Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei: Unterschied zwischen den Versionen

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In der [[Symbolik|Symbolsprache]] der [[Freimaurerei]] stehen die  drei kleinen [[Licht]]er für die [[Ordnung]] der Loge, in Form von [[Sonne]], [[Mond]] und [[Meister vom Stuhl|Meister]].
'''Autor: [[Philipp Gerlach]]'''


=Abgrenzung=
[[Datei:WSS.jpg | 200px | right | Die drei kleinen [[Licht]]er als  [[Weisheit]]/[[Stern]], [[Stärke]]/[[Mond]] und [[Schönheit]]/[[Sonne]] auf einer [[Münze]].]]
Die drei kleinen [[Licht]]er werden von den [[drei großen Lichter]]n und den drei [[Weisheit, Schönheit, Stärke|Säulen/Pfeilern]] unterschieden.
Die drei kleinen [[Licht]]er sind ein zentraler Bestandteil der [[Licht]]symbolik in der [[Freimaurerei]]. Sie werden von [[Die drei großen Lichter der Freimaurerei|den drei großen Lichtern]] unterschieden, welche die ethischen Grundlagen des [[Freimaurerei|Bundes]] repräsentieren. Während [[die drei großen Lichter|die <i>großen</i> Lichter]] über eine klare Zuordnung verfügen ([[Buch]], [[Winkelmaß]] und [[Zirkel]]), gibt es mehrere Entsprechungen der drei <i>kleinen</i> [[Licht]]er. <ref name="LPB-Licht" />
*Die [[drei großen Lichter|großen Lichter]] ([[Bibel]], [[Winkelmaß]] und [[Zirkel]]) stehen für die ethischen Grundlagen. Im Gegensatz zu den kleinen Lichtern sind die großen Lichter, nach Auffassung der meisten [[Ordnung|freimaurerischen Ordnungen]], unverzichtbarer Bestandteil einer regulären Logenarbeit.
*Die drei Säulen/Pfeiler stehen für einige Ideale der [[Freimaurerei]] ([[Weisheit]], [[Stärke]] und [[Schönheit]]). Diese werden durch drei Kerzen-tragenden Säulen manifestiert.
Die drei großen Lichter und die Säulen/Pfeiler haben sie also eine physikalische Entsprechung in [[Ritual|rituellen Arbeiten]]. Eine solche Entsprechung der drei kleinen Lichter ist hingegen selten (z.B. eine Ausnahme ist das in Deutschland unübliche [[Ritual]] I bis III des [[AASR]])


=Symbole=
=Historische Entsprechungen=
==Die [[Sonne]]==
In den ältesten erhaltenen [[Verräterschriften|Ritualniederschriften]] ist nur von "drei [[Licht]]ern" die Rede. Zunächst wurde also nicht zwischen den <i>großen</i> und <i>kleinen</i> [[Licht]]ern unterschieden.  
Die [[Sonne]] regiert den Tag. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben. Sie spendet das Licht, das für das Leben und die Arbeit notwendig ist.


==Der [[Mond]]==
Die Zuordnung der "drei [[Licht]]er" variierte zudem.<ref name="Carr"/> Zum Beispiel:
Er regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der alten [[Symbolik]] wurde der [[Mond]] oft als das Reflektierende gesehen, das das [[Licht]] der [[Sonne]] widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben. Es handelt sich hierbei um keine Wertung, sondern ein ergänzendes Prinzip, wie unten erläutert.
*Im 'Edinburgh Register House Manuscript' (1696) stehen sie für den [[Meister]], den [[Aufseher]] und den [[Geselle]]n.
*Im '[[Sloane Manuscript]]' (~1700) stehen sie für die [[Sonne]], den [[Meister]] und das [[Winkelmaß]] (evtl. auch [[Reißbrett]]; "the sun, the master and the square")
*In 'The Grand Mystery of Free-Masons Discover’d' (1724) stehen sie für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist


==Der [[Meister vom Stuhl]]==
=Aktuelle Entsprechungen=
So wie die [[Sonne]] den Tag und der [[Mond]] die Nacht regiert, so regiert der [[Meister vom Stuhl]] die [[Loge]]. Er soll die [[Brüder]] erleuchten (ihnen Wissen und [[Weisheit]] vermitteln) sowie über die Einhaltung der [[Ordnung]] der [[Loge]] wachen.
[[Datei:WSSBalken.jpg | 1600px | thumb | Personifikationen der drei kleinen [[Licht]]er als [[Weisheit, Stärke, Schönheit|Weisheit, Stärke und Schönheit]] auf Strichätzungen von [[Jens Rusch]].]]
Auch heutzutage existieren mehrere Zuordnungen parallel, die sich je nach [[Lehrart]] ergänzen oder überschneiden. Am verbreitetsten sind:
*[[Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei#Weisheit, Schönheit und Stärke|Weisheit, Schönheit und Stärke]]
*[[Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei#Die Sonne, der Mond und der Meister|Sonne, Mond und Meister]]


===Interpretation von [[Philipp Gerlach]]===
Beide Zuordnungen schließen sich <i>nicht</i> wechselseitig aus und können sich sogar ergänzen.  
Die Auflistung des [[Meister vom Stuhl|Meisters]] an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von [[Sonne]] und [[Mond]]. Man kann die Nennung des Meisters jedoch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In dem Sinne vermittelt der [[Meister vom Stuhl|Meister]] die beiden Pole, ohne einen dabei zu negieren. Er braucht kein entweder oder, kein entweder Gefühl <i>oder</i> Verstand. Der Meister kennt Maß <i>und</i> Mitte. Er weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so zur [[Harmonie]].


==Uneinheitlichkeiten==
==[[Weisheit, Stärke, Schönheit]]==
Nicht in allen Lehrarten wird der [[Meister vom Stuhl]] als drittes kleines Licht genannt. In [[3WK]] werden beispielsweise statt seiner Sterne gelistet. Auf einigen [[Arbeitsteppich]]en (z.B. nach [[AFuAM]]) befinden sich, neben [[Sonne]] und [[Mond]], 3x3 Sterne und/oder der [[flammender Stern|flammende Stern]].<ref>Dennoch nennt der Ritualtext von [[AFuAM]] den [[Meister vom Stuhl]] als 3. kleines Licht. Z.B. [[AFuAM]] (2011): <i>[[Lehrling]]s-[[Ritual]] der [[Großloge]]
der [[AFuAM|Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland]].</i> [[Bauhütten-Verlag]]. S. 57. </ref>
[[Datei:Tempel_2_2008.jpg|thumb|450px|Die drei kleinen [[Licht]]er als die drei hohen Kerzenleuchter um den [[Arbeitsteppich]].]]
Besonders in [[Deutschland|deutschen Logen]] ist das [[Öffnen und Schließen der Loge]] von [[Ritual|rituellen Gebräuchen]] geprägt. Dazu gehört das Entzünden dreier Kerzen, die in der Mitte des Tempelraums an den drei Ecken der [[Arbeitstafel]] stehen — meist auf Säulen, teils auch auf Kerzenleuchtern. <ref name="LPB-Öffnen"/> Die [[Licht]]er sind hierbei in der Regel den drei [[Hammer#Hammerführung|hammerführenden]] [[Beamte]]n zugeordnet und korrespondieren teilweise mit den klassischen Säulenordnungen:<ref name="AFuAM-Ritual" />
*(Ionische) Säule der [[Weisheit]]: Zugeordnet dem [[Meister vom Stuhl]]. Sie symbolisiert die Planung und geistige Leitung.
*(Dorische) Säule der [[Stärke]]: Zugeordnet dem [[Erster Aufseher|1. Aufseher]]. Sie symbolisiert die Ausführung und Festigkeit.
*(Korinthische) Säule der [[Schönheit]]: Zugeordnet dem [[Zweiter Aufseher|2. Aufseher]]. Sie symbolisiert die [[Harmonie]] und die ästhetische Vollendung des Werks.
Die Trias [[Weisheit]]-[[Stärke]]-Schönheit]] dient der Strukturierung der gemeinsamen [[Arbeit]] und stellt eine Auswahl der freimaurerischen Tugenden dar (neben z.B. [[Brüderlichkeit]], [[Toleranz]] und tätiger [[Menschenliebe]]).
 
[[Datei:Ritual-Rumänien.jpg|thumb|350px|Das Entzünden der drei kleinen [[Licht]]er in einer [[Tempelarbeit]].]]
Der Akt des Entzündens und Löschens wird meist durch Sinnsprüche begleitet.
*Im [[Ritual]] der [[AFuAM]] beispielsweise:<ref name="AFuAM-Ritual"/>
**"Weisheit leite den Bau"
**"Stärke führe ihn aus"
**"Schönheit vollende ihn"
 
*Im [[Ritual]] des [[FzaS]] beispielsweise:<ref name="FzaS-Ritual"/>
**"Wissen ist Macht! Du Leuchte der Wahrheit, wandle die Nacht
zu sonniger Klarheit"
**"Können ist Kraft! Du Leuchte der Stärke, Weise den Weg
zu dauerndem Werke!"
**"Wollen zeigt Ziele! Du Leuchte der Güte, gieß deine Schönheit in unser Gemüte!"
 
Wie aus dem Kerzensprüchen des [[FzaS]] hervorgeht, wird sich nicht unbedingt streng an die Entsprechung der Kerzen zu den drei Tugenden gehalten (Wissen-Können-Wollen für [[Weisheit]]-[[Stärke]]-[[Schönheit]])
 
==Die [[Sonne]], der [[Mond]] und der [[Meister vom Stuhl|Meister]]==
Eine ältere, mindestens seit dem [[Wilkinson Manuscript]] (1727) und [[Masonry Dissected]] (1730) bekannte, kosmologische Deutung assoziiert die drei [[Licht]]er mit den drei Regenten [[Sonne]]-[[Mond]]-[[Meister vom Stuhl|Meister]]:<ref name="AFuAM-Ritual"/>
*Die [[Sonne]] regiert den Tag. Sie spendet das [[Licht]], das für das Leben und die Arbeit notwendig ist. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben.
*Der [[Mond]] regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der [[Symbolik]] wird der [[Mond]] oft als das Reflektierende gesehen, das das [[Licht]] der [[Sonne]] widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.
*Der [[Meister vom Stuhl|Meister]] regiert die [[Loge]]. Er soll die [[Brüder]] erleuchten (ihnen Wissen und [[Weisheit]] vermitteln) sowie über die Einhaltung der [[Ordnung]] der [[Loge]] wachen.
 
Mit dem [[Meister vom Stuhl|Meister]] ist also der [[Meister vom Stuhl]], nicht der [[Meister]]grad gemeint. In einigen [[Lehrart]]en (z.B. in den in [[Deutschland]] unüblichen [[Tempelarbeit|Arbeiten]] in I bis III des [[AASR]]) werden [[Sonne]] und [[Mond]] als physische Darstellungen im Osten, neben dem [[Meister]]stuhl angeordnet.<ref name="AASR-Ritual"/>
 
===Interpretation===
''' von [[Philipp Gerlach]]'''
 
Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben ([[Sonne]]) und Nehmen ([[Mond]]) um <i>keine</i> Wertung. Das Passive wird <i>nicht</i> minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, [[Sonne]] und [[Mond]], als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden.
 
Die Auflistung des [[Meister vom Stuhl|Meisters]] an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von [[Sonne]] und [[Mond]]. Man kann die Nennung des [[Meister vom Stuhl|Meister]]s jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der [[Meister vom Stuhl|Meister]] die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er bedarf <i>keines</i> Entweder-Oder — <i>kein</i> Gefühl <i>oder</i> Verstand. Der [[Meister vom Stuhl|Meister]] weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so, durch Maß <i>und</i> Mitte, zur [[Harmonie|harmonischen Lebensführung]].
 
===Uneinheitlichkeiten===
Die Zuordnung ist, [[Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei#Historische Entsprechungen|wie oben beschrieben]], nicht universell. Während beispielsweise die meisten [[Logen]] der [[AFuAM]] dem Schema [[Weisheit, Stärke, Schönheit|Weisheit-Stärke-Schönheit]] <i>und</i> [[Sonne]]-[[Mond]]-[[Meister]] folgen, gibt es in anderen Lehrarten Abweichungen:
*In der [[Strikte Observanz]] wurden und in der [[3WK]] werden Sterne anstelle des Meisters als drittes [[Licht]] genannt. Diese stehen für die [[Brüder]]. Es gilt also die Trias: [[Sonne]]-[[Mond]]-[[Sterne]] - [[Meister vom Stuhl|Meister]]-[[Aufseher]]-[[Brüder]].<ref name="Strikte Observanz"/><ref name="Feddersen"/>
[[Datei:Teppich-ullmann.png | 350px | thumb | Die drei kleinen [[Licht]]er als [[Sonne]], [[Mond]] und [[flammender Stern]] auf einem [[Arbeitsteppich]] von [[Holger Ullmann]]]]
*Auf vielen [[Arbeitsteppich]]en (auch der [[AFuAM]]) finden sich zusätzliche [[Licht]]symbole wie der [[Flammender Stern|flammende Stern]] oder Sternenkonstellationen (oft 3x3) in der Nähe von [[Sonne]] und [[Mond]] ([[Sonne]]-[[Mond]]-[[Flammender Stern]] bzw. ([[Sonne]]-[[Mond]]-[[Sterne]]). Ein [[Symbol]] für den [[Meister vom Stuhl]] (wie der [[Hammer|Meisterhammer]]) kommt dagegen so gut wie nie auf [[Arbeitsteppich]]en vor (hingegen ‚nur‘ der [[Spitzhammer]] bzw. [[Fäustel]] des [[Lehrlings]]).<ref name="Feddersen"/>
 
=Trivia=
Rein äußerlich sind die drei kleinen [[Licht]]er größer als [[die drei großen Lichter]].
 
Die drei losen, [[Licht]]-spendenden Kerzen) habe eine fixe Entsprechung in den drei [[Licht]]-spendenden Fenstern ('um den Lauf der Sonne zu beobachten').<ref name="AASR-Ritual"/>


=Siehe auch=
=Siehe auch=
Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen Lichter in eine lange Tradition von 3er Konstellationen.<ref>Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit der Drei ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch [[Rituale]] und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.</ref> Siehe dazu:
Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen [[Licht]]er daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der [[Freimaurerei]] besonders ausgeprägt ist.<ref name="3er Konstellation" /> Siehe dazu:
*[[Drei|Die Bedeutung der Zahl drei in der Freimaurerei]]
*[[Drei|Die Bedeutung der Zahl drei in der Freimaurerei]]
Sowie:
*[[Die drei großen Lichter der Freimaurerei]]
*[[Die drei großen Lichter der Freimaurerei]]
*Die drei Säulen/Pfeiler der Freimaurerei: [[Weisheit, Stärke, Schönheit]]
*[[Weisheit, Stärke, Schönheit]]
*Die drei [[Grad]]e: [[Lehrling]], [[Geselle]], [[Meister]]
*[[Licht|Symbolsprache des Lichts]]
*[[Dreieck]] (inkl. [[Auge der Vorsehung]], [[Kelle]] und [[Hexagramm]])
 
Traktate zur Geschichte der großen und kleinen [[Licht]]er der Freimaurerei:
*[[Traktat: Die vielen 'Lichter' der frühen Freimaurerei]]
*[[Traktat: Die drei Großen und Kleinen Lichter]], u.a.


=Anmerkungen=
=Anmerkungen=
<references>
<ref name="Carr">Carr, H., & Smyth, F. (1976). <i>The Freemason at Work.</i> Lewis Masonic.</ref>
<ref name="AFuAM-Ritual">[[AFuAM]] (2011): <i>[[Lehrling]]s-[[Ritual]] der [[Großloge]]
der [[AFuAM|Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland]].</i> [[Bauhütten-Verlag]].</ref>
<ref name="AASR-Ritual>z.B. [[AASR]] (2011): <i>Lehrlingsritual</i>. [[Jacob de Molay zum Nordstern]].</ref>
<ref name="FzaS-Ritual">[[FzaS|FzaS]] (1914): <i>Das feierliche Gebrauchtum des [[Lehrling|I. Grades]]</i>.</ref>
<ref name="Feddersen">Feddersen, KCF (1986): <i>Die [[Arbeitstafel]] in der [[Freimaurerei]].</i> Band II: <i>Die [[Symbolik]] der [[Arbeitstafel]].</i> [[Quatuor Coronati]].</ref>
<ref name="Strikte Observanz">[[Strikte Observanz]] (1764). <i>[[Katechismus|Catechismus]] der [[Strikte Observanz|str.(ikten) Ob.(servanz)]]</i>. https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10446381</ref>
<ref name="LPB-Licht">[[Eugen Lennhoff|Lennhoff, E.]], [[Oskar Posner|Posner, O.]] & [[Dieter Binder|Binder, D.]] (1932/2022). <i>Licht</i>. In: [[Internationales Freimaurerlexikon]]. Langen Müller.</ref>
<ref name="LPB-Öffnen">[[Eugen Lennhoff|Lennhoff, E.]], [[Oskar Posner|Posner, O.]] & [[Dieter Binder|Binder, D.]] (1932/2022). <i>Öffnen und Schließen der Loge</i>. In: [[Internationales Freimaurerlexikon]]. Langen Müller.</ref>
<ref name="3er Konstellation">Im [[Christentum]] beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, [[Liebe]], Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: [[Europa]], [[Asien]], [[Afrika]]). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die [[Drei]] im [[Christentum]] für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit in der Dreiheit ist ein zentrales Dogma des [[Christentum]]s in seiner heutigen Auslegung. Auch [[Rituale]] und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die [[Drei]] oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die [[Geometrie]] unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den [[Euklid|euklidischen]] Raum.</ref>
</references>


[[Kategorie:Lexikon|Lichter, die drei kleinen]]
[[Kategorie:Lexikon|Lichter, die drei kleinen]]

Aktuelle Version vom 11. Januar 2026, 11:35 Uhr

Autor: Philipp Gerlach

Die drei kleinen Lichter als Weisheit/Stern, Stärke/Mond und Schönheit/Sonne auf einer Münze.

Die drei kleinen Lichter sind ein zentraler Bestandteil der Lichtsymbolik in der Freimaurerei. Sie werden von den drei großen Lichtern unterschieden, welche die ethischen Grundlagen des Bundes repräsentieren. Während die großen Lichter über eine klare Zuordnung verfügen (Buch, Winkelmaß und Zirkel), gibt es mehrere Entsprechungen der drei kleinen Lichter. [1]

Historische Entsprechungen

In den ältesten erhaltenen Ritualniederschriften ist nur von "drei Lichtern" die Rede. Zunächst wurde also nicht zwischen den großen und kleinen Lichtern unterschieden.

Die Zuordnung der "drei Lichter" variierte zudem.[2] Zum Beispiel:

  • Im 'Edinburgh Register House Manuscript' (1696) stehen sie für den Meister, den Aufseher und den Gesellen.
  • Im 'Sloane Manuscript' (~1700) stehen sie für die Sonne, den Meister und das Winkelmaß (evtl. auch Reißbrett; "the sun, the master and the square")
  • In 'The Grand Mystery of Free-Masons Discover’d' (1724) stehen sie für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist

Aktuelle Entsprechungen

Personifikationen der drei kleinen Lichter als Weisheit, Stärke und Schönheit auf Strichätzungen von Jens Rusch.

Auch heutzutage existieren mehrere Zuordnungen parallel, die sich je nach Lehrart ergänzen oder überschneiden. Am verbreitetsten sind:

Beide Zuordnungen schließen sich nicht wechselseitig aus und können sich sogar ergänzen.

Weisheit, Stärke, Schönheit

Die drei kleinen Lichter als die drei hohen Kerzenleuchter um den Arbeitsteppich.

Besonders in deutschen Logen ist das Öffnen und Schließen der Loge von rituellen Gebräuchen geprägt. Dazu gehört das Entzünden dreier Kerzen, die in der Mitte des Tempelraums an den drei Ecken der Arbeitstafel stehen — meist auf Säulen, teils auch auf Kerzenleuchtern. [3] Die Lichter sind hierbei in der Regel den drei hammerführenden Beamten zugeordnet und korrespondieren teilweise mit den klassischen Säulenordnungen:[4]

  • (Ionische) Säule der Weisheit: Zugeordnet dem Meister vom Stuhl. Sie symbolisiert die Planung und geistige Leitung.
  • (Dorische) Säule der Stärke: Zugeordnet dem 1. Aufseher. Sie symbolisiert die Ausführung und Festigkeit.
  • (Korinthische) Säule der Schönheit: Zugeordnet dem 2. Aufseher. Sie symbolisiert die Harmonie und die ästhetische Vollendung des Werks.

Die Trias Weisheit-Stärke-Schönheit]] dient der Strukturierung der gemeinsamen Arbeit und stellt eine Auswahl der freimaurerischen Tugenden dar (neben z.B. Brüderlichkeit, Toleranz und tätiger Menschenliebe).

Das Entzünden der drei kleinen Lichter in einer Tempelarbeit.

Der Akt des Entzündens und Löschens wird meist durch Sinnsprüche begleitet.

  • Im Ritual der AFuAM beispielsweise:[4]
    • "Weisheit leite den Bau"
    • "Stärke führe ihn aus"
    • "Schönheit vollende ihn"
  • Im Ritual des FzaS beispielsweise:[5]
    • "Wissen ist Macht! Du Leuchte der Wahrheit, wandle die Nacht
zu sonniger Klarheit"
    • "Können ist Kraft! Du Leuchte der Stärke, Weise den Weg
zu dauerndem Werke!"
    • "Wollen zeigt Ziele! Du Leuchte der Güte, gieß deine Schönheit in unser Gemüte!"

Wie aus dem Kerzensprüchen des FzaS hervorgeht, wird sich nicht unbedingt streng an die Entsprechung der Kerzen zu den drei Tugenden gehalten (Wissen-Können-Wollen für Weisheit-Stärke-Schönheit)

Die Sonne, der Mond und der Meister

Eine ältere, mindestens seit dem Wilkinson Manuscript (1727) und Masonry Dissected (1730) bekannte, kosmologische Deutung assoziiert die drei Lichter mit den drei Regenten Sonne-Mond-Meister:[4]

  • Die Sonne regiert den Tag. Sie spendet das Licht, das für das Leben und die Arbeit notwendig ist. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben.
  • Der Mond regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der Symbolik wird der Mond oft als das Reflektierende gesehen, das das Licht der Sonne widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.
  • Der Meister regiert die Loge. Er soll die Brüder erleuchten (ihnen Wissen und Weisheit vermitteln) sowie über die Einhaltung der Ordnung der Loge wachen.

Mit dem Meister ist also der Meister vom Stuhl, nicht der Meistergrad gemeint. In einigen Lehrarten (z.B. in den in Deutschland unüblichen Arbeiten in I bis III des AASR) werden Sonne und Mond als physische Darstellungen im Osten, neben dem Meisterstuhl angeordnet.[6]

Interpretation

von Philipp Gerlach

Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben (Sonne) und Nehmen (Mond) um keine Wertung. Das Passive wird nicht minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, Sonne und Mond, als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden.

Die Auflistung des Meisters an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von Sonne und Mond. Man kann die Nennung des Meisters jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der Meister die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er bedarf keines Entweder-Oder — kein Gefühl oder Verstand. Der Meister weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so, durch Maß und Mitte, zur harmonischen Lebensführung.

Uneinheitlichkeiten

Die Zuordnung ist, wie oben beschrieben, nicht universell. Während beispielsweise die meisten Logen der AFuAM dem Schema Weisheit-Stärke-Schönheit und Sonne-Mond-Meister folgen, gibt es in anderen Lehrarten Abweichungen:

Die drei kleinen Lichter als Sonne, Mond und flammender Stern auf einem Arbeitsteppich von Holger Ullmann

Trivia

Rein äußerlich sind die drei kleinen Lichter größer als die drei großen Lichter.

Die drei losen, Licht-spendenden Kerzen) habe eine fixe Entsprechung in den drei Licht-spendenden Fenstern ('um den Lauf der Sonne zu beobachten').[6]

Siehe auch

Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen Lichter daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der Freimaurerei besonders ausgeprägt ist.[9] Siehe dazu:

Traktate zur Geschichte der großen und kleinen Lichter der Freimaurerei:

Anmerkungen

  1. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Licht. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  2. Carr, H., & Smyth, F. (1976). The Freemason at Work. Lewis Masonic.
  3. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Öffnen und Schließen der Loge. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  4. 4,0 4,1 4,2 AFuAM (2011): Lehrlings-Ritual der Großloge
der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Bauhütten-Verlag.
  5. FzaS (1914): Das feierliche Gebrauchtum des I. Grades.
  6. 6,0 6,1 z.B. AASR (2011): Lehrlingsritual. Jacob de Molay zum Nordstern.
  7. Strikte Observanz (1764). Catechismus der str.(ikten) Ob.(servanz). https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10446381
  8. 8,0 8,1 Feddersen, KCF (1986): Die Arbeitstafel in der Freimaurerei. Band II: Die Symbolik der Arbeitstafel. Quatuor Coronati.
  9. Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit in der Dreiheit ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch Rituale und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.