Vereinigte fünf Logen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Vereinigten fünf Logen (kurz: V5) sind ein Zusammenschluss von fünf [[Logen in Hamburg]], die zu den ältesten [[Loge]]n in [[Deutschland]] zählen.
Die Vereinigten fünf Logen (kurz: V5) sind ein Zusammenschluss von fünf [[Logen in Hamburg|Hamburger Logen]], die zu den ältesten [[Loge]]n in [[Deutschland]] zählen, nach [[Schrödersche Lehrart|Schröder]] arbeiten und das [[Logenhaus Welckerstraße]] betreiben und


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Zum Zeichen Ihrer Einigung tragen die V5 dasselbe [[Bijou]].
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=Geschichte der Freimaurerei in Hamburg=
==Übersicht==
Aufgrund der engen internationalen Handelsbeziehungen, insbesondere zum Mutterland der [[Freimaurerei]], [[England]], bot die freie Reichsstadt [[Hamburg]] einen idealen Nährboden für die Ausbreitung des Bundes in [[Deutschland]]. Bereits zwanzig Jahre nach der Gründung der [[Premier Grand Lodge of England|Ersten Großloge von England]] (1717) fasste die Freimaurerei hier Fuß.
Aufgrund der engen internationalen Handelsbeziehungen, insbesondere zum 'Mutterland' der modernen [[Freimaurerei]], [[England]], bot die freie Reichsstadt [[Hamburg]] einen idealen Nährboden für die Ausbreitung des Bundes in [[Deutschland]]. Bereits zwanzig Jahre nach der Gründung der [[Premier Grand Lodge of England|Ersten Großloge von England]] (1717) fasste die Freimaurerei hier Fuß.
 
Am 6. Dezember 1737 wurde in der Hamburger 'Tabagie d’Angleterre' die erste Loge auf deutschem Boden gegründet. Auf diese beruft sich die Loge [[Absalom zu den drei Nesseln]] bis heute. Es folgte eine rasche Ausbreitung und weitere Gründungen namhafter Bauhütten:
==Die Anfänge und erste Logengründungen==
1737 wurde in der Hamburger die erste Loge auf deutschem Boden gegründet. Auf diese [[Loge]] beruft sich [[Absalom zu den drei Nesseln]] bis heute.  
Es folgte eine rasche Ausbreitung und weitere Gründungen namhafter Bauhütten:
 
*1743: [[St. Georg zur grünenden Fichte]]
*1743: [[St. Georg zur grünenden Fichte]]
*1774: [[Emanuel zur Maienblume]]
*1774: [[Emanuel zur Maienblume]]
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*1787: [[Ferdinand zum Felsen]]
*1787: [[Ferdinand zum Felsen]]


In der Frühzeit orientierten sich die Hamburger Logen rituell an den sogenannten [[Moderns]] der Londoner Großloge. Im Laufe des 18. Jahrhunderts parallel die [[Schwedische Lehrart]] praktiziert. Die vereinigten Logen unterstellten ('rektifizierten') sich jedoch der [[Strikte Observanz|Strikten Observanz]].
==Ritueller Wandel und die „Rektifikation“==
In der Frühzeit orientierten sich die o.g. [[Logen in Hamburg|Hamburger Logen]] rituell an den sogenannten [[Moderns]] der [[London]]er [[Großloge]]. Diese Ausrichtung existierte parallel zur [[Logen]] der [[Schwedische Lehrart|Schewdischen Lehrart]].  
 
Die [[Loge]]n der V5 wurden im Zuge der „Rektifikation“ der [[Strikte Observanz|Strikten Observanz]] unterstellt – einem System, das sich auf das Erbe der [[Tempelritter]] berief.


Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Kritik an diesen System zur [[Schrödersche Lehrart|Schröderschen Reform]]: [[Friedrich Ludwig Schröder]] führte die Logen zurück zu den schlichten, ursprünglichen Ritualen der englischen Frühzeit.
Das stetige Wachstum der [[Hamburg]]er Bruderschaft gipfelte im Jahr 1800 im Bau des ersten deutschen [[Logenhaus|Logenhauses]] an der [[Drehbahn]] (siehe hierzu: [[Logenhaus Welckerstraße#Geschichte|Geschichte des Logenhauses Welckerstraße]]).


Das stetige Wachstum der Hamburger Bruderschaft gipfelte im Jahr 1800 im Bau des ersten deutschen [[Logenhaus|Logenhauses]] an der [[Drehbahn]] (siehe hierzu: [[Logenhaus Welckerstraße#Geschichte|Geschichte des Logenhauses Welckerstraße]]).
Infolge der [[Hamburger Franzosenzeit]] und der damit verbundenen politischen Instabilität gründeten die damals vier [[Logen in Hamburg]Hamburger Logen]] im Jahr 1811 die [[Große Loge von Hamburg]], um ihre Unabhängigkeit gegenüber dem französischen [[Grand Orient de France]] zu wahren.


Infolge der [[Hamburger Franzosenzeit]] und der damit verbundenen politischen Instabilität gründeten die damals vier Hamburger Logen im Jahr 1811 die [[Große Loge von Hamburg]], um ihre Unabhängigkeit gegenüber dem französischen [[Grand Orient de France]] zu wahren.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Kritik an diesen Hochgradsystemen zur [[Schrödersche Lehrart|Schröderschen Reform]]. [[Friedrich Ludwig Schröder]], einem Bruder von [[Emanuel zur Maienblume|Emanuels]] führte die [[Loge]]n dadurch zurück zu den schlichten, ursprünglichen Ritualen der englischen Frühzeit. Die [[Schrödersche Lehrart]] wird von den V5 bis heute praktiziert.


Nach den Verfolgungen und der „Lichtauslöschung“ während der [[Dunkle Zeit|nationalsozialistischen Diktatur]] nahmen die Logen nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit wieder auf. Heute gehören alle fünf Traditionslogen der Großloge der [[Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland]] (AFuAMvD) an.
==Heutige Situation==
Nach den Verfolgungen und der „Lichtauslöschung“ während der [[Dunkle Zeit|nationalsozialistischen Diktatur]] nahmen die [[Loge]]n nach 1945 ihre Arbeit wieder auf. Heute gehören alle fünf Traditionslogen der Großloge der [[Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland]] (AFuAMvD) an.


Die sogenannten „Vereinigten fünf Hamburgischen Logen“ (V5) arbeiten einheitlich nach der [[Schrödersche Lehrart|Schröderschen Lehrart]]. Sie sind gemeinsame Eigentümer und Betreiber des [[Logenhaus Welckerstraße|Logenhauses in der Welckerstraße 8]], einem von heute drei Logenhäusern in Hamburg.
Die sogenannten „Vereinigten fünf Hamburgischen Logen“ (V5) arbeiten einheitlich nach der [[Schrödersche Lehrart|Schröderschen Lehrart]]. Sie sind gemeinsame Eigentümer und Betreiber des [[Logenhaus Welckerstraße|Logenhauses in der Welckerstraße 8]], einem von heute drei Logenhäusern in Hamburg.
==[[Georg Heinrich Sieveking|Sieveking]] und die Reformbestrebungen in [[Hamburg]]==
Im Jahr 1789 wurde [[Georg Heinrich Sieveking]] zum [[Stuhlmeister]] der [[Loge]] [[St. Georg zur grünenden Fichte|St. Georg]] gewählt. Unter dem Eindruck der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] versuchte er, die [[Freimaurerei]] nach den Idealen der Aufklärung neu zu gestalten. Bereits seine Wahl zum [[MvSt]] war ungewöhnlich: Nachdem er seine Reformgedanken erläutert hatte, knüpfte er die Annahme des Amtes an die Bedingung, dass mindestens 75 % der Brüder ihm per [[Ballotage]] zustimmen müssten. Er erhielt schließlich 12 weiße und 2 schwarze Kugeln.
[[Georg Heinrich Sieveking|Sieveking]] war eine zentrale Figur des Hamburger Geisteslebens. Er stammte aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie und war Mitglied der exklusiven [[Montagsgesellschaft (Hamburg)|Montagsgesellschaft]], der nur zwölf Mitglieder angehörten, darunter der Dichter [[Friedrich Gottlieb Klopstock]]. Bereits 1786 hatte er gemeinsam mit dem Domherrn [[Lorenz Meyer]] nach englischem und schweizerischem Vorbild eine „Spar- und Vorschusskasse für Fabrikarbeiter und Handwerker“ ins Leben gerufen – ein frühes Beispiel für soziales Engagement der Freimaurerei.
==Konflikt um das Ritual==
Als junger [[Stuhlmeister]], getragen von der Euphorie über das Ende des Absolutismus, schlug [[Georg Heinrich Sieveking]] vor, das [[Emulation Ritual|traditionelle, englische Ritual]] weitgehend aufzugeben. An die Stelle der symbolischen Arbeit sollten „Aussprachen über Freiheit und Gleichheit treten, damit die Vernunft inthronisiert werde“. Er ging so weit, die überlieferten Symbole, die „Hieroglyphen“, Gebräuche und den [[Eid]] als „Possen“ zu bezeichnen.
Dieser radikale Kurs stieß auf den entschiedenen Widerstand von [[Friedrich Ludwig Schröder]], dem damaligen [[Stuhlmeister]] der Loge [[Emanuel zur Maienblume]]. In mehreren Rededuellen verteidigte [[Friedrich Ludwig Schröder|Schröder]] den Eigenwert der freimaurerischen Symbolik. Er argumentierte, dass die Symbole den eigentlichen Stoff bildeten, „aus dem die große Bruderkette geschmiedet würde“. [[Friedrich Ludwig Schröder|Schröder]] setzte sich schließlich durch; [[Georg Heinrich Sieveking|Sieveking]] legte am 10. April 1790 den Hammer der [[Loge]] [[St. Georg zur grünenden Fichte|St. Georg]] nieder.
==Die [[Schrödersche Lehrart|„Schrödersche Reform“]] und die [[Große Loge von Hamburg]]==
Während Sieveking das Ritual abschaffen wollte, verfolgte die [[Altschottische Loge]] unter dem Obermeister [[v. Exter]] zeitgleich das Ziel, die [[Hochgrade]] der [[Strikten Observanz]] wiederzubeleben. Friedrich Ludwig Schröder sah darin die Notwendigkeit für einen „dritten Weg“: Er wollte die Rituale auf ihr ursprüngliches, nüchternes Maß zurückführen und sowohl die „Bilderstürmerei“ der Rationalisten als auch das mystische Ritterwesen zurückdrängen.
Schröder orientierte sich dabei an den alten englischen Konstitutionsbüchern und schuf die [[Schrödersche Lehrart]]. Diese zeichnete sich durch Schlichtheit und die Ablehnung konfessioneller Beschränkungen aus. Sogar [[Johann Gottfried Herder]] lobte diesen Ansatz:
„Mit welch schöner Art können wir uns, dem Ritual treubleibend, von allen metaphysisch-allegorischen Deuteleien entfernt halten...“
==Die Zeit der französischen Besatzung==
Im Jahr 1811 ergriff Schröder die Initiative zur Gründung der [[Große Loge von Hamburg|Großen Loge von Hamburg]]. Hintergrund war die politische Lage während der [[Hamburger Franzosenzeit]] (Hamburg war seit 1806 besetzt). Der französische Einfluss zielte darauf ab, die traditionellen Bindungen der Hamburger Logen zur [[Großloge von England]] zu lösen und sie dem [[Grand Orient de France]] unterzuordnen. Geplant war die Einsetzung einer „Grande Loge Provinciale Hanseatique“. Durch die Gründung einer eigenen, unabhängigen Großloge bewahrten die Hamburger Maurer ihre Souveränität.
=Siehe auch=
*[[AFuAMvD]]
*[[Logenhaus Welckerstraße]]
*[[Logen in Hamburg]]
[[Kategorie: Lexikon]]
[[Kategorie: Hamburg]]

Version vom 13. März 2026, 15:47 Uhr

Autor: Philipp Gerlach

Die Vereinigten fünf Logen (kurz: V5) sind ein Zusammenschluss von fünf Hamburger Logen, die zu den ältesten Logen in Deutschland zählen, nach Schröder arbeiten und das Logenhaus Welckerstraße betreiben und

Übersicht

Zu den V5 gehören folgende Logen (mit Gründungsjahr):

Zum Zeichen Ihrer Einigung tragen die V5 dasselbe Bijou.

Geschichte der Freimaurerei in Hamburg

Aufgrund der engen internationalen Handelsbeziehungen, insbesondere zum Mutterland der Freimaurerei, England, bot die freie Reichsstadt Hamburg einen idealen Nährboden für die Ausbreitung des Bundes in Deutschland. Bereits zwanzig Jahre nach der Gründung der Ersten Großloge von England (1717) fasste die Freimaurerei hier Fuß.

Die Anfänge und erste Logengründungen

1737 wurde in der Hamburger die erste Loge auf deutschem Boden gegründet. Auf diese Loge beruft sich Absalom zu den drei Nesseln bis heute. Es folgte eine rasche Ausbreitung und weitere Gründungen namhafter Bauhütten:

Ritueller Wandel und die „Rektifikation“

In der Frühzeit orientierten sich die o.g. Hamburger Logen rituell an den sogenannten Moderns der Londoner Großloge. Diese Ausrichtung existierte parallel zur Logen der Schewdischen Lehrart.

Die Logen der V5 wurden im Zuge der „Rektifikation“ der Strikten Observanz unterstellt – einem System, das sich auf das Erbe der Tempelritter berief.

Das stetige Wachstum der Hamburger Bruderschaft gipfelte im Jahr 1800 im Bau des ersten deutschen Logenhauses an der Drehbahn (siehe hierzu: Geschichte des Logenhauses Welckerstraße).

Infolge der Hamburger Franzosenzeit und der damit verbundenen politischen Instabilität gründeten die damals vier [[Logen in Hamburg]Hamburger Logen]] im Jahr 1811 die Große Loge von Hamburg, um ihre Unabhängigkeit gegenüber dem französischen Grand Orient de France zu wahren.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Kritik an diesen Hochgradsystemen zur Schröderschen Reform. Friedrich Ludwig Schröder, einem Bruder von Emanuels führte die Logen dadurch zurück zu den schlichten, ursprünglichen Ritualen der englischen Frühzeit. Die Schrödersche Lehrart wird von den V5 bis heute praktiziert.

Heutige Situation

Nach den Verfolgungen und der „Lichtauslöschung“ während der nationalsozialistischen Diktatur nahmen die Logen nach 1945 ihre Arbeit wieder auf. Heute gehören alle fünf Traditionslogen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD) an.

Die sogenannten „Vereinigten fünf Hamburgischen Logen“ (V5) arbeiten einheitlich nach der Schröderschen Lehrart. Sie sind gemeinsame Eigentümer und Betreiber des Logenhauses in der Welckerstraße 8, einem von heute drei Logenhäusern in Hamburg.