Geschichte der Freimaurerei im Baltikum

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Osvaldas Marcevicius: "Die Kraft der kleinen Völker"

Den folgende Text entnahmen wir 2021 dem Logenmagazin „Brückenschlag“ der Hamburger Loge „Die Brückenbauer“, die zur “Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“ gehört (siehe bei den Links unten). Dank ihrer Verdienste für den freimaurerischen Wiederaufbau in Litauen ist diese Loge zugleich eine Ehrenloge der „Großloge A.F.u.A.M. von Litauen“ (Matrikel 1). Wir danken den „Brückenbauern“ sowie dem Autor Osvaldas Marcevicius für die Genehmigung, eine leicht gekürzte Fassung des Brückenschlag-Textes hier wiedergeben zu dürfen. Für das Freimaurer-Wiki: Rudi Rabe

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➤ Estland

Die drei baltischen Staaten von oben nach unten: Estland - Lettland - Litauen; die Farben stehen für die jeweils wichtigste Farbe in den Nationalflaggen. Grafik: Blomsterhagens

Historisch gesehen entstand die Freimaurerei in Estland in den Jahren 1771 - 1773, als in Tallinn die freimaurerische Loge „Isis“ gegründet worden war. Die ersten Meister vom Stuhl waren Pfarrer Otto Wilhelm Masing und Musiker Karl Friedrich Melone.

Nachdem das zaristische Russland 1822 alle Freimaurerlogen verboten hatte, hörte die Freimaurerei auf zu existieren, außer kleinen Ausnahmen, die von Finnland aus am Leben gehalten wurden.

Es begann dann wieder nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. 1992 wurde die Freimaurerei in Estland mit der Gründung der Loge „Fööniks“ (Phoenix) wieder neu aufgebaut.

Fast sechs Jahre später, am 18. Mai 1999, wurde die Großloge Freier und Akzeptierter Freimaurer Estlands gegründet. Die Initiative der feierlichen Lichteinbringung gehörte der Großloge von Finnland. Ebenfalls wurde die gesamten Vorbereitungsarbeiten, wie Schulung der Großbeamten, Übersetzung der Rituale und Aufbau der Tempel von der Großloge von Finnland geleistet. Bei der Zeremonie waren Gäste von neun Großlogen aus der ganzen Welt anwesend, darunter die Vertreter der United Grand Lodge von England, der Grand Masonic Lodge von Irland und selbstverständlich der Vereinigte Großlogen von Deutschland.

Zur Zeit der Gründung der Großloge von Estland waren 109 Freimaurerbrüder in den Hütten. Am 25. Januar 2003 führte die Großloge schon selbständig Einweihungszeremonien der Hennes-Loge durch. Die erste Zeremonie der Einweihung des Tempels der Perona Lodge fand ein Jahr später im Kreis Pärnu statt.

Seit der Gründung der Großloge haben sich die freimaurerischen Forschungs- und Ritualschulungen intensiviert. Nur etwas mehr als drei Jahre nach der Gründung der Großloge - im Jahr 2002 - wurde die „Osiris“ Forschungsloge Nr. 7 gegründet, die seit diesem Jahr die landesweite Ausbildungs- und Fortbildungsseminare organisiert.

Vom 4. bis 6. Oktober 2007 fand in Tallinn das jährliche Treffen der europäischen Großsekretäre statt. Es war eine Veranstaltung mit hoher Verantwortung, deren Organisation durch diese junge Grand Lodge nicht als selbstverständlich angesehen werden sollte. Es waren 24 Grand Lodges vertreten und die Veranstaltung war ein voller Erfolg.

Die Zahl der Brüder ist seitdem ständig gestiegen, zuerst um etwa 10 % pro Jahr und in den späteren Jahren um 6 bis 8 % pro Jahr. Längerfristig positiv war zu vermerken, dass sich das Durchschnittsalter der Freimaurer in Estland nicht erhöht hat. Dies war ein klares Zeichen für die Nachhaltigkeit der Estnischen Freimaurerei.

Die geplante Einrichtung des Royal Arch Grand Chapter im Februar und April des Jahres 2008 führte zu einer Modernisierung der Verwaltungsverfahren der Großloge. Die Aktualisierung und Vereinheitlichung der Statuten aller Einheiten wurde zu einem sehr umfangreichen Werk.

September 2021: Zurzeit arbeiten in Estland achtzehn Logen, in den Städten Tallinn, Tartu, Pärnu, Haapsalu, Viljandi und Rakvere. Die Mitgliedschaft beträgt über 500 Brüder.

➤ Lettland

Die Freimaurertradition in Lettland wie in ganzem Baltikum wuchs unter dem vielfältigen Einfluss der deutschen, schwedischen, russischen und englischen Freimaurerei.

Im 18. und 19. Jahrhundert war die Freimaurerei von Zeit zu Zeit sehr aktiv in Riga, Jelgava (Mitau) und Liepäja (Libau); das ist die Gegend, die heute als Lettland bekannt ist.

Die älteste Loge „Zum Nordstem“ wurde 1750 gegründet. 1765 wurde die Loge in „Zum Schwerdt“ umbenannt und zur Strict Observance überführt. Der weltberühmte Philosoph Johann Gottfried Herder wurde 1766 in der Loge „Zum Schwerdt“ aufgenommen.

Die wichtigsten Logen in Riga waren: „Zum Schwerdt“, „Apollo“, „Castor“, „Konstantin zum gekrönten Adler“, „Zur kleinen Welt“ und „Astraea“. Die Loge „Apollo“ und die Loge „Castor“, beide Mitgliedslogen der Großloge von Berlin, wurden 1773 bzw. 1777 freimaurerisch eingeweiht.

Die Loge „Konstantin zum gekrönten Adler“ gehörte zur russischen Landesloge in Moskau, aber die Loge „Zur kleinen Welt“ gehörte zum schwedischen System. Letztere wurde im Jahre 1809 umbenannt zu „Euphonie“ und sollte bis 1914 überleben. Die „Astraea“ Loge wurde von der englischen Provinzialgroßloge in St. Petersburg mit englischer Registernummer 504, 1 787 gegründet.

Die Schaffung einer kostenlosen Schule für arme Kinder und Waisen, die Einrichtung des ersten Theaters und die Herausgabe einer Zeitung wurden dank dieser Logengruppe erreicht. Die Archive in Riga enthalten einige Dokumente über diese Logen, insbesondere Schriften von Herder, die eine Initiation beschreiben.

In der Hauptstadt des Herzogtums Kurland, Mitau (Jelgava), entwickelte Graf A. Cagliostro eine vielfaltige Freimaurer-Tätigkeit. Während seiner Zeit gab es in Mitau im Jahre 1754 zwei Logen, nämlich „Drei gekrönte Herzen“ und „Drei gekrönte Schwerter“. Letztere überlebte alle anderen Logen in Livland und Kurland unter dem deutschen Namen „Zu den drei gekrönten Schweden“. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete in Lettland die deutsche Militärloge „Zum deutschen Schwert im Osten“.

1780 wurde eine neue Loge im Hafen von Libau (Liepäja) von Großmeister Ivan Yelaguin im Namen der englischen Provinzialloge von Russland errichtet und als Nr. 524 bei der Grand Lodge of England registriert. Fast 100 Jahre nach der Schließung dieser Logen wurde am 28. Oktober 1916 in Libau die Militärloge „Anker und Schwert“ gegründet, die 1919 von der Großen Loge Preußens „Zur Freundschaft“ in Libau umgebaut wurde. Aufgrund politischer Veränderungen musste die Loge am 6. April 1921 aufgelöst werden, wurde dann aber am selben Tag, wie die erste unabhängige lettische Johannisloge unter dem Namen „Enkurs“ (Anker) wieder aufgebaut.

Im Jahr 1924 wurde in Riga die zweite Loge in der Republik Lettland unter dem Namen „Jāņuguns“ gegründet. Die Lodge wurde nach dem Schutzpatron St. Johannes benannt, in Anbetracht der tiefen Bedeutung des St. Johannes Festivals und des Johannisfeuers in Lettland („Jāņuguns“ auf Lettisch). Zu Beginn gehörte sie der Großen Landesloge der Freimaurer Deutschlands (GLLdFvD Register Nr. 220)an.

Im Jahre 1926 wurden Vertreter der Loge von dem Großmeister der Großloge von Schweden, Seine Majestät König Gustav V., in dem Rathaus in Riga empfangen. Beide lettischen Logen wurden kurz vor der Besetzung des unabhängigen Lettland durch sowjetische Truppen im Jahr 1940 und später durch Nazi-deutsche Kräfte im Jahr 1941 geschlossen. Während der Nachkriegszeit waren alle Freimaurer-Aktivitäten in Lettland durch die Herrschaft der kommunistischen Partei streng verboten.

Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit im Jahr 1991 wurde die Freimaurerei in Lettland allmählich wiederbelebt. Erste Brüder wurden 1993 aufgenommen, und die erste lettische Nachkriegsloge „Jāņuguns“ wurde im Mai 1996 als reguläre und vollständige Loge (Register Nr.1010) von der zu Bremen gehörenden Loge „Roland zu den Alten Pflichten“ reaktiviert und von den „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ eingeweiht.

September 2021: Die zweite lettische Nachkriegs-Loge „Ziemelzvaigzne“ (Nordstern) wurde im November 2001 gegründet, 2002 reaktiviert (Register Nr. 1027), und die dritte Lodge „Pie Zobena“ (Zum Schwerdt) wurde von der Lodge „Zum Füllhorn“ von Lübeck im Oktober 2002 eingeweiht. Die Großloge von Lettland wurde am 8. März 2003 im Schloss Mesothen (lettisch Mežotnes pils) durch die Vereinigten Großlogen von Deutschland eingesetzt.

➤ Litauen

Chronologisch kann man die Aktivitäten der litauischen Maurer in drei völlig verschiedene Perioden teilen:

  1. Der Anfang (1776-1822). Vom 18. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts;
  2. Das 20. Jahrhundert. Die erste Hälfte (1910 bis 1940) und
  3. Das Ende des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts.

Sie alle beziehen sich auf die Wiederherstellung oder Stärkung des litauischen Staates. Als die litauische Staatlichkeit in Gefahr war, war auch die litauischen Freimaurerei bedroht. Der Verlust der Staatlichkeit führte zum Verlust der Freimaurerei in Litauen, was mit Verlust ihrer Fähigkeit verbunden war, in ihrem Land weiter zu arbeiten.

Am Anfang muss man besonders die etwas andere Art und Weise der Entwicklung der Freimaurerei in der Klaipėda Region (Memelgebiet) im allgemeinen im sogenannten Kleinlitauen, damals Ostpreußen, hervorheben.

Die Logen wurden hier unter der Leitung der Großloge von Berlin gegründet und geführt, denn sie gehörten der Deutschen Union of Lights an. Diese Logen, im Gegensatz zu den Logen in Litauen, waren nicht der Unterdrückung und Verfolgung des zaristischen Russlands ausgesetzt und überlebten am längsten, vom achtzehnten Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Am 23. Februar 1776 wurde nach der Verfassung der Großloge von Berlin „Zu den drei Weltkugeln“, die erste Loge im Memelgebiet - Klaipėda, die Loge Memphis, gegründet. Gründungsmitglieder waren Händler und Industrielle: Johann Simpson, sein Cousin Louis Simpson, dessen Schwager Christian Reifenbach, Vermieter von Mirbach, Vizebürgermeister Hoffman, der englische Handelskonsul und Kaufmann Karketelis. Die Gründung der Loge fand im Haus vom Kaufmann von Bowlor statt; später machte der Kaufmann Schwarzhoff sein Grundstück auf der Linden-Straße zur Schenkung, auf diesem später das Logenhaus gebaut wurde.

Die Loge „Memphis“, wie auch andere Logen in Kleinlitauen, die der deutschen Großloge angehörten, arbeiteten in deutscher Sprache. Die Freimaurer in Klaipėda kümmerten sich weniger nur um die moralische Erziehung ihrer Mitglieder, um gegenseitige Hilfe oder Wohltätigkeit, sondern nahmen aktiv am kulturellen Leben der Stadt teil.

Am 14. September 1903 wurde in Klaipėda die erste Lodge des Schottischen Ritus „Aurora Weisheitstempel“ (Aurora zum Tempel der Weisheit) gegründet. Ab dem Jahr 1789 siedelte für kurze Zeit die Loge „Irene“ von Liepāja (Libau) nach Klaipėda über. 1824 wurde die Loge „Irene“ nach Tilsit verlegt, wo seit 1799 die Loge „Louise zum aufrichtigen Herzen“ arbeitete, da die russische Regierung auf dem Territorium des russischen Reiches die Tätigkeit der Freimaurer verboten hatte. Neben diesen beiden Logen in Tilsit arbeiteten noch zwei weitere Logen im Schottischen Ritus.

Obwohl Klaipėda im Jahr 1923 von der Region Litauen angeschlossen wurde, setzten die Logen ihre Arbeiten bis zu ihrer Schließung im Juli 1935 fort, als das nationalsozialistische Deutschland alle Freimaurerlogen verbieten ließ.

Aus „Brückenschlag“ vom Oktober 2021: Weitere Details über die Entwicklung in Litauen

Der Beginn der Freimaurerbewegung im Großherzogtum Litauen war eng mit der Entwicklung in der damaligen Republik der zwei Nationen Rzeczpospolita (res publica) verbunden. Die ersten Freimaurer des Großfürstentums Litauen waren ausschließlich Vertreter der Aristokratie (Radziwill, Oginski, Sapiega), die im 18. Jahrhundert den Reihen der freien Maurer von Warschau beitraten. Besonders in der Zeit der Regierung der deutschsächsischen Dynastie verbreitete sich die Freimaurerbewegung in Litauen und Polen sehr großflächig.

Wie Beobachter dieser Zeit bemerkten, konkurrierten damals Frankreich und Deutschland um den Einfluss auf Polen und die Republik Litauen. Deshalb war es auch kein Zufall, dass die offizielle Sprache in den Logen zu Beginn Deutsch oder Französisch war, wiewohl diese später jedoch durch die polnische Sprache ersetzt wurden.

Die ersten bekannten Freimaurer in Litauen waren Ignas Oginskis, Jurgis Vielhorskis, Karolis Radvila. Radvilla war Marschall des Großfürstentums Litauen, Vorsitzender des Seimas (das Parlament Litauens) und der Gouverneur von Vilnius.

Am 18. November 1776 wurde im Großherzogtum Litauen die erste Freimaurerische Organisation gegründet, die allerdings noch keine Loge in unserem Sinne war, „Die Ordensritter des heiligen Karl“ oder „St. Karol Reiter“, angeführt von Motiejus Zinevas. Am 17. März 1782 ging sie in die Loge „Zum Guten Hirten“ über. Da die Mitgliederzahl schnell zu groß geworden war, wurden zwei Jahre später aus dieser Loge drei Logen gemacht, nämlich „Guter Hirt“, „Tempel der Weisheit“ und „Tüchtiger Litauer“. Nachdem diese drei Loge gegründet worden waren, wurde es auch möglich, eine unabhängige Provinzialloge Litauens zu gründen, die das gesamte Gebiet des Großherzogtums umfasste und das Recht innehaben sollte, eigenständig Logen zu gründen und zu verwalten.

Am 27. Dezember 1781 wurde dann in Vilnius die Loge „Unter vollkommener Einheit“ (Union Parfait of Lithuanie) gegründet und der erste Provinzial- Großmeister, der Groß-Hetman GFvL Michael Oginsky, wurde aus Warschau zugeordnet. Dort arbeiteten insgesamt ca.120 Brüder zusammen.

Bis zum Jahre 1812 gab es dann noch die weiteren Logen „Sokrates Schule“, „Slavischer Adler“, Einheitsknoten“ und „Freunde der Menschheit“ „Palemonas“.

Nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 demonstrierte Zar Alexander I. in der Innenpolitik seine liberalen Ansichten, aber bald verschärfte er seine Politik und entschloss sich, das Regime zu stärken. Keine Ausnahme war seine Politik in Bezug auf die Freizügigkeit der Freimaurer. Durch die rasche Verbreitung der freimaurerischen Ideen in der Gesellschaft drohte dem Zaren, die Kontrolle über die Gesellschaft, vor allem in den westlichen Provinzen (das ehemalige Gebiet des Großfürstentums Litauen) und Polen zu verlieren. Schließlich entschloss sich Zar Alexander I. gegen die Freimaurerorganisationen vorzugehen. Formal wurde die Beschwerde eines ehemaligen Vilniuser Freimaurers, Stanislav Mickanievsky genutzt, der sich über die ehemaligen Brüder beschwerte. Die zaristische Verwaltung reagierte sofort. Am 25. September 1821 ordnete der Großfürst Konstantin (Bruder des Zaren Alexander I., der eigentliche Herrscher von Polen) den Logen des Großen Nationalostens in Warschau an, alle Arbeiten am 1. Oktober, in der Provinzloge bis zum 15. Oktober, einzustellen. Am 13. Oktober 1821 fand die letzte Logenarbeit der Vilnius Loge „Uolusis Lietuvis“ der fleißige Litauer statt. Damit wurde die Entwicklung der Freimaurerei in Litauen für viele Jahre offiziell abgebrochen.

Erst im 20. Jahrhundert wurden die Aktivitäten der Freimaurer in Litauen wiederbelebt. Anfang 1910 wurde in Vilnius die Loge „Vienybe“, „Einheit“ gegründet, die die multiethnische Stadtintelligenz verbinden sollte. Als die Anzahl der Mitglieder dieser Loge im Jahre 1911 zunahm, wurde die Loge „Lietuva“ gegründet und im Jahre 1914 die Loge „Gudia“. Diese Logen repräsentierten verschiedene Berufe, soziale Schichten und Völker. Die Mitglieder der Logen waren bekannte Bewohner von Vilnius, wie Michael Römer, Michael und Vaclovas Biräiska, Felix Bugailiskis, Louis Carkovskis, Alexander Zostauto, Ivan und Anton Luckevich und andere.

Während der Ersten Weltkrieges, am 26. April 1916, wurde in Vilnius eine Militärfeldloge „Wilna zum flammenden Schwert“ gegründet, die der Großloge in Berlin „Zu den drei Weltkugeln“ unterstellt war. Im Februar 1916 wurde in Kaunas eine andere Militär- Feldloge „Deutsche Wacht an der Memel“ gegründet.

1918: Nach den revolutionären Ausschreitungen in Deutschland und in den deutschen Truppen wurden diese Logen in kurzer Zeit aufgelöst. 1940: Nun verhinderten die sowjetische Besatzung und der begonnene Zweite Weltkrieg erneut die Ausbreitung der Freimaurerideen in Litauen.

Wiederaufbau nach der Wende:

Im Jahre 1989 reiste ein Freimaurer der Wiesbadener Loge „Plato zur beständigen Einheit“ nach Memel - dem heutigen Klaipėda -, aus dem seine Lebensgefährtin stammte. Diese wollte nach langen Jahren der Abwesenheit ihre Geburtsstadt wiedersehen. Bei dieser Gelegenheit besuchten die beiden auch das dortige Museum. Sie wurden dabei von einem Mitarbeiter des Museums geführt. So kamen sie zu einer Virtine, über deren Inhalt die Museumsleitung äußerte, dass man nicht wüßte, was die darin gezeigten Gegenstände bedeuteten. Einem Freimaurer war die Bedeutung jedoch klar. Es handelte sich um freimaurerische Bekleidungsgegenstände der einstigen Großloge von Russland. In der Folge wurden mehrere Litauische Bürger, die daran Interesse hatten, nach nach Wiesbaden zu weiteren Gesprächen eingeladen.

Seitens der Wiesbadener Loge wurde das Sekretariat der Vereinigten Großlogen von Deutschland in Berlin über die Begegnung informiert. Das Großsekretariat verständigte sodann den in Hamburg wohnenden Bruder Rolf Appel, der sich bereit zeigte, das Gespräch mit den Litauern zu beginnen.

Nach diesen ersten Begegnungen fand sich im Jahre 1991 dann in Vilnius eine Gruppe Gleichgesinnter zusammen, die sich einig waren, daß die Werte der Freimaurerei zum Wiederaufbau ihres Landes gehören müssten; diese gründeten daraufhin einen Logenverein, mit dem Namen „Renaissance“. Es ging weiter mit der Initiative, eine richtige Freimaurerei in Litauen aufzubauen. Am 15. April 1992 wurden dann in Hamburg von der Loge „Die Brückenbauer“ mehrere Litauer aufgenommen.

Nach ihrer Rückkehr begeisterten diese neu rezipierten Brüder ihre Freunde von der Idee der Freimaurerei, und dies trug bald Früchte. Sechs weiter Litauer reichten ebenfalls ihre Aufnahmegesuche in der Hamburger Loge ein. Bereits am 27. Juni 1992 wurden sie alle - nacheinander und dreisprachig – ebenfalls in die Freimaurerei aufgenommen. Nachdem es nun acht Freimaurer-Brüder in Litauen gab, wurde diesen das Ritual des 1. Grades mit der Aufforderung übergeben, dieses gemeinsam ins Litauische zu übersetzen, denn ehe diese Arbeit nicht abgeschlossen war, konnte es keine Beförderung in den II, Grad geben. Am 14. November 1992 war dies bereits soweit. Am 9. Mai 1993 wurden die Übersetzung der Rituale, der Satzung und anderer notwendiger Dokumente dann vom Rechtsausschuss der deutschen Großloge A.F.U.A.M. genehmigt. Damit waren alle Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Logeneinsetzung in Litauen gegeben.

Zum Ende des Sommers reisten zehn Brüder der Hamburger Loge „Die Brückenbauer“ nach Vilnius; ebenfalls einige Brüder der Wiesbadener Loge „Plato“. Auch ein Bruder aus England fand sich ein sowie vier weitere Brüder aus Hamburg.

Am 27. August 1993 sollte der historische Augenblick gekommen sein, dass in Vilnius zunächst der kleine aber ausreichende Tempel nach den rituellen Vorschriften geweiht werden konnte. Mit Genehmigung des Großmeisters in Deutschland nahm Bruder Rolf Appel die Einsetzung der Loge vor.

Die gesamte Arbeit wurde in Deutsch und Litauisch durchgeführt. Feierlich wurden der gewählte litauische Meister vom Stuhl sodann auch die übrigen Logenbeamten vereidigt. Das Patent der Vereinigten Großlogen von Deutschland wurde verlesen und überreicht, worauf die erste litauische Loge mit der Matrikelnummer 996 ihre Arbeit aufnahm.

Bald schon wurden zwei weitere Logen in Vilnius eingesetzt: am. 15. Juli 1995 die Loge „Vilnius Orient“ und am 22. Mai 1999 die Loge „Der fleißige Litauer“. Alle drei Logen wurden unter der Führung und Leitung der Vereinigten Großlogen von Deutschland eingesetzt.

Ein nächster wichtiger Schritt war die Lichteinbringung außerhalb von Vilnius. Am 15. Oktober 2005 wurde in Kaunas die Loge “Švento Jono“ eingesetzt. Dazu war der Großmeister der Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland, Br. Klaus Horneffer, erneut angereist, begleitet von anderen Großbeamten. Auch die „Brückenbauer“ waren durch mehrere Brüder vertreten. Ebenfalls Brüder weiterer deutschen Logen.

Die Einsetzung der Großloge A.F.u.A.M. von Litauen erfolgte am 12. April des Jahres 2002. Aus Hamburg flogen siebzehn Brüder nach Vilnius und jeweils ein Bruder aus Kiel, Stuttgart und Wiesbaden, der Großmeister Klaus Horneffer aus Ritterhude bei Bremen. Aus dem Ausland war der Großmeister der Großloge von Rußland mit acht Großbeamten erschienen, die Großmeister aus Bulgarien, Italien, Polen, Estland, Schweiz und Moldawien, sowie Vertreter aus den USA, Lettland, Türkei, Norwegen und sogar aus Australien.

Die wichtigste Nachricht wurde danach verkündet: dass die Hamburger Loge „Die Brückenbauer“ als Ehrenmitglied mit der Matrikelnummer Nr. 1 in die Großloge von Litauen aufgenommen wurde. Das ist bis jetzt die einzige Loge auf der Welt, die eine Mitgliedschaft von zwei Großlogen hat.

Seitdem sind wieder Jahre vergangen. 2021 hat Litauen neun reguläre Logen, in denen ca. 200 Brüder arbeiten: sechs Logen in Vilnius, darunter eine, die in Weißrussischer Sprache arbeitet, eine in Kaunas, eine in Klaipeda und eine in Palanga. Vor wenigen Jahren fand die Lichteinbringung einer neuen Loge in Siauliai statt

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