Rezension: 7x7 Symbole der Freimaurer

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„Ein Brevier für aufgeklärte Menschen“

Gedruckt auf edlem Papier zeigt das Buch auf 49 Doppelseiten 49 Symbole - daher 7x7. Und die Botschaft jedes Symbols wird nicht etwa langatmig interpretiert, sondern mit nur wenigen Worten in Poesie übersetzt: auf der linken Hälfte der Doppelseite das Poetische - und rechts das Symbol. Von Rudi Rabe

Drei Väter hat das Buch: Oskar Stocker (Zeichnungen), Julian Janser (Holzschnitt) und Christian Sattlecker (Worte).
Das einleitende Vorwort verfasste der bekannte Wiener Kulturjournalist Heinz Sichrovsky. Darin beschreibt er die Bedeutung von Symbolen für die Freimaurerei wie folgt (Wiedergabe mit Erlaubnis des Autors):

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"Wodurch sich die Freimaurerei denn von Wohltätigkeits- und Geselligkeitsvereinen wie den Rotariern oder dem Lions Club unterscheide, wollen Außenstehende oft wissen. Nun wendet sich das vorliegende Büchlein zwar erkennbar nicht an Außen-, sondern an Innenstehende. Es enthüllt nichts, was Unbefugten nicht zugänglich sein soll. Aber es vertieft im meditativen Sinn, was im maurerischen Alltag oft seine Bedeutung zu verlieren droht: Das Ritual und seine Symbole mit ihrer Rückverfolgbarkeit bis in die Antike sind es, die der Freimaurerei das Unverwechselbare geben. Zu Bildern, Emblemen und Klopfrhythmen geschärft wurden sie erst später, als in den Dombauhütten der Gotik Architekten, Statiker und Bildhauer das urfreimaurerische Paradoxon in den Griff zu bekommen versuchten: Ihr Auftraggeber, die katholische Kirche, war Hauptverursacher des mittelalterlichen Dunkels, dessen Dogmen nur unter Lebensgefahr angezweifelt werden konnten. So gaben diese Künstler und Intellektuellen ihr besseres Wissen im Verborgenen, im Kreis ihrer Meister, Gesellen und Lehrlinge weiter. Man traf einander in den Hinterzimmern von Gasthäusern, und um Unbefugte fernzuhalten, legten die freestone masons Erkennungszeichen fest. Das griechische σύμβολον (symbolon, Erkennungszeichen) leitet sich von συμβάλλειν (symballein, zusammenfallen, zusammenfügen) ab. Womit der konspirative Ursprung der Symbole ausreichend festgestellt ist.

Über diese äußere Funktion hinausgehend, erfüllen die masonischen (das bedeutet: freimaurerischen) Symbole aber noch eine höhere, ordnende Aufgabe. Die freimaurerische Mythologie ist jung – die erste organisierte Großloge datiert vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Also bediente man sich aus dem unerschöpflichen Fundus der Weltreligionen und -mythen, um etwas Wertvolles, Eigenständiges zu formulieren. Das stabile, kompakte, dem Gründungsimpuls verpflichtete Fundament ist dabei der Bau des ersten Salomonischen Tempels etwa 950 v. Chr. Viele maurerische Symbole leiten sich von ihm ab: etwa Zirkel, Winkelmaß, Kelle und Maßstab oder das zweifarbige, Licht und Dunkel des Lebens bezeichnende musivische Pflaster. Im Wesentlichen geht es dabei um die Hebung des moralischen und intellektuellen Befunds jedes Einzelnen, erreichbar durch einen Vorgang permanenter Selbsterneuerung im Kreis Gleichgesinnter. Zwischen asiatischen Wiedergeburts- und europäischen Todes- und Auferstehungsmythen wurde dabei ein eigenständiger, dem aufklärerischen Gründungsgedanken verpflichteter Weg gewählt: Kernsymbole der Freimaurerei sind der raue und der behauene Stein, die statt zu esoterischer Selbstbeschau zu hartem, ehrlichem, lebenslangem Infragestellen seiner selbst mahnen. So und nicht anders ist auch der maurerische Weg vom Dunkel ins Licht zu verstehen.

Denn die Freimaurerei ist keine Religion und schon gar keine Sekte – sie gibt auch keine Jenseitsvorstellungen bekannt –, sondern ein Angebot zur Selbstreflexion. Sie beruft sich dabei auf Werte, Ängste und Sehnsüchte, die C. G. Jung unter dem bezeichnenden Titel „Der Mensch und seine Symbole“ systematisiert hat. Diese Archetypen des „kollektiven Unbewussten“ sind durch die Jahrtausende und Kulturkreise gewandert. Zum Beispiel der Kreislauf des Sterbens und Wiedererstehens: Er ist für das griechische Eleusis-Ritual ebenso essenziell wie für Goethes Gedicht „Selige Sehnsucht“, das sich auf den islamischen Dichter Hafis beruft, und für das Christentum. In einer Vielzahl an Symbolen, etwa der Rose, der Kornähre und der Akazie, behauptet er auch im freimaurerischen Ritual einen geräumigen Platz.

Die in ihrer Klarheit inspirierenden und erhellenden Zeichnungen für dieses Buch schuf Oskar Stocker, der meine eigenen freimaurerischen Fachbücher und, seit der Erstausstrahlung, mein Literaturmagazin „Erlesen“ im österreichischen Fernsehen begleitet. Sie vereinen sich ideal mit den meditativen Texten von Christian Sattlecker. Geglückt ist ein Brevier für aufgeklärte Menschen, denen es um den Blick hinter das Offensichtliche zu tun ist. Querverweise etwa zum Emblem der Rosenkreuzer führen kursorisch auch in die Welt der Hochgrade. Das Buch entstand in den Zeiten der Pandemie, als die Arbeit in den freimaurerischen Tempeln ruhen musste. Umso nachdrücklicher erinnert es daran, dass der Tempelbau zu jeder Zeit und an jedem Ort seiner nie erreichbaren Vollendung entgegenstrebt. Theoretisch und vor allem symbolisch, versteht sich."

Ein Buch für bibliophile Freimaurer oder für an der Freimaurerei Interessierte: nicht nur weil es 49 masonische Kleinode aus der Poesie und der bildenden Kunst zeigt, sondern auch weil es wegen seiner sorgfältigen Gestaltung und Herstellung selbst ein kleines Kunstwerk ist. Oder wie Heinz Sichrovsky im Vorwort schreibt: Es ist ein "Brevier für aufgeklärte Menschen".

Oskar Stocker - Julian Janser - Christian Sattlecker: 7x7 Symbole der Freimaurer - Edition Lapis im Verlag Innsalz, Munderfing, Österreich

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