Littre

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Littre, Emile

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)


französischer Philosoph und Schriftsteller, * 1801, † 1881, Positivist, Schöpfer des "Dictionnaire", studierte ursprünglich Medizin, Übersetzte den Hippokrates und gab dann zahlreiche philosophische Schriften heraus. Politisch eifrig tätig (1830 Barrikadenkämpfer, 1848 Gemeinderat von Paris), hielt er sich zur republikanischen Partei.

1871 Abgeordneter zur Nationalversammlung, Senator auf Lebenszeit. Seine Wahl zum Mitglied der Akademie veranlaßte seinen Gegner, den Erzbischof Dupanloup, 1875 zum Austritte. Er war einer der vielseitigsten Gelehrten seiner Zeit, übersetzte auch das "Leben Jesu" von David Friedrich Strauß und Dantes "Hölle".

Er wurde gleichzeitig mit Jules Ferry 1875 in Gegenwart von 2.000 Freimaurern in der Loge "La Clemente Amitie" aufgenommen. Die Protestaktion des Erzbischofs war der Anlaß zur Anmeldung.

Bei seiner Aufnahme gefragt, ob er an die Existenz Gottes glaube, antwortete Littre:

"Ein Weiser des Altertums, dem ein König die gleiche Frage stellte, dachte Tag für Tag nach und fühlte sich niemals in der Lage zu antworten. Ich bitte Sie, auch von mir weder Bejahung noch Verneinung zu verlangen. Keine Wissenschaft leugnet eine ,erste Ursache', denn nirgends trifft sie etwas, was gegen eine solche zeugt noch eine solche beweist. Alles Wissen ist relativ immer wieder stößt man auf Wesenheiten und Urgesetze, deren tiefsten Grund wir nicht erkennen. Wer mit Entschiedenheit ausspricht, daß er weder gottgläubig noch Gottesleugner ist, beweist nur sein Unverständnis für das Problem des Werdens und Vergehens der Dinge." Zwei Jahre später unterdrückte unter Berufung auf die unbedingte Gewissensfreiheit der Großorienten die Formel vom "Allmächtigen Baumeister" aller Welten".

Die Aufnahme von Littre fand interessanterweise in der Tagespresse eingehende Würdigung. Der "Temps" glorifizierte (damals noch) die Freimaurerei (s. auch About, Benoit).