Rezension: Helga Widmann - Freimaurerinnen in Deutschland

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Woher sie kommen - Wer sie sind - Was sie wollen ... die Freimaurerinnen

120 spannende Seiten, die nicht nur informieren, sondern auch zum Nachdenken anregen: geschrieben von Helga Widmann, der früheren Großmeisterin der Frauen-Großloge von Deutschland (2002 bis 2010). Eine Rezension von Rudi Rabe.

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Dass an der Freimaurerei interessierte Frauen dieses Buch lesen, ist naheliegend. Aber ich kann darüberhinaus nur jedem Freimaurerbruder zurufen: Unbedingt auch lesen! Dies nicht zuletzt deswegen, weil Helga Widmann besonders im zweiten Teil ihres Buchs über das hinausgeht, was der Buchtitel ankündigt, indem sie auf eine zeitgemäße Weise Themenfelder bearbeitet, die alle Freimaurer betreffen, weibliche und männliche; jedenfalls wenn diese nicht in alten festgezurrten Traditionen verharren. Aber der Reihe nach!

Helga Widmann gliedert ihr Buch in fünf Kapitel. Im ersten schildert sie die Entwicklung der femininen Freimaurerei in Deutschland. Ansätze gab es schon in den späten vierziger Jahren. Wirklich Fahrt aufgenommen hat die Entwicklung aber erst Jahrzehnte später bis schließlich 1982 die Frauen-Großloge von Deutschland gegründet werden konnte. Helga Widmann beschreibt, wie das von manchen (männlichen) Freimaurerbrüdern gefördert und von anderen behindert wurde.

Dasselbe gilt für die Entwicklung des Frauenrituals, dem sie das zweite Kapitel widmet. Die Basis dafür war das Ritual der Männer-Großloge AFAM. Sie legt jedoch Wert darauf, dass die Frauen das AFAM-Ritual nicht einfach nur übernommen, sondern vieles neu gedeutet haben („aufgetaut“). Und ganz wichtig: Es komme nicht nur auf das eingeübte rituelle „Tun“ an, sondern darauf, sich auf das „Sinnpotential“ des Rituals wirklich einzulassen.

Diese zwei ersten Kapitel sind historisch chronologisch angelegt. In den drei darauf folgenden spricht Helga Widmann aktuelle Grundfragen an, welche in der Freimaurerei sowohl die Frauen als auch die Männer betreffen, nämlich:

  • Regularität - also die von der UGLE postulierten Basic Principles für befreundete Großlogen (zum Beispiel keine Frauen aufnehmen): Ebenso originell wie kreativ deutet sie diese „UGLE-Spielregeln“ als symbolische Fortsetzung des britischen Imperiums nach dessen politischem Untergang.
  • CLIMAF - also der internationale Dachverband von Frauengroßlogen: Helga Widmann portraitiert diesen freiwilligen Zusammenschluss und weist dabei auf die relative „Außenseiterposition“ hin, welche die Deutschen dort mit ihrem modernisierten Ritual einnehmen. Übrigens: neun Länder sind dabei, die Engländerinnen nicht.
  • Freimaurerinnen und Öffentlichkeit: In diesem Kapitel betont sie, dass elfenbeinturmartige Bekenntnisse zu Werten heutzutage nichts bringen. „Präsenz ist nicht gleich Relevanz … was die Menschen interessiert, ist nicht irgendein Selbstbild, sondern das sichtbare Bauen.“ Und wohl mit einem schönen Gruß an die Männerlogen fügt sie an: „Die Existenz von Frauenlogen legitimiert den Männerbund.“

Und viele weitere interessante Gedanken und Anregungen, die ich hier in dieser Rezension weder anführen kann noch will. Was mir auch besonders auffällt: Helga Widmann reflektiert die Ideen der Freimaurerei auf eine sehr zeitgemäß Weise. Und bei allem was sie schreibt, ist ein wohltuender Praxisbezug zu spüren. Ihre prägenden Jahre als Großmeisterin sind durch das ganze Buch zu spüren.

Das Buch endet mit dieser Bildmontage aus den 2010er Jahren … Kritik mit Humor: Ohne Worte und dennoch vielsagend.


Helga Widmann: FREIMAURERINNEN IN DEUTSCHLAND
Woher sie kommen - Wer sie sind - Was sie wollen
Band II in der Reihe Lebenswert - erschienen im Salier-Verlag, Leipzig 2022

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