Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Autor: [[Philipp Gerlach]]''' | |||
Die drei kleinen [[Licht]]er sind ein zentraler Bestandteil der [[Licht]]symbolik in der [[Freimaurerei]]. Sie werden von [[Die drei großen Lichter der Freimaurerei|den drei großen Lichtern]] unterschieden, welche die ethischen Grundlagen des [[Freimaurerei|Bundes]] repräsentieren. Während [[die drei großen Lichter|die <i>großen</i> Lichter]] über eine klare Zuordnung verfügen ([[Bibel]], [[Winkelmaß]] und [[Zirkel]]), gibt es mehrere Entsprechungen der drei <i>kleinen</i> [[Licht]]er. <ref name="LPB-Licht" /> | |||
= | =Historische Entsprechungen= | ||
In den ältesten erhaltenen [[Verräterschriften|Ritualniederschriften]] ist nur von "drei [[Licht]]ern" die Rede, zunächst noch nicht von den <i>großen</i> oder <i>kleinen</i> [[Licht]]ern. Die Zuordnung der drei [[Licht]]er variierte zudem.<ref name="Carr"/> Zum Beispiel: | |||
* | *Im 'Edinburgh Register House Manuscript' (1696) stehen sie für den [[Meister]], den [[Aufseher]] und den [[Geselle]]n. | ||
*Im 'Sloane Manuscript' (~1700) stehen sie für die [[Sonne]], den [[Meister]] und das [[Winkelmaß]]. | |||
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Auch heutzutage existieren in der freimaurerischen [[Symbolik]] für die drei kleinen [[Licht]]ern mehrere Zuordnungen, die sich je nach [[Lehrart]] ergänzen oder überschneiden können. Im Wesentlichen sind dies: | |||
*[[Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei#Weisheit, Schönheit und Stärke|Weisheit, Schönheit und Stärke]] | |||
*[[Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei#Die Sonne, der Mond und der Meister|Sonne, Mond und Meister]] | |||
Beide Zuordnungen schließen sich <i>nicht</i> wechselseitig aus und können sich sogar ergänzen. Im Folgenden werden sie separat erläutert. | |||
== | ==[[Weisheit, Stärke, Schönheit]]== | ||
Die [[ | [[Datei:Tempel_2_2008.jpg|thumb|450px|Die drei kleinen [[Licht]]er als die drei hohen Kerzenleuchter.]] | ||
Besonders in [[Deutschland|deutschen Logen]] ist das [[Öffnen und Schließen der Loge]] von [[Ritual|rituellen Gebräuchen]] geprägt. Dazu gehört das Entzünden dreier Kerzen, die in der Mitte des Tempelraums an den drei Ecken der [[Arbeitstafel]] stehen, meist auf Säulen. Der Akt des Entzündens und Löschens wird durch Sinnsprüche begleitet.<ref name="LPB-Öffnen"/> Die [[Licht]]er sind hierbei den drei [[Hammer#Hammerführung|hammerführenden]] [[Beamte]]n zugeordnet und korrespondieren meist mit den klassischen Säulenordnungen:<ref name="AFuAM-Ritual" /> | |||
*Säule der [[Weisheit]]: Zugeordnet dem [[Meister vom Stuhl]] (Ionische Ordnung). Sie symbolisiert die Planung und geistige Leitung. | |||
*Säule der [[Stärke]]: Zugeordnet dem [[Erster Aufseher|1. Aufseher]] (Dorische Ordnung). Sie symbolisiert die Ausführung und Festigkeit. | |||
*Säule der [[Schönheit]]: Zugeordnet dem [[Zweiter Aufseher|2. Aufseher]] (Korinthische Ordnung). Sie symbolisiert die [[Harmonie]] und die ästhetische Vollendung des Werks. | |||
Diese Trias dient der Strukturierung der gemeinsamen [[Arbeit]] und stellt eine Auswahl der freimaurerischen Tugenden dar (neben z.B. [[Brüderlichkeit]], [[Toleranz]] und tätiger [[Menschenliebe]]). | |||
====Die [[Mond]]= | ==Die [[Sonne]], der [[Mond]] und der [[Meister vom Stuhl|Meister]]== | ||
Der [[Mond]] regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der [[Symbolik]] wird der [[Mond]] oft als das Reflektierende gesehen, das das [[Licht]] der [[Sonne]] widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.<ref name="AFuAM-Ritual"/> | Eine ältere, mindestens seit [[Masonry Dissected]] (1730) bekannte, und eher astronomisch-kosmologische Deutung assoziiert die [[Licht]]er mit den Regenten der [[Loge]]: Die [[Sonne]], der [[Mond]] und der [[Meister vom Stuhl|Meister]] | ||
*Die [[Sonne]] regiert den Tag. Sie spendet das [[Licht]], das für das Leben und die Arbeit notwendig ist. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben. <ref name="AFuAM-Ritual"/> | |||
*Der [[Mond]] regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der [[Symbolik]] wird der [[Mond]] oft als das Reflektierende gesehen, das das [[Licht]] der [[Sonne]] widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.<ref name="AFuAM-Ritual"/> | |||
*Der [[Meister vom Stuhl|Meister]] regiert die [[Loge]]. Er soll die [[Brüder]] erleuchten (ihnen Wissen und [[Weisheit]] vermitteln) sowie über die Einhaltung der [[Ordnung]] der [[Loge]] wachen.<ref name="AFuAM-Ritual"/> (Gemeint ist der [[Meister vom Stuhl]], nicht der [[Meister]]grad.) | |||
In einigen [[Lehrart]]en (z.B. in [[Tempelarbeit|Arbeiten]] in I bis III des [[AASR]]) werden [[Sonne]] und [[Mond]] als physische Darstellungen im Osten, neben dem [[Meister]]stuhl angeordnet. | |||
===Interpretation=== | |||
''' von [[Philipp Gerlach]]''' | |||
Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben ([[Sonne]]) und Nehmen ([[Mond]]) um <i>keine</i> Wertung. Das Passive wird <i>nicht</i> minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, [[Sonne]] und [[Mond]], als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden. | Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben ([[Sonne]]) und Nehmen ([[Mond]]) um <i>keine</i> Wertung. Das Passive wird <i>nicht</i> minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, [[Sonne]] und [[Mond]], als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden. | ||
Die Auflistung des [[Meister vom Stuhl|Meisters]] an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von [[Sonne]] und [[Mond]]. Man kann die Nennung des [[Meister vom Stuhl|Meister]]s jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der [[Meister vom Stuhl|Meister]] die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er braucht <i>kein</i> entweder oder, <i>kein</i> entweder Gefühl <i>oder</i> Verstand. Der [[Meister vom Stuhl|Meister]] kennt Maß <i>und</i> Mitte. Er weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so zur [[Harmonie|harmonischen Lebensführung]]. | Die Auflistung des [[Meister vom Stuhl|Meisters]] an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von [[Sonne]] und [[Mond]]. Man kann die Nennung des [[Meister vom Stuhl|Meister]]s jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der [[Meister vom Stuhl|Meister]] die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er braucht <i>kein</i> entweder oder, <i>kein</i> entweder Gefühl <i>oder</i> Verstand. Der [[Meister vom Stuhl|Meister]] kennt Maß <i>und</i> Mitte. Er weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so zur [[Harmonie|harmonischen Lebensführung]]. | ||
==Uneinheitlichkeiten== | ===Uneinheitlichkeiten=== | ||
[[Datei:Teppich-ullmann.png | 350px | thumb | Die drei kleinen | Die Zuordnung ist, [[Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei#Geschichte|wie oben beschrieben]], nicht universell. Während beispielsweise die meisten [[Logen]] der [[AFuAM]] dem oben genannten Schema folgen, gibt es in anderen Lehrarten Abweichungen: | ||
*In der [[3WK]] werden teils Sterne anstelle des Meisters als drittes [[Licht]] genannt. | |||
[[Datei:Teppich-ullmann.png | 350px | thumb | Die drei kleinen [[Licht]]er als [[Sonne]], [[Mond]] und [[flammender Stern]] auf einem [[Arbeitsteppich]] von [[Holger Ullmann]]]] | |||
*Auf vielen [[Arbeitsteppich]]en (auch der [[AFuAM]]) finden sich zusätzliche [[Licht]]symbole wie der [[Flammender Stern|flammende Stern]] oder Sternenkonstellationen (oft 3x3), was gelegentlich zu einer Vermischung der [[Symbole]] führt. | |||
=Trivia= | |||
Rein äußerlich sind die drei kleinen [[Licht]]er größer als [[die drei großen Lichter]]. | |||
=Siehe auch= | =Siehe auch= | ||
Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen | Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen [[Licht]]er daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der [[Freimaurerei]] besonders ausgeprägt ist.<ref name="3er Konstellation" /> Siehe dazu: | ||
*[[Drei|Die Bedeutung der Zahl drei in der Freimaurerei]] | *[[Drei|Die Bedeutung der Zahl drei in der Freimaurerei]] | ||
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**[[Weisheit, Stärke, Schönheit]] | **[[Weisheit, Stärke, Schönheit]] | ||
**[[Licht|Symbolsprache des Lichts]] | **[[Licht|Symbolsprache des Lichts]] | ||
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**Die drei [[Grad]]e: [[Lehrling]], [[Geselle]], [[Meister]] | **Die drei [[Grad]]e: [[Lehrling]], [[Geselle]], [[Meister]] | ||
**[[Dreieck]] (inkl. [[Auge der Vorsehung]], [[Kelle]] und [[Hexagramm]]) | **[[Dreieck]] (inkl. [[Auge der Vorsehung]], [[Kelle]] und [[Hexagramm]]) | ||
*Traktate: | *Traktate zur Geschichte der großen und kleinen [[Licht]]er der Freimaurerei: | ||
**[[Traktat: Die vielen 'Lichter' der frühen Freimaurerei]] | **[[Traktat: Die vielen 'Lichter' der frühen Freimaurerei]] | ||
**[[Traktat: Die drei Großen und Kleinen Lichter]] | **[[Traktat: Die drei Großen und Kleinen Lichter]], u.a. | ||
=Anmerkungen= | =Anmerkungen= | ||
<references> | <references> | ||
<ref name="Carr">Carr, H., & Smyth, F. (1976). <i>The Freemason at Work.</i> Lewis Masonic.</ref> | |||
<ref name="AFuAM-Ritual">[[AFuAM]] (2011): <i>[[Lehrling]]s-[[Ritual]] der [[Großloge]]
der [[AFuAM|Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland]].</i> [[Bauhütten-Verlag]].</ref> | <ref name="AFuAM-Ritual">[[AFuAM]] (2011): <i>[[Lehrling]]s-[[Ritual]] der [[Großloge]]
der [[AFuAM|Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland]].</i> [[Bauhütten-Verlag]].</ref> | ||
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<ref name="LPB-Öffnen">[[Eugen Lennhoff|Lennhoff, E.]], [[Oskar Posner|Posner, O.]] & [[Dieter Binde|Binder, D.]] (1932/2022). <i>Öffnen und Schließen der Loge</i>. In: [[Internationales Freimaurerlexikon]]. Langen Müller.</ref> | <ref name="LPB-Öffnen">[[Eugen Lennhoff|Lennhoff, E.]], [[Oskar Posner|Posner, O.]] & [[Dieter Binde|Binder, D.]] (1932/2022). <i>Öffnen und Schließen der Loge</i>. In: [[Internationales Freimaurerlexikon]]. Langen Müller.</ref> | ||
<ref name="3er Konstellation">Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit der Drei ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch [[Rituale]] und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.</ref> | <ref name="3er Konstellation">Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit der Drei ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch [[Rituale]] und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.</ref> | ||
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[[Kategorie:Lexikon|Lichter, die drei kleinen]] | [[Kategorie:Lexikon|Lichter, die drei kleinen]] | ||
Version vom 10. Januar 2026, 01:04 Uhr
Autor: Philipp Gerlach
Die drei kleinen Lichter sind ein zentraler Bestandteil der Lichtsymbolik in der Freimaurerei. Sie werden von den drei großen Lichtern unterschieden, welche die ethischen Grundlagen des Bundes repräsentieren. Während die großen Lichter über eine klare Zuordnung verfügen (Bibel, Winkelmaß und Zirkel), gibt es mehrere Entsprechungen der drei kleinen Lichter. [1]
Historische Entsprechungen
In den ältesten erhaltenen Ritualniederschriften ist nur von "drei Lichtern" die Rede, zunächst noch nicht von den großen oder kleinen Lichtern. Die Zuordnung der drei Lichter variierte zudem.[2] Zum Beispiel:
- Im 'Edinburgh Register House Manuscript' (1696) stehen sie für den Meister, den Aufseher und den Gesellen.
- Im 'Sloane Manuscript' (~1700) stehen sie für die Sonne, den Meister und das Winkelmaß.
Aktuelle Entsprechungen
Auch heutzutage existieren in der freimaurerischen Symbolik für die drei kleinen Lichtern mehrere Zuordnungen, die sich je nach Lehrart ergänzen oder überschneiden können. Im Wesentlichen sind dies:
Beide Zuordnungen schließen sich nicht wechselseitig aus und können sich sogar ergänzen. Im Folgenden werden sie separat erläutert.
Weisheit, Stärke, Schönheit
Besonders in deutschen Logen ist das Öffnen und Schließen der Loge von rituellen Gebräuchen geprägt. Dazu gehört das Entzünden dreier Kerzen, die in der Mitte des Tempelraums an den drei Ecken der Arbeitstafel stehen, meist auf Säulen. Der Akt des Entzündens und Löschens wird durch Sinnsprüche begleitet.[3] Die Lichter sind hierbei den drei hammerführenden Beamten zugeordnet und korrespondieren meist mit den klassischen Säulenordnungen:[4]
- Säule der Weisheit: Zugeordnet dem Meister vom Stuhl (Ionische Ordnung). Sie symbolisiert die Planung und geistige Leitung.
- Säule der Stärke: Zugeordnet dem 1. Aufseher (Dorische Ordnung). Sie symbolisiert die Ausführung und Festigkeit.
- Säule der Schönheit: Zugeordnet dem 2. Aufseher (Korinthische Ordnung). Sie symbolisiert die Harmonie und die ästhetische Vollendung des Werks.
Diese Trias dient der Strukturierung der gemeinsamen Arbeit und stellt eine Auswahl der freimaurerischen Tugenden dar (neben z.B. Brüderlichkeit, Toleranz und tätiger Menschenliebe).
Die Sonne, der Mond und der Meister
Eine ältere, mindestens seit Masonry Dissected (1730) bekannte, und eher astronomisch-kosmologische Deutung assoziiert die Lichter mit den Regenten der Loge: Die Sonne, der Mond und der Meister
- Die Sonne regiert den Tag. Sie spendet das Licht, das für das Leben und die Arbeit notwendig ist. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben. [4]
- Der Mond regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der Symbolik wird der Mond oft als das Reflektierende gesehen, das das Licht der Sonne widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.[4]
- Der Meister regiert die Loge. Er soll die Brüder erleuchten (ihnen Wissen und Weisheit vermitteln) sowie über die Einhaltung der Ordnung der Loge wachen.[4] (Gemeint ist der Meister vom Stuhl, nicht der Meistergrad.)
In einigen Lehrarten (z.B. in Arbeiten in I bis III des AASR) werden Sonne und Mond als physische Darstellungen im Osten, neben dem Meisterstuhl angeordnet.
Interpretation
von Philipp Gerlach
Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben (Sonne) und Nehmen (Mond) um keine Wertung. Das Passive wird nicht minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, Sonne und Mond, als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden.
Die Auflistung des Meisters an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von Sonne und Mond. Man kann die Nennung des Meisters jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der Meister die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er braucht kein entweder oder, kein entweder Gefühl oder Verstand. Der Meister kennt Maß und Mitte. Er weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so zur harmonischen Lebensführung.
Uneinheitlichkeiten
Die Zuordnung ist, wie oben beschrieben, nicht universell. Während beispielsweise die meisten Logen der AFuAM dem oben genannten Schema folgen, gibt es in anderen Lehrarten Abweichungen:
- Auf vielen Arbeitsteppichen (auch der AFuAM) finden sich zusätzliche Lichtsymbole wie der flammende Stern oder Sternenkonstellationen (oft 3x3), was gelegentlich zu einer Vermischung der Symbole führt.
Trivia
Rein äußerlich sind die drei kleinen Lichter größer als die drei großen Lichter.
Siehe auch
Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen Lichter daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der Freimaurerei besonders ausgeprägt ist.[5] Siehe dazu:
- Verwandte Themen:
- Im weiteren Sinne auch:
- Traktate zur Geschichte der großen und kleinen Lichter der Freimaurerei:
Anmerkungen
- ↑ Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Licht. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
- ↑ Carr, H., & Smyth, F. (1976). The Freemason at Work. Lewis Masonic.
- ↑ Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Öffnen und Schließen der Loge. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 AFuAM (2011): Lehrlings-Ritual der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Bauhütten-Verlag.
- ↑ Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit der Drei ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch Rituale und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.
