Rezension: Will-Erich Peuckert: Geheimkulte

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Will-Erich Peuckert: Geheimkulte

Rezension von Roland Müller

Will-Erich Peuckert: Geheimkulte (1951)

Will-Erich Peuckert: Geheimkulte. Heidelberg: Pfeffer 1951 (635 Seiten); Reprint Hildesheim: Olms 1988; ungekürzte Taschenbuchausgabe München: Heyne 1996.

Zusammenfassung

Sehr ethnologisch, d. h. Kulte in der Steinzeit, bei Primitiven und im Altertum; auch Eleusis, 478-496, Osiris und Isis, 496-520; zu den Steinmetzen, 556-567, bringt er Bräuche aus dem 18. Jh.; bei der Freimaurerei 579-614 ist er nicht ethnologisch, sondern zitiert viel aus der „Cook-Handschrift“ von 1410 und aus der Verräterschrift → „Sarsena“ von Carl Friedrich Ebers, 1816).

Ärgerlich

Auf dem Umschlag steht: Das Standardwerk jetzt als Taschenbuch. Normalerweise kommt ein wichtiges Buch etwa 5-10 Jahre nach der gebundenen Fassung als Taschenbuch. Nun sind es aber fast 50 Jahre her.
Das ist kein Standardwerk.
Das Buch hat über 600 Seiten Text und soll wohl mit 600 Anmerkungen einen wissenschaftlichen Eindruck erwecken. Es ist aber nicht wissenschaftlich.

Autor

Dichter und Volkskundler: 1895-1969.

Vielschreiber: Seine Publikationsliste umfasst fast 500 Titel. Bedeutsam sind seine Bücher über Paracelsus. Er hat auch die Werke von Paracelsus herausgegeben: 5 Bde 1965-68.

Stil

erzählend, eine Aneinanderreihung von Kuriositäten und Absurditäten.

Inhalt

Kraut und Rüben: Er beginnt autobiographisch, wie er als Knabe sich für das Bündische interessierte. Und dann ist er schon mitten in ethnologischen Standards: Ein bisschen Totemismus, dann die Frage, ob auch Frauen Bünde gründen. Und schon sind wir bei der Pubertät. Seite 32. Nachher kommt die Knabenzeit mit der Initiation (59) und sogleich wird auf Dutzenden von Seiten (62) die Beschneidung des männlichen Glieds bei den Negern in Afrika und den Indianern in Nordamerika beschrieben. Dann kommen die Nordischen Sagen (30 Seiten) mit den Berserkern, Werwölfen und Hexen.
Bald kommen auch die Höhlenbewohner ins Spiel und dann geht es über 100e von Seiten weiter mit Jagdzauber, Mana und Menschenfressern und dem Tragen von Masken (182-197) und dem Umgang mit dem Geheimnis.
Das Kapitel „Weiberbünde“ umfasst 100 Seiten (223-325) und beschreibt auch den soldatischen Mithras-Kult (288), Seite 305: „Ich wollte … eigentlich ...“ Und ein paar Seiten weiter kommen schon die Freimaurer (312): „nach Meinung des bäuerlichen Volkes aber sind sie Teufelsbündner“. Und schon sind wir wieder bei den alten Germanen in der Bronzezeit. Ausgiebig werden die alten griechischen Mysterien besprochen. Da das Buch keinerlei Chronologie aufweist, kommt nachher der ägyptische Osiriskult (496) und der Isiskult (505). Nachher kommen wieder die Griechen und Römer und auch Jesus Christus (532).
Unmittelbar nach Jesus kommen die mittelalterlichen Gilden (551) und die Steinmetzen (556) allerdings nicht diejenigen des Mittelalters. Die Texte stammen aus dem 18. Jh., als es die Freimaurerei schon gab.

Nach den Rosenkreuzern kommen die Freimaurer (579-914). Der Volkskundler benutz zwei Quellen: Er zitiert ausgiebig aus der, wie er sagt, „Cook-Handschrift“ von 1410 und nachher aus einer sogenannten Verräterschrift, „Sarsena“ von Carl Friedrich Ebers, 1816 (Vaduz: Sändig 1987). Das ist eine sehr dubiose Quelle, laut Lennhoff/ Posner (1932, Sp. 1380) eine Hetzschrift, von der noch 100 Jahre später Ludendorff ausgiebig Gebrauch gemacht hat. Und der Volkskundler Peuckert geniert sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht, darauf abzustellen.
Zeitlich springt Peuckert hin und her, 1721, Paracelsus, die Bibel, „der flammende Stern“, Elias Ashmole, dann eine Loge in Aberdeen 1670, eine Text über Erkennungszeichen von 1665, und am Schluss die Beschreibungen des Rituals.

Hier bricht das Buch ab. Also nichts von Ku-Klux-Klan, Camorra oder Mafia.


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