.

abgewandelte Fassungen in:
Freimäurer-Lieder und Gesänge zum Gebrauch der Ehrwürdigen Loge genannt die wachsende zu den Dreien Schlüsseln in Regensburg, 1767, 26-27;
Vollständiges Liederbuch der Freymäurer mit Melodieen, in Zwey Büchern. Kopenhagen und Leipzig 1776, 47;
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer, 1801, 126-127; auch 1819, 126-127.