Vereinigte fünf Logen
Autor: Philipp Gerlach
Die Vereinigten fünf Logen (kurz: V5) sind ein Zusammenschluss von fünf Logen in Hamburg, die zu den ältesten Logen in Deutschland zählten.
Übersicht
Zur V5 gehören folgende Logen (mit Gründungsjahr):
- Absalom zu den drei Nesseln (1737)
- St. Georg zur grünenden Fichte (1743)
- Emanuel zur Maienblume (1774)
- Ferdinande Caroline zu den drei Sternen (1776)
- Ferdinand zum Felsen (1787)
Zum Zeichen Ihrer Einigung tragen die fünf Logen ein gemeinsames Bijou.
Geschichte
Übersicht
Aufgrund der engen internationalen Handelsbeziehungen, insbesondere zum 'Mutterland' der modernen Freimaurerei, England, bot die freie Reichsstadt Hamburg einen idealen Nährboden für die Ausbreitung des Bundes in Deutschland. Bereits zwanzig Jahre nach der Gründung der Ersten Großloge von England (1717) fasste die Freimaurerei hier Fuß. Am 6. Dezember 1737 wurde in der Hamburger 'Tabagie d’Angleterre' die erste Loge auf deutschem Boden gegründet. Auf diese beruft sich die Loge Absalom zu den drei Nesseln bis heute. Es folgte eine rasche Ausbreitung und weitere Gründungen namhafter Bauhütten:
- 1743: St. Georg zur grünenden Fichte
- 1774: Emanuel zur Maienblume
- 1776: Ferdinande Caroline zu den drei Sternen
- 1787: Ferdinand zum Felsen
In der Frühzeit orientierten sich die Hamburger Logen rituell an den sogenannten Moderns der Londoner Großloge. Im Laufe des 18. Jahrhunderts parallel die Schwedische Lehrart praktiziert. Die vereinigten Logen unterstellten ('rektifizierten') sich jedoch der Strikten Observanz.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Kritik an diesen System zur Schröderschen Reform: Friedrich Ludwig Schröder führte die Logen zurück zu den schlichten, ursprünglichen Ritualen der englischen Frühzeit.
Das stetige Wachstum der Hamburger Bruderschaft gipfelte im Jahr 1800 im Bau des ersten deutschen Logenhauses an der Drehbahn (siehe hierzu: Geschichte des Logenhauses Welckerstraße).
Infolge der Hamburger Franzosenzeit und der damit verbundenen politischen Instabilität gründeten die damals vier Hamburger Logen im Jahr 1811 die Große Loge von Hamburg, um ihre Unabhängigkeit gegenüber dem französischen Grand Orient de France zu wahren.
Nach den Verfolgungen und der „Lichtauslöschung“ während der nationalsozialistischen Diktatur nahmen die Logen nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit wieder auf. Heute gehören alle fünf Traditionslogen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD) an.
Die sogenannten „Vereinigten fünf Hamburgischen Logen“ (V5) arbeiten einheitlich nach der Schröderschen Lehrart. Sie sind gemeinsame Eigentümer und Betreiber des Logenhauses in der Welckerstraße 8, einem von heute drei Logenhäusern in Hamburg.
Sieveking und die Reformbestrebungen in Hamburg
Im Jahr 1789 wurde Georg Heinrich Sieveking zum Stuhlmeister der Loge St. Georg gewählt. Unter dem Eindruck der Französischen Revolution versuchte er, die Freimaurerei nach den Idealen der Aufklärung neu zu gestalten. Bereits seine Wahl zum MvSt war ungewöhnlich: Nachdem er seine Reformgedanken erläutert hatte, knüpfte er die Annahme des Amtes an die Bedingung, dass mindestens 75 % der Brüder ihm per Ballotage zustimmen müssten. Er erhielt schließlich 12 weiße und 2 schwarze Kugeln.
Sieveking war eine zentrale Figur des Hamburger Geisteslebens. Er stammte aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie und war Mitglied der exklusiven Montagsgesellschaft, der nur zwölf Mitglieder angehörten, darunter der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock. Bereits 1786 hatte er gemeinsam mit dem Domherrn Lorenz Meyer nach englischem und schweizerischem Vorbild eine „Spar- und Vorschusskasse für Fabrikarbeiter und Handwerker“ ins Leben gerufen – ein frühes Beispiel für soziales Engagement der Freimaurerei.
Konflikt um das Ritual
Als junger Stuhlmeister, getragen von der Euphorie über das Ende des Absolutismus, schlug Georg Heinrich Sieveking vor, das traditionelle, englische Ritual weitgehend aufzugeben. An die Stelle der symbolischen Arbeit sollten „Aussprachen über Freiheit und Gleichheit treten, damit die Vernunft inthronisiert werde“. Er ging so weit, die überlieferten Symbole, die „Hieroglyphen“, Gebräuche und den Eid als „Possen“ zu bezeichnen.
Dieser radikale Kurs stieß auf den entschiedenen Widerstand von Friedrich Ludwig Schröder, dem damaligen Stuhlmeister der Loge Emanuel zur Maienblume. In mehreren Rededuellen verteidigte Schröder den Eigenwert der freimaurerischen Symbolik. Er argumentierte, dass die Symbole den eigentlichen Stoff bildeten, „aus dem die große Bruderkette geschmiedet würde“. Schröder setzte sich schließlich durch; Sieveking legte am 10. April 1790 den Hammer der Loge St. Georg nieder.
Die „Schrödersche Reform“ und die Große Loge von Hamburg
Während Sieveking das Ritual abschaffen wollte, verfolgte die Altschottische Loge unter dem Obermeister v. Exter zeitgleich das Ziel, die Hochgrade der Strikten Observanz wiederzubeleben. Friedrich Ludwig Schröder sah darin die Notwendigkeit für einen „dritten Weg“: Er wollte die Rituale auf ihr ursprüngliches, nüchternes Maß zurückführen und sowohl die „Bilderstürmerei“ der Rationalisten als auch das mystische Ritterwesen zurückdrängen.
Schröder orientierte sich dabei an den alten englischen Konstitutionsbüchern und schuf die Schrödersche Lehrart. Diese zeichnete sich durch Schlichtheit und die Ablehnung konfessioneller Beschränkungen aus. Sogar Johann Gottfried Herder lobte diesen Ansatz:
„Mit welch schöner Art können wir uns, dem Ritual treubleibend, von allen metaphysisch-allegorischen Deuteleien entfernt halten...“
Die Zeit der französischen Besatzung
Im Jahr 1811 ergriff Schröder die Initiative zur Gründung der Großen Loge von Hamburg. Hintergrund war die politische Lage während der Hamburger Franzosenzeit (Hamburg war seit 1806 besetzt). Der französische Einfluss zielte darauf ab, die traditionellen Bindungen der Hamburger Logen zur Großloge von England zu lösen und sie dem Grand Orient de France unterzuordnen. Geplant war die Einsetzung einer „Grande Loge Provinciale Hanseatique“. Durch die Gründung einer eigenen, unabhängigen Großloge bewahrten die Hamburger Maurer ihre Souveränität.
