Rezension "Tagebuch der großen Loge von Preußen" von Guntram B. Seidler

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Tagebuch

Bijou der Ordensmeister
Am Beispiel des Umgangs mit Juden erfahren wir Wesentliches über die geistige Verfasstheit der deutschen Freimaurer vor allem am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Guntram B. Seidler ist in seinem Werk der Frage nachgegangen, wie sich Antisemitismus, aber auch Weltoffenheit, in deutschen Freimaurerlogen seit Jahrhunderten artikuliert. Im Stile einer Quellensammlung zeichnet er im ersten Teil des Buches diese Entwicklung anhand der einzelnen deutschen Großlogen nach. Dabei wird deutlich, dass die Bindung der Freimaurerei an die christliche Konfession eine Komplizenschaft mit dem Nationalsozialismus zur Ausgrenzung und Verfolgung von Juden begünstigte. Im zweiten Teil beschreibt der Autor das Wirken des Unabhängigen Ordens B’nai B’rith (U.O.B.B.) in Deutschland. Viele Gerüchte ranken sich um diese wichtige Einrichtung, die oft fälschlich auch als „jüdische Freimaurerei“ bezeichnet wird. *Teil I – Die Juden in den Freimaurerlogen *Teil II – Der Unabhängige Orden B'nai B'rith
Bezugsmöglichkeit: [https://salierverlag.de/Buecher/Freimaurer-Gesamt/Die-Juden-in-den-deutschen-Logen.html Salier Verlag


Vorwort

Im Spätherbst des Jahres 2023 erschien diese elementare Aufarbeitung durch Guntram B. Seidler. Die Kompilation wurde herausgegeben von der Großen Loge Royal York zur Freundschaft mit einem sehr treffenden Geleitwort von Hans Hermann Höhmann, das dessen Veröffentlichung "Identität und Gedächtnis" entnommen wurde:

"Deutsche Freimaurer tun sich schwer mit dem Kampf des Gedächtnisses gegen das Vergessen. Dies zeigt ihr Umgang mit der eigenen und mit deutscher Geschichte. Sie neigen dazu, unbequeme Wahrheiten über die Vergangenheit zu verdrängen und die Sicht auf die Realität des Gewesenen mit selbstgemachten historischen Kulissen zu verstellen. Besonders ausgeprägt ist diese Haltung in Bezug auf auf die 1920er und die frühen 1930er Jahre, im Hinblick auf die Zusammenhänge zwischen Freimaurerei, Nationalismus und Nationalsozialismus. Hier dominieren bis heute selbst verordnete Amnesie, Geschichtsklitterung und wolkiges Denken."

Diese Erkenntnis deckt sich mit meinen persönlichen Erfahrungen während der Rekonstruktion der von den Nazis zerstörten Statue Friedrich Ludwig Schröders und meiner Arbeit am Restitutions-Krimis "Das große Notzeichen". Insbesondere die Auseinandersetzung mit den Büchern von Niklas Frank "Zum Ausrotten wieder bereit" und "Feige Seele dummes Maul" in der diese mangelhafte Aufarbeitung als eine der Ursachen für den gerade wieder aufkeimenden Antisemitismus genannt wird, haben mich immer wieder animiert, der Kategorie "Dunkle Zeit" in diesem Freimaurer-Wiki ein besonders Gewicht zuzubilligen.

Daher begrüße ich diese Aufarbeitung durch Guntram B. Seidler ausdrücklich. Sein bescheidener Untertitel "Ein Beitrag zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels ihrer Geschichte", der auf die besondere Rolle der Großen Loge von Preußen weist darauf hin, dass es bereits erste, zaghafte Versuche einer Aufarbeitung gab.

So lesen wir auf unserer Seite 3WK beispielsweise: [...]Die Umwandlung der GNML zu den „3WK“ in den Nationalen Christlichen Orden „Friedrich der Große“ im April 1933 war kein Tarnungsversuch zur Rettung der Freimaurerei, sondern der Versuch überzeugter Nationalsozialisten, eine völkisch-nationale Freimaurerei aufzubauen. Der Gedanke, es würde etwa durch Anbiederung gelingen, der Verfolgung Einhalt zu gebieten, ist ein Irrtum. Die Angriffe auf die Freimaurerei wurden immer stärker.

Auch der Widerstand deutscher Freimaurer gegen das NS-System hielt sich in Grenzen. Die deutschen Freimaurer waren in dieser Hinsicht nicht besser und auch nicht schlechter als die Mehrheit der deutschen Bürger. Sich dieses einzugestehen, fällt den meisten Freimaurern bis heute schwer.[...]

Dieses Tagebuch der Großen Loge von Preußen (genannt Royal York) zur Freundschaft sollte, ja müsste zur Pflichtlektüre für jeden deutschen Freimaurer werden.

Jens Rusch im Dezember 2023

Aus der Geschichte der Großen Loge Royal York zur Freundschaft

GLRYzF-Zeitschrift "Am rauhen Stein" Nr. 44, Heft 2023/3, S. 8-11

Von Guntram B. Seidler

225 Jahre Große Loge Royal York zur Freundschaft!

Eine recht lange Zeit, in der zum 50. (1849), 100. (1898), 110. (1908), 150. (1948), 160. (1958), 200. (1998) und 210. (2008) Stiftungsjubiläum Festschriften mit Chroniken erschienen.

Bei deren Durchsicht fällt auf, dass dabei die Behandlung sowie die kritische Bewertung des wohl finstersten Kapitels in der Geschichte der GLRYzF während der Weimarer Republik und im sog. „Dritten Reich“ zu kurz gekommen sind. Denn in der 1948er Jubiläumsschrift wurde auf diese tief einschneidende Zeitepoche lediglich auf nur sieben kleinformatigen Seiten bei Ausklammerung von wichtigen Fakten eingegangen, wovon auch nur einige Passagen wortwörtlich in die kurzgefassten Festschriften von 1958 und 1998 übernommen wurden.

Eine detaillierte Geschichte der GLRYzF für die Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg, des Wechsels zum christlichen Prinzip bis hin zur gleichgeschalteten Umwandlung in einen deutsch-christlichen Orden und zuletzt zur Auflösung und Liquidation fehlte damit bisher, vor allem aber auch eine selbstkritische Aufarbeitung dieser für die deutsche Freimaurerei unseligen Zeitepoche.

Der Redner der Großen Loge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Br. Hans- Hermann Höhmann, hatte in einigen seiner Veröffentlichungen die bisherige mangelhafte Erinnerungskultur an diese Zeit beklagt. U. a. in seiner Schrift „Identität und Vermächtnis“ von 2014 zog er diesbezüglich Bilanz.

Die Beleuchtung und Analyse des Verhaltens der deutschen Freimaurerlogen in der Nazi-Zeit sei anfangs nur zögerlich erfolgt, vor allem hätten sich zunächst externe Forscher dieses Themas angenommen, während der letzten beiden Jahrzehnte zunehmend aber auch Freimaurer. Von den früheren, meist nicht reaktivierten neun deutschen Großlogen habe von den heute wieder existierenden altpreußischen Großlogen bisher nur die Große National-Mutterloge „zu den drei Weltkugeln“ im Jahre 2002 ein dreibändiges Werk als „Versuch einer Standortbestimmung“ der Jahre 1933 bis 2000 herausgebracht.

„Das Werk begründet ein neues Anspruchsniveau, von dem bei weiteren Bemühungen ausgegangen werden sollte.“

Es fehlte bisher ein entsprechender „Versuch“ der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland und trotz ihrer als Traditionsverband heute nur noch geringen Größe nicht zuletzt der GLRYzF.

Der Autor dieses Artikels hatte sich daher der Mühe unterzogen, die vielen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz befindlichen einschlägigen Dokumente aus dieser Zeit zu sichten und schließlich zu einer Schrift für diese Zeitepoche zu verarbeiten. Für die Darstellung wurde die Form eines Tagebuchs gewählt. Damit ist stets ein zeitlicher Zusammenhang erkennbar und die Fortentwicklung der hochproblematischen Ereignisse kann anhand der zitierten beeindruckenden Zeitdokumente besser verfolgt werden, vor allem in der Zeit des Niedergangs im „Dritten Reich“. Denn es handelt sich um eine besonders schicksalsschwere Zeit, in der die GLRYzF von ihrer langen freimaurerischen Tradition immer mehr abwich und sich und ihre Tochterlogen schließlich selbst auflöste. Hier kann nur ein kurzer Abriss der demnächst erscheinenden Schrift vorgelegt werden.

Die GLRYzF galt lange als die liberalste Großloge der Altpreußen. Sie besaß als Logenverband ein auf den großen Reformator Ignaz Aurelius Feßler zurückgehendes demokratisches Grundgesetz und nahm sogar ab 1872 jüdische Suchende auf. Aber der sich ab Ende des 19. Jhs. ausbreitende Antisemitismus machte auch vor ihr nicht halt, was zur Ablehnung durch bewusste Schwarzkugelung mancher Tochterlogen und zum Rücktritt des Großmeisters Settegast im Jahre 1889 führte, der sich gegen diese Benachteiligung aussprach und sogar die Stufen Innerer und Innerster Orient abschaffen wollte, da diese den jüdischen Johannismeistern verschlossen waren.

Ab dem 20. Jh. nahmen die Spannungen zwischen den besonders national-konservativ eingestellten altpreußischen Großlogen und den außerpreußischen Großlogen zu, insbesondere nach Beginn des Ersten Weltkriegs, als die Kontakte zu den Logen der Feindländer abgebrochen wurden. Dies betraf u. a. England; und so wurde am 7. Dezember 1914 der Zusatz „Royal York“ gestrichen und der Name in Große Loge von Preußen zur Freundschaft (gewählte Kurzbezeichnung „Gr.L.v.Pr.“) umgewandelt. 1917 fand daher auch keine Feier zum 200. Jubiläum der Englischen Großloge statt.

Am 11. November 1918 wurde zwar der Erste Weltkrieg durch den Waffenstillstand von deutscher Seite eingestellt, jedoch völkerrechtlich erst durch den am 28. Juni 1919 abgeschlossenen Friedensvertrag von Versailles beendet. Was mit Gebietsabtretungen und hohen Reparationszahlungen für Deutschland verbunden war. Undbald suchte man die Schuldigen am verlorenen Krieg und der frühere Verschwörungsmythos lebte wieder auf.

Juden und Freimaurer hätten diesen Krieg initiiert und durch ihre angeblichen weltweiten Verbindungen hintertrieben. Damit nahmen die Angriffe auf die Freimaurerei in den 1920er Jahren durch Verschwörungstheoretiker, wie Erich Ludendorff mit seiner Frau Mathilde in Verbindung mit dem „Tannenbergbund“ und Rosenberg, Wichtl, Schneider und andere Gegner immer mehr zu.

Der Kaiser dankte 1918 ab und der Protektor Prinz Leopold von Preußen trat aus allen drei altpreußischen Großlogen aus. Der Wegfall des bisherigen dynastischen Schutzschirms und des aus ihrer Sicht angeblichen Schmachs der durch den Krieg erlittenen Niederlage bei Einzug unsicherer Verhältnisse musste nun bei vielen Freimaurern, die meist dem national-konservativen Bürgertum angehörten, zu einer großen Orientierungslosigkeit führen.

Daher rückten die drei besonders national-konservativ eingestellten Altpreußen, die rund Dreiviertel der deutschen Freimaurer ausmachten, zunächst noch enger zusammen und traten am 21. Mai 1922 aus dem deutschen Großlogenbund aus. Damit war es nicht nur zur weitgehenden Trennung von der internationalen Freimaurerei, sondern auch innerhalb der deutschen Freimaurerlogen zu einer Spaltung gekommen.

Letztere Abgrenzung nahm noch mehr zu, als die Gr.L.v.Pr. am 2. Juni 1924 durch Einführung des „Arierparagraphen“ zum christlichen Prinzip überwechselte und sich damit noch enger an die beiden anderen Altpreußen anschloss. Dafür maßgebend war der sog. „Münchener Antrag“ der 1921 neu gegründeten rechtsgerichteten Loge „Freundschaft im Hochland“, der auch August Horneffer angehörte, der nach seinem Umzug nach Berlin am 24. September 1923 zum Großschriftführer und angestellten Großarchivar gewählt wurde. Er trat in der Folge maßgeblich für das christlich-völkische Prinzip in der Freimaurerei ein.

Die Anfeindungen gegen die Freimaurer verstärkten sich ab 1927 noch mehr durch die Hetzschriften und Vorträge von Erich Ludendorff und seiner Frau Mathilde in Verbindung mit dem „Tannenbergbund“ sowie anderer Gegner. Ihren Höhepunkt fanden diese Angriffe nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933. Wie August Horneffer, der als eine Art „Chefideologe“ der Gr.L.v.Pr. den Führer Adolf Hitler und den Nationalsozialismus in seinen Reden und Artikeln im Großlogenblatt „Am rauhen Stein“ pries, glaubten viele altpreußische Freimaurer an eine Art „Messias“ oder „Vaterfigur“, der das international angeschlagene Deutschland wieder zu altem Ansehen führen könnte.

Mit dem Bestreben nach Anpassung an die nationalsozialistischen Ideen gelangte die Gr.L.v.Pr. an ihre Grenzen, bis sie sich zuletzt wie die beiden anderen Altpreußen „gleichschaltend“ sogar von der Freimaurerei völlig trennte und sich im April 1933 in einen christlich-nationalen Orden mit fünf Stufen bei entsprechendem Brauchtum umwandelte, und sogar unter Wegfall des Großbeamtenrats für den Großmeister das alleinige Führerprinzip à la Hitler einführte. Neben der Großlogenfahne war bei Festlichkeiten die Hakenkreuzfahne zu hissen; für die Ordensmeister als ehemalige Stuhl- meister wurde ein neues, an das faschistische Hakenkreuz adaptierte Bijou eingeführt. (Siehe Abbildung) Anstelle des alljährlichen Johannesfestes trat nun die altgermanische Sonnenwendfeier. Und das ehemalige Streben nach Sittlichkeit und persönlicher Vervollkommnung wurde nun im national- sozialistischen Sinne durch eine Ideologie zur Stärkung des völkischen Staates ersetzt.

So versicherten z. B. die drei altpreußischen Großlogen dem neuen Machthaber Adolf Hitler in einem gemeinsamen Telegramm vom 21. März 1933 ihre treue Ergebenheit. Vom anfänglichen Standpunkt der deutsch-nationalen Großlogen her hatte die Regierung Hitlers nur den Nachteil, dass sie sich überwiegend auf eine Partei stützte, die eine grundsätzlich antifreimaurerische Haltung einnahm. Man deutete dies zunächst als Missverständnis, hatte man doch scheinbar die gleichen Ideale, die gleichen Ziele. Von der NSDAP und ihren Nachfolgeorganisationen ausgeschlossen, fühlten sich die Brüder schmerz-haft als Bürger zweiter Klasse, die nicht „gleichgeschaltet“ zum Wohle des „Dritten Reiches“ in diesen mitarbeiten durften.

Wenn später oft von bewusster Tarnung gesprochen wurde, so entspricht dies nicht den Tatsachen. Es liegen viele Briefe und Erklärungen der Altpreußen an Hitler und andere Nazi-Größen wie Rudolf Hess, Hermann Göring und den Reichsleiter der NSDAP Major Walter Buch vor, in denen geradezu um deren Gunst gebuhlt wurde, und aus denen eine echte nationalsozialistische Überzeugung spricht. Wie man sich vaterländisch gebärdete, zeigt ein seltenes Foto einer vermutlichen Sonnenwendfeier aus dem Jahre 1934.

Alle versuchten Gleichschaltungen und Anbiederungen halfen letzten Endes wenig. Die drei neuen altpreußischen Orden wurden trotz einer gewissen Akzeptanz von den Nazis weiterhin als eine Art „Fremdkörper“ angesehen. So wollten die Machthaber ihnen zunächst zumindest eine Rückzugsbrücke bauen, indem ihren Tochter- logen in einem Erlass vom 4. Januar 1934 zugesichert wurde, dass ihnen bei Selbstauflösung das Vermögen statutengemäß nicht ihrer Großloge, sondern ihnen selbst zufalle.

Nachdem der Preußische Reichsminister des Innern, Dr. Wilhelm Frick, am 10. März 1934 die Anerkennung der Umwandlung der Altpreußen in Orden endgültig abgelehnt hatte, verfügte er zumindest am 3. April 1934, dass gegen die altpreußischen Logen zunächst keine Schritte unternommen werden sollten. Trotzdem erfolgten regionale Übergriffe, die zunächst meist noch erfolgreich abgewehrt werden konnten, bis schließlich die NSDAP allmählich immer mehr Einfluss auf die Behörden gewann und diesen schließlich beim rechtlichen Eingreifen die Hände durch die Partei völlig gebunden wurden.

Der Makel einer angeblichen Volksfeindlichkeit

Am 22. März 1935 wurden die Vertreter der Altpreußen ins Reichsinnenministerium eingeladen und ihnen eröffnet, es sei nur eine Frage der Zeit, dass sie zwangs- aufgelöst würden. Aber für den Fall ihrer freiwilligen Selbstauflösung würde keine Enteignung ihrer Vermögen stattfinden. Daraufhin erklärten die drei Groß- meister, sie würden „das schwerste Opfer der freiwilligen Auflösung“ dem Volk darbringen und diese auch ihren Tochterlogen empfehlen, vorausgesetzt, ihnen würde in einer öffentlichen Regierungserklärung der Makel einer angeblichen Volksfeindlichkeit genommen werden.

Der Beschluss der Selbstauflösung der Gr.L.v.Pr. erfolgte daraufhin am 7. Juli 1935 mit Wirkung vom 15. Juli 1935. Kurz darauf lösten sich die noch verbliebenen Logen auf. Am 16. Juli 1935 fand noch eine bewegende Abschlussarbeit der Berliner Tochterlogen statt. Die der staatlichen Kontrolle unterliegende Liquidation zog sich bis 1941 hin. Das Restvermögen konnte mit staatlicher Genehmigung für karitative Maßnahmen verwendet werden.

Höhmann stellte fest, die Selbstauflösung habe wenigstens einen endgültigen Wesens- und Substanzverlust der deutschen Freimaurerei verhindert. Denn, was wäre wohl geschehen, wenn Hitler der Bitte nachgekommen wäre, den Orden einen Platz in seiner nationalen Bewegung zuzuweisen. Und Höhmann meint auch: „Die für die Freimaurerei so dunkle Zeit des Nationalsozialismus, von der wir oft gesprochen haben, ist leider irreversibel, doch die Verdunklungen unserer Erinnerung daran, die können wir überwinden.“

Und:

„Deutsche Freimaurer tun sich schwer mit dem Kampf des Gedächtnisses gegen das Vergessen. Dies zeigt ihr Umgang mit der eigenen und mit deutscher Geschichte.“

Dass viele Freimaurer nach dem Zweiten Weltkrieg mit diesem Kapitel unkritisch umgingen, untersetzten in letzter Zeit einige Autoren am Beispiel des früheren Großschriftleiters des Großlogenblattes „Am rauhen Stein“ und langjährigen Meisters vom Stuhl August Horneffer. Dieser habe in seinen Vorträgen und Artikeln den Nationalsozialismus verherrlicht und sei ganz maßgeblich an der „Gleichschaltung“ der Gr.L.v. Pr. beteiligt gewesen, was auch nach Einsicht deren einschlägigen Dokumente durch den Autor dieses Beitrags detailliert bestätigt werden kann.

In seinen eigenen freimaurerischen Memoiren von 1957 begründete Horneffer sein Verhalten lediglich mit dem Hinweis auf den allgemein nationalsozialistisch geprägten Zug dieser Zeit, dem sich viele Freimaurer nicht verschlossen haben. Er habe dem Großmeister Feistkorn zuliebe entsprechend mitgewirkt.

Trotzdem wurde Horneffer von offenbar ebenfalls unkritischen Brüdern 1946 zum Großmeister der reaktivierten Großen Loge Royal York zur Freundschaft gewählt und stets hochgeehrt. Damit kam es dann auch zu keiner Aufarbeitung dieses Teils Geschichte.

Das „Tagebuch der Großen Loge von Preußen (genannt Royal York) zur Freundschaft“ – so der Titel – soll daher die bisher fehlende Lücke in der Geschichte der GLRYzF schließen helfen und zur Aufarbeitung und zum Nichtvergessen deren finstersten Kapitels beitragen. Daher ist geplant, jedem Bruder unserer altehrwürdigen Großen Loge anlässlich ihres 225. Jubiläums ein Exemplar dieser Chronik zu überreichen. Denn auch diese wohl problematischste Zeitepoche der GLRYzF gehört schließlich zu deren Geschichte und darf nicht in Vergessenheit geraten.

Literaturhinweise

Die "Dunkle Zeit"

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