Mithras-Kult

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Mithras-Kult

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

Mysterienkult, nach Dupuis um 4500 v. Chr. entstanden. Der stiertötende Mithras (auch Mithra, Mythras), heilbringender, die Sonne beherrschender Genius, der mächtigste der 28 Lichtgeister (Wächter des Glücks der Unschuld und der Erhaltung der Welt) der vornehmste Mittler zwischen Ormuzd (Oramazes), dem König des Lichts der zoroastrischen Religion und den Menschen.

Ursprünglich wurde Mithras als Sonnenheros verehrt, aber im Laufe der Zeit nahm er selbst göttliche Attribute an und wurde in der Vorstellung der Gläaubigen zur Sonne selbst. (Der persische Mithras darf nicht mit dem indischen Mithras verwechselt werden, der schon seit ältester Zeit Gegenstand eines eigenen Geheimkults war und den Eingeweihten als Sonne galt [Ürrind]).

Mithraismus

Der Mithraismus gilt als der umfassendste Versuch des Altertums, die Vorgänge am Himmel in einem großartigen religiösen Symbolismus zusammenzufassen und in diesem die ewigen Geschehnisse der Natur dem Menschen in einer Weise nahezubringen, daß er schließlich von deren Wahrheit glaubig erfüllt sein mußte.

Wenn der Eingeweihte schließlich alle Grade des Heilswegs durchschritten hatte, wußte er am Himmel selbst die in ewiger Erneuerung wiederkehrenden Geschehnisse abzulesen, deren dauernder Gang ihm in den Mysterien verschleiert offenbart worden war. Dort oben war die Kunde vom Kampf, Selbstopfer, Tod, Überwindung des Todes und sieghafter Wiedergeburt des göttlichen Mittlers aufgezeichnet, und in jedem neuen Jahr sah er die mystischen Lehren von neuem am Himmel bestätigt.

Mysterienreligion

Die Mithras-Denkmäler, Altare des Mithras, zeigen neben diesem u.a Darstellungen des Sonnenballs, der Keule und des von Mithras besiegten Stieres, also die Sinnbilder der höchsten Wahrheit, der höchsten Schöpfertätigkeit und der höchsten Lebenskraft. Der Mithraskult, dem auch babylonische und hellenische Elemente eigneten, verbreitete sich durch die römischen Legionen schließlich über Italien, Gallien Germanien und Britannien, erfaßte als Mysterienreligion, der Tausende zuströmten, alle Teile des riesigen Reichs- Seine Heiligtümer befanden sich unter der Erde, in Felsenhöhlen oder in Grottenbauten (Krypten).

Sie enthielten u. a.— sehr viel weiß man nicht, das Geheimnis wurde in erstaunlicher Weise gewahrt— eine die sieben Planeten symbolisierende siebensprossige Leiter (s. d.), auf der man die Wohnsitze der Glückseligkeit" erklomm.

Einweihungsriten

Langwierige Einweihungsriten ähnelten denen der Magier. Nach schwierigen Prüfungen folgte auf die Reinigung und die Opferung von Brot und Wasser eine Art Krönung ("Mithras. ist meine Krone"). Der Kandidat mußte dann mit in Tiergestalt auftretenden, verkleideten Priestern kämpfen. Jeder der sieben Grade brachte neue, schwere Prüfungen: der in die Mysterien Einzuweihende wurde nacheinander zum Raben, Verborgenen, Soldaten, Löwen des Mithras, Perser Sonnenläufer. Dann erst war er für die letzten Erkenntnisse vorbereitet, konnte er als "Vater" das Licht, das Feuer der Liebe empfangen.

Wo immer die römischen Soldaten in den ersten Jahrhunderten der christlichen Ära hinkamen und Einheimische einweihten ließen sie, wenn sie weiterzogen, eine Gemeinde von Mithras-Verehrern zurück, die sich regelmäßig an der Kultstätte, dem Mithräum, versammelten, dessen Dunkel schon rein äußerlich andeutete in welcher Finsternis der Mensch wandelt, ehe ihm das Licht Mithras, des Sol invictus, der unbesieglichen Sonne wird.

Der Mithras-Kult in der Freimaurerei

Der Mithraismus wurde wiederholt mit freimaurerischen Gebräuchen in Zusammenhang gebracht. Daß hier höchstens eine Konvergenz der Formen, aber keine wirkliche, durch direkte Übertragung entstandene Ableitung möglich ist, braucht nicht bewiesen zu werden. Der Begründer der freimaurerischen Mithras-Legende ist ein Nichtfreimaurer, und zwar niemand geringerer als Ernest Renan, der 1880 in seinem "Marc Aurel" Zusammenhänge zu finden glaubte.

Siehe auch