Erich Hein

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Der F.z.a.S. in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

von Dr. Erich Hein


Beilage zur Nr. 7 der Sonnenstrahlen vom 1. April 1908


Es hat wohl niemals eine religiösere Zeit gegeben als die Gegenwart, die Zeit der „Modernisten“ und der Enzyklika. Der Kampf zwischen den altüberlieferten kirchlichen Dogmen und den Ergebnissen der Wissenschaft und der freien Forschung ist entbrannt und kein gebildeter Mensch kann ihm interessenlos gegenüber stehen. Auf der einen Seite der Orthodoxie, an ihrer Sitze der Ultramontanismus, Rom mit deinen Heerscharen, der Papst mit deinen Bannflüchen, seinem Spionage-System und deinen Ketzergerichten. Auf der anderen Seite der Atheismus, der Pantheismus, der Monismus und dazwischen der sogenannte protestantische Liberalismus und der katholische Modernismus. Niemals sind auch religiöse Streitfragen mit einer größeren Schärfe behandelt worden als es in unserer Zeit geschieht.

Je schärfer aber dieser Kampf in der Öffentlichkeit geführt wird, umso größer wird die Zahl derjenigen, welche sich aus irgend welchen Rücksichten an diesem öffentlichen Kampf nicht beteiligen können, und je weniger der Einzelne in der Öffentlichkeit Stellung nehmen kann; umso notwendiger ist eine Organisation, welche es ihm ermöglicht im Verkehr mit Gleichgesinnten seine Ansichten austauschen, seine Zweifel beseitigen, seine Meinung befestigen zu können.

Aus diesem Milieu und aus diesen Erwägungen heraus entstand der „F.z.a.S“. Seine Entstehung ist also nicht das willkürliche Werk eines Einzelnen, wenn auch ein Einzelner naturgemäß den Anstoß geben musste, der Gedanke lag in der Luft, er brauchte nur von einer Seite ausgesprochen werden, um zur Tat reifen zu können. Wohl glaubten manche Gesinnungsfreunde bisher in den alten Logen eine Zufluchtsstätte zu finden. Aber die alten Logen – Wenigstens in Deutschland – welche alle mehr oder weniger auf dem dualistischen Bibelglauben basieren, haben die Zeichen der Zeit nicht genügend beachtet, dadurch waren sie den Aufgaben der Neuzeit nicht mehr gewachsen, sie wurden von der Zeit überholt und gerieten in die Rolle des „Landsturm“. Wohl fehlt es ihnen nicht an Ansätzen zur Besserung, an sogenannten „Reformen“ aber diese sind nur Flick- und Stückwerk und jede Loge welche einen energischen Vorstoß wagen würde, hätte jedenfalls dieselbe Behandlung zu erwarten, welche man dem früheren Großmeister der Großloge Hamburg zu Teil werden ließ, als er verlangte, dass die Bibel aus den Logen entfernt werden solle. Wenn aber die Loge religiös neutral sein soll, so darf man auch nicht das heilige Buch einer einzigen Religionsgemeinschaft auslegen und als „das größte Licht“ bezeichnen. Es bestehen zwar einige süddeutsche Logen des alten Systems, welche die Bibel entfernt haben. Dem Deutschen Großlogenbund, welchem die Mutterloge dieser „Renegaten“ angehört, hat man aber wohl noch keine offizielle Mitteilung davon gemacht. Da diesem offiziell also nichts davon bekannt ist, so hat er auch noch keine Stellung dazu genommen, sonst hätte jedenfalls der ohnehin nur dem Schein nach existierende Deutsche Großlogenbund den letzten Riss erhalten.

Als im Winter 1905 auf 1906 in den „Freien Glocken“ die Anregung zur Vereinigung von religiös-freidenkenden Männern in Form von Logen gegeben wurde, da meldeten sich Herren aus dem In- und Ausland, aus Europa, aus Afrika und aus Asien welche den Gedanken freudig begrüßten und ihre Hilfe bereitwillig anboten. Da der Gedanke von Nürnberg ausgegangen war, so wurde hiesigen Freunden der Sache mit der Erledigung der Vorarbeiten beauftragt.

Vier Herren waren es, welche die Grundlagen und Satzungen provisorisch ausarbeiteten und dieselben nun wiederum in die Öffentlichkeit brachten. Hierdurch vergrößerte sich die Zahl der Gründer immer mehr, bis dann im Juli 1907 die eigentliche erste konstituierende Versammlung in Frankfurt a. M. stattfinden konnte. Daselbst waren 35 Herren teil persönlich, teils durch bevollmächtigte vertreten, es wurden Grundsätze und Satzungen durchberaten und ein definitiver Vorstand gewählt. Allerdings musste sich die ganze Sache hier eine kleine Häutung gefallen lassen und aus der bisherigen „Deutschen Freidenkerloge“ entpuppte sich der „F.z.a.S.“. Die Gründe dieser Wandlung waren eigentlich rein taktischer Natur: Man machte von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam, dass der Bund als „Freimaurerloge“ weniger Anfeindungen ausgesetzt sei und sich ruhiger entwickeln könne, denn als „Freidenkerloge“. Den Prinzipien des Bundes widersprach auch der Name in keiner Weise, denn auch die alten Freimaurerlogen waren früher eine Sammelstätte freier Geister und erst später, mit dem Ritterunwesen, kam die Frömmelei in die Logen.

Wir rechnen im Voraus damit, dass durch die Namensänderung diejenigen Mitglieder, welche sowohl unserem Bund als auch alten Logen angehörten, vor die Alternative gestellt würden, entweder hüben oder drüben zu decken. Dies ist denn auch geschehen und wir hatten den Verlust unserer ostindischen Brüder zu beklagen, die natürlich dort an den alten Logen ein größeres persönliches Interesse hatten, als an unserer hiesigen jungen Organisation. Wir haben den kleinen Verlust verschmerzt und umso energischer weiter gearbeitet.

Unmittelbar nach dem Logentag, im August v. J., konnten wir vier Landeslogen konstituieren: Bayern mit Sitz in Nürnberg, Hessen mit Sitz in Mainz, Sachsen mit Sitz in Chemnitz und die Schweiz mit Basel als Sitz. Noch vor dem Jahresschluss konnten wir drei weitere Gründungen vornehmen: Südbayern mit München, Baden mit Sitz in Karlsruhe und Hessen-Nassau mit Frankfurt a. M. und im Augenblick sind die Bbr. in Rheinland, Brandenburg sowie Österreich daran Logen in Köln, Berlin resp. Wien zu organisieren, während in Würzburg, Duisburg, Bremen, Bochum, Essen, Erfurt, Fulda, Mannheim, Leipzig, Hamburg, Hannover und Stuttgart sogenannte Klubs oder Kränzchen in Bildung begriffen sind.

Überall, soweit die deutsche Zunge klingt, sind treue Bbr. an der Arbeit zum Wohle des Ganzen. Die Zahl der auf dem Sekretariat ein- und ausgehenden Postsendungen beträgt z.Zt. monatlich annährend zweitausend und die Zeit ist voraus zu sehen, in der wir in allen deutschen Städten eigene Logen haben. Einzelbrüder haben wir als Vertrauensmänner des Bundes bereits an 85 Plätze des In- und Auslandes. Die Bibliothek der einzelnen Bundes-Logen wachsen an den uns zugehenden Berichten ebenfalls allenthalben in flottem Tempo. Überall ein freudiges Arbeiten mit dem Bewusstsein, an einem großen Werke mit idealem Ziele zu schaffen, an einem Werk, das nicht nur uns und unseren Angehörigen, sondern dereinst der ganzen Menschheit zu Gute kommen soll, indem es sie befreien hilft aus blindem Wahn, aus römischer Geistesknechtschaft und kirchlicher Bevormundung. Die Übersetzung unserer Druckschriften in die englische und französische Sprache ist bereits begonnen und wird demnächst vollendet werden. Dann werden vorerst in allen englisch und französisch sprechenden Ländern und Kolonien und später in allen Kulturstaaten der Welt Konsulate erreichtet, welche den Verkehr mit der Zentrale vermitteln sollen. Überall, wo Rom seinen Fuß hinsetzt, um die Völker in seine Gewalt und seine Herrschaft zu bekommen, da wollen wir auch am Platze sein, um die geistig Blinden dem Licht der Wahrheit entgegen zu führen.

Der Logentag 1908, der in Juli in Nürnberg stattfindet, soll unserem Bunde eine weitere Stärkung und Festigung bedeuten. So ist neben der Regelung der Zeitungsfrage die Schaffung einer humanitären Einrichtung geplant, welche mit minimalen Kosten den Witwen und Waisen verstorbener Bbr. in der ersten Zeit mit materieller Hilfe zur Seite steht, bis andere Gelder flüssig gemacht oder eine andere Existenz geschaffen ist.

Daneben wollen wir pflegen und fördern: Freiheit des Geistes, eine Moral und Sittenlehre, welche sich nicht auf den Bibel- und Kirchenglauben stützt, sowie absolute Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und ihre Resultate. Als Mittel zum Zweck sollen dienen:

Unsere Bibliotheken
Unsere Logenarbeiten
Die Unterstützung ähnlicher Vereinigungen

Unsere Bibliotheken sollen vorwiegend naturwissenschaftliche Werke enthalten. Wie notwendig die Beschaffung derselben auf gemeinsame Kosten und ihre tunlichste Verbreitung ist, beweist wieder in lapidaren Zügen das Vorgehen des Liegnitzer Regierungspräsidenten der die Werke eines Ernst Haeckel, eines David Strauss, eines Darwin, eines Feuerbach u. A. aus den Volksbibliotheken entfernt haben will. „Dem Volk soll die Religion erhalten werden!“ Man verwechselt eben an gewissen Stellen „Religion“ mit dem frommen Kirchen- und Bibelglauben. Man ist der Meinung, durch den Letzteren könne man Sitte und Moral eines Volkes erhalten bzw. heben. Wie falsch diese Meinung ist, geht klar daraus hervor, dass nach allen Erfahrungen uns Statistiken die Zahl der Rohheitsdelikte und Sittlichkeitsverbrechen gerade in denjenigen Gegenden am größten ist, die den Ruhm haben, die „Frömmsten“ zu sein und dass die gemeinsten Verbrecher in der Regel noch bis zum Schafott die größte Frömmigkeit dokumentieren.

Wie traurig muss es um die innere Kraft des Kirchen- und Bibelglaubens bestellt sein, wenn derselbe durch polizeiliche Zwangsmaßregeln erhalten bleiben soll. Zweck haben diese Mittel und Mittelchen nicht. Die in den Volksbibliotheken verbotenen Bücher werden dann aus freien Bibliotheken umso eifriger gelesen. Eine Moral, welche nur auf dem Kirchen- und Bibelglauben aufgebaut ist, muss allerdings in die Brüche gehen, sobald der fromme Glaube schwindet, darum sollte diejenige Moral Gemeingut aller Menschen werden, die das Gute um den guten Willen vollbringt und nicht in der Hoffnung auf einen Lohn im Jenseits und die das Schlechte und Gemeine meidet, weil es schlecht und gemein ist, nicht aber aus Furcht vor Strafe.
Dies aber ist die Moral, welche unser Bund in seinem Ritual und seinen Logenarbeiten lehrt und allen Brüdern zur Pflicht macht.
Diese Logenarbeiten zerfallen in:

Rezeptions- oder Einführungslogen
Instruktions- oder Belehrungslogen
Fest- und Trauerlogen

Dazu unsere Gast- und Familienabende, unsere Vortrags- und Diskussionsabende. Sobald aber unsere eigene Organisation gefestigt ist, wollen wir alle gleichen oder ähnlichen Bestrebungen öffentlichen Charakters durch korporativen Beitritt, durch periodische oder regelmäßige Zuwendungen und durch Ankauf ihrer Broschüren in ganzen Auflagen unterstützen und so ihrem Kampf in der Öffentlichkeit ermöglichen und fördern.

Wie viel auf diesem Wege geleistet werden kann, beweist uns das Beispiel von Frankreich. Dort haben die Freimaurerlogen ihre Aufgabe richtig erfasst, dort haben sie im Geheimen in den Kampf zwischen Staat und Kirche mit aller Energie und Kraft eingegriffen und durch diese Mithilfe die Herkulesarbeit von Staat und Kirche zu Wege gebracht.

Wie weit man in Deutschland noch dagegen zurück ist, beweisen einerseits die alten deutschen Logen, die sich zum großen Teil als Schutzwehr der Kirche, als Bollwerk gegen den sogenannten „Unglauben“ betrachten. Es beweisen aber auch die Angriffe und die gehässige Haltung, die wir im Stadium unserer Gründung bei manchen sogenannten „Freidenkern“ konstatieren mussten. Es waren nicht nur die ultramontanen Zeitungen und Zeitschriften, die über uns herfielen, sondern es waren bedauerlicherweise auch Organe freiheitlicher Richtung. Die Zukunft mag sie lehren, wie unrichtig und kleinlich ihre Handlungsweise war. Uns hat sie nicht beirrt, wir haben bis hierher mutig und unerschrocken gekämpft und werden auch in Zukunft energisch weiterkämpfen. Die „aufgehende Sonne“ bringt uns dem Frühling entgegen, dem Frühling geistiger Freiheit, dem Auferstehungsfest der Menschheit, das sie befreien soll vom blinden Wahn und finsterem Hasse.

In den Menschen Brüder grüßen,
Brüderlich ihr leid versüßen,
Wie es unsre Kraft vermag;
Wird uns gleiches Streben einen,
Muss der Menschheit bald erscheinen
Wahrer Freiheit Ostertag!

Heinrich Loeberich

Siehe auch: Karl Heinrich Loeberich


1907 kam es zur Gründung des „Freimaurerbundes Zur aufgehenden Sonne", kurz FZAS genannt. Sein Begründer war der Nürnberger Kaufmann Heinrich Loeberich, ein Mann von hohen geistigen Gaben, der große organisatorische Talente besaß und über eine außerordentliche Willenskraft verfügte. Er war die treibende Kraft, die zur Gründung des neuen Bundes führte. Das maurerische Licht erblickte er 1899 in der Münchener Loge „Zur Leuchte", die unter der „Großen Freimaurerloge von Deutschland" arbeitete, und der er sechs Jahre bis 1905 angehörte. Er verließ Loge und Bund, weil sie ihm zu sehr an Gott und Bibel gebunden waren, und, festgelegt in alten und veralteten Traditionen einem starren Bibelglauben huldigten. Er sehnte sich nach einer Großloge, frei vom Bibelglauben und frommen Sprüchen, begründet auf freier monistischer Weltanschauung. Der Grundgedanke der Freimaurerei war für ihn: „Die Menschen aus den engen Fesseln der dogmatischen und konfessionellen Weltanschauung herauszuheben und sie auf den Boden des reinen Menschentums zu stellen." In der von ihm herausgegebenen monistischen Zeitschrift „Freie Glocken" veröffentlichte er 1905 unter seinem Pseudonym Dr. Erich Hein einen Aufsatz „Einiges über Freimaurerei". Diesem Aufsatz folgten Broschüren mit dem Titel: „Die Freimaurerei im Lichte der Wahrheit" und „Strebet nach Licht, ihr Blinden!".

Diese Schriften haben damals in den Reihen der Freimaurer großes Aufsehen gemacht und viel Unruhe hervorgerufen. Sie stießen auf heftigste Kritik. Immerhin hatten die Veröffentlichungen Erfolg, und es fanden sich eine Anzahl Gleichgesinnter zu einer ersten Besprechung zusammen, die im Jahre 1905 in Nürnberg stattfand. Nach einem von Loeberich vorgelegten Satzungsentwurf wurde die „Deutsche Freidenkerloge" gegründet. Damit war die Grundlage zur Gründung eines „Allgemeinen Freimaurerbundes auf monistischer Weltanschauung", wie es Loeberich vorschwebte, geschaffen.

Nun galt es, dem Bunde neue Mitglieder zuzuführen und durch Werbung für seine Ausbreitung zu sorgen. Das geschah in erster Linie durch Aufsätze und Inserate in der Zeitschrift „Freie Glocken". Diese Bemühungen blieben nicht ohne Erfolg. Während sich beim ersten Treffen im Jahre 1905 nur 19 Interessenten zusammenfanden, waren es auf der zum 27. Juli 1907 nach Frankfurt a. M. einberufenen Generalversammlung schon 127 Teilnehmer.

Nach einem von Loeberich entworfenen Ritual fand hier die feierliche Einführung aller Mitglieder in den I. Grad statt. Auf Antrag des Bruders Jacobi wurde der Name der Loge in „Freimaurerloge Zur Aufgehenden Sonne" geändert, eine von Bruder Rothe neu ausgearbeitete Satzung wurde angenommen und die Eintragung des Bundes in das Nürnberger Vereinsregister als „Freimaurerbund Zur Aufgehenden Sonne" beschlossen.

Damit war der FZAS konstitutiert.

Siehe auch

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