Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei

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Die drei kleinen Lichter sind Teil der Lichter-Symbolik der Freimaurerei. Sie werden von den drei großen Lichtern unterschieden (Bibel, Winkelmaß und Zirkel), die die ethischen Grundlagen der Freimaurerei repräsentieren. Im Gegensatz zu diesen haben die drei mehrere Bedeutungen.[1]

Symbolik

Es gibt mindestens zwei Zuordnungen der drei kleinen Lichter:

Beide Lesarten schließen sich nicht wechselseitig aus und können sich ergänzen. Im Folgenden werden sie separat erläutert.

Weisheit, Stärke, Schönheit

Besonders in deutschen Logen ist das Öffnen und Schließen der Loge von einer Reihe symbolischer Gebräuche begleitet. So auch das rituelle Entzünden und spätere Löschen der drei Kerzen auf den drei Säulen im Zentrum der Loge. Der Akt des Entzündens und Löschens wird von Sinnsprüchen begleitet.[2] Die Lichter werden dabei explizit als Weisheit, Schönheit und Stärke genannt, jeweils einem hammerführenden Beamten zugeordnet und entsprechen häufig unterschiedlichen, klassischen Säulenordnungen:[3].

Weisheit, Stärke, Schönheit sind eigentlich nur einige von mehreren Idealen bzw. Tugenden der Freimaurer (neben z.B. Brüderlichkeit, Toleranz und tätiger Menschenliebe).

Die Sonne, der Mond und der Meister

Eine alternative Assoziation der drei kleinen Lichter sind Sonne, Mond und Meister. (Gemeint ist der Meister vom Stuhl, nicht der Meistergrad.)

Die Sonne

Die Sonne regiert den Tag. Sie spendet das Licht, das für das Leben und die Arbeit notwendig ist. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben. [3]

Die Mond

Der Mond regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der Symbolik wird der Mond oft als das Reflektierende gesehen, das das Licht der Sonne widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.[3]

Der Meister

So wie die Sonne den Tag und der Mond die Nacht regiert, so regiert der Meister die Loge. Er soll die Brüder erleuchten (ihnen Wissen und Weisheit vermitteln) sowie über die Einhaltung der Ordnung der Loge wachen.[3]

In einigen Lehrarten werden Sonne, Mond als Bilder, links und rechts vom Meister im Osten angeordnet. [4]

Interpretation von Philipp Gerlach

Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben (Sonne) und Nehmen (Mond) um keine Wertung. Das Passive wird nicht minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, Sonne und Mond, als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden.

Die Auflistung des Meisters an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von Sonne und Mond. Man kann die Nennung des Meisters jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der Meister die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er braucht kein entweder oder, kein entweder Gefühl oder Verstand. Der Meister kennt Maß und Mitte. Er weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so zur harmonischen Lebensführung.

Uneinheitlichkeiten

Die drei kleinen Lichter als Sonne, Mond und flammender Stern auf einem Arbeitsteppich von Holger Ullmann

Nicht in allen Lehrarten wird der Meister vom Stuhl als drittes Licht genannt. In 3WK werden beispielsweise statt des Meisters Sterne gelistet. Auf einigen Arbeitsteppichen (z.B. nach AFuAM) befinden sich zudem, neben Sonne und Mond auch 3x3 Sterne und/oder der flammende Stern.[5]

Siehe auch

Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen Lichter daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der Freimaurerei besonders ausgeprägt ist.[6] Siehe dazu:

Anmerkungen

  1. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Licht. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  2. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Öffnen und Schließen der Loge. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 AFuAM (2011): Lehrlings-Ritual der Großloge
der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Bauhütten-Verlag.
  4. Eine Ausnahme bildet das in Deutschland unübliche Ritual I bis III des AASR
  5. Dennoch nennt der Ritualtext von AFuAM den Meister vom Stuhl als 3. kleines Licht.
  6. Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit der Drei ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch Rituale und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.